An Straßenlaternen in der City sind WLAN-Strahler angebracht Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

An vier zentralen Punkten in der City gibt es jetzt kostelose WLAN-Knoten. Das soll laut Bürgermeister Michael Föll nur ein Anfang sein: „Wir überlegen, wie wir es weiter ausbauen können.“

Stuttgart - Denkt Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) an kostenfreies Surfen mit seinem Smartphone in der City, bekommt er fast Urlaubsgefühle: „Schönes Wetter, auf der Wiese am Schlossplatz liegen und kostenlos im Internet surfen – was gibt es Schöneres?“ Der Erste Bürgermeister der Stadt ist begeistert von dem neuen Angebot, das die Stuttgart-Marketing GmbH zusammen mit dem Betreiber Unitymedia BW GmbH und der BW Bank als Partner initiiert hat. „Das ist ein Meilenstein, es gibt nichts Besseres in Deutschland“, schwärmt Föll.

Doch hält das kostenfreie WLAN-Netz auch, was es verspricht? Wie kommt man in den Genuss? Sind die Strahlen gefährlich? Um das neue Angebot gibt es viele Fragen:

Wie kommt man ins Netz?
Auf seinem Smartphone, Tablet oder tragbaren Computer das Netzwerk „Unitymedia Wifi“ auswählen, danach eine beliebige Internetseite öffnen und schließlich über SMS die Zugangsdaten anfordern. Danach anmelden und lossurfen. Die Registrierung klappt reibungslos.
Warum muss man sich registrieren?
„Wegen der Störerhaftung“, sagt Jung von Unitymedia, „wir sind als offizieller Netzbetreiber dazu verpflichtet. Denn es kann immer sein, dass Nutzer Unfug im Netz treiben.“ Gleichzeitig betont Jung, dass der Datenschutz gewährleistet sei: „Wir werten keine Daten aus, und wir geben keine Daten weiter.“
Wo sind die Zugangspunkte?
Am i-Punkt (Königstraße 1), am Schlossplatz, am Marktplatz, am Schillerplatz kann man das mobile Internet nutzen. Das entspricht einer Fläche von über 50 000 Quadratmetern – also einer Größe von sieben Fußballfeldern.
Wie sieht die Zukunft aus?
Schon jetzt denken die Stadt und Unitymedia daran, die Fläche weiter auszubauen. Derzeit gibt es im gesamten Stadtgebiet bereits 40 weitere Zugangspunkte (siehe Grafik). „Aber wir planen einen flächendeckenden Ausbau“, sagt Heribert Clemens vom Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Sein Kollege Klaus Jung erklärt die Vision: „Neben den 40 Hotspots sollen auch Gastronomen, Händler und schließlich unsere Privatkunden ihre Netze gegen verbesserte Konditionen für eine Unitymedia-Community öffnen.“ In Ergänzung mit dem wachsenden Netz der Freifunker könnte so irgendwann ganz Stuttgart abgedeckt sein. Dies wäre auch für Stuttgart-Marketing-Chef Armin Dellnitz ein verlockender Gedanke. Auf dem Weg dahin wäre es aus Sicht des Marketing-Experten jedoch wünschenswert, wenn auch die Stuttgarter Straßenbahnen AG an den Haltestellen und in ihren Bussen oder Zügen ein WLAN-Signal senden würde. „Dann wäre der Weg geebnet“, sagt Dellnitz. „das wäre auch eine tolle Sache für den ÖPNV.“ Ein SSB-Sprecher erteilte Dellnitz indes eine Absage: „Es ist nicht vorgesehen, in ­absehbarer Zeit so etwas einzuführen.“
Gibt es auch Kritik?
Ja, sie kommt von der Piratenpartei. Die Stuttgarter Piraten ärgert, dass das Angebot nicht unbeschränkt nutzbar sei. Gemäß der Geschäftsbedingungen könne nach 50 Megabyte Datenvolumen, die innerhalb von 24 Stunden anfallen, die Geschwindigkeit auf 64 KBit/s gedrosselt werden. Das sei eine Geschwindigkeit, die man noch aus der Zeit der alten Modems kenne. „Bei der von Unitymedia propagierten maximalen Download-Geschwindigkeit von 10 MBit/s bedeutet dies, dass innerhalb von nicht einmal zwei Minuten das schnelle Internet verbraucht ist“, rechnet Michael Knödler, Piraten-Kandidat zur Landtagswahl, vor.
Sind die Funkstrahlen schädlich?
„Nein“, sagt Klaus Jung, „ein Knotenpunkt strahlt 20-mal weniger als ein normales Handy und 2000-mal weniger als eine Mobilfunkantenne.“
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