Böden und Wände waren längst fertig – jetzt beginnen die Arbeiter von vorn. Foto: Leif Piechowski

Eine vier Zentimeter dicke Leitung bringt das Klinikum der Landeshauptstadt gehörig ins Schwimmen. Dort ist unter hohem Druck Wasser ausgetreten und hat den Neubau überschwemmt. Die Reparaturen dauern Monate.

Stuttgart - Der vordere Teil des neuen Krankenhausgebäudes an der Kriegsbergstraße ist so gut wie fertig. Dort steht eine große Arche Noah für die kleinen Patienten. Nach der Eröffnung Ende Oktober sollte die Frauenklinik aus Bad Cannstatt am 9. November hierher ziehen, danach die Neonatologie folgen. Das Kinderkrankenhaus Olgäle wäre zum Schluss dran gewesen. Die Wände sind bereits bunt verziert. Dort schwimmen gemalte Fische durch ein Aquarium aus fröhlichen Farben.

Doch wenige Meter weiter ist die gesamte Baustelle ins Schwimmen geraten. Aus dem von 400 Mitarbeitern minutiös geplanten Umzug wird nichts. Bereits fertige Wände sind aufgerissen, Gipsplatten ausgebaut, Teile des Estrichs sind markiert und müssen weg. Mobiliar und medizinische Geräte müssen wieder raus. Daneben stehen gleich zwei Bürgermeister und schauen konsterniert. „Dieser Schaden hat uns mitten ins Herz getroffen“, sagt Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle. Und Technik-Kollege Dirk Thürnau gibt zu Protokoll: „Wir sind wieder auf Rohbauniveau.“

Und das in einem erheblichen Teil des Gebäudes. Rund 10 000 Quadratmeter des Neubaus, rund ein Neuntel seiner Fläche, stand unter Wasser, als am 16. September frühmorgens ein Verbindungsstück an einer zentralen Leitung den Geist aufgab. Der Wachdienst bemerkte den Schaden um 6.25 Uhr. „Das Wasser ist zwischen einer und mehreren Stunden unter großem Druck aus der 40 Millimeter dicken Leitung geschossen“, sagt Thürnau. Es ergoss sich aus dem zweiten Stock über sechs Etagen in die Tiefe.

Obwohl die Stadt sofort nach Entdeckung des Schadens mit der Trocknung begonnen hat, sind die Folgen enorm. Die Überschwemmung ist zwar inzwischen beseitigt, ein Gutachter wird aber vier Wochen brauchen, um die Auswirkungen zu untersuchen. Unter Wasser standen Räume der Gynäkologie und der Kinderklinik, Teile des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, der intensivmedizinischen Pflege, der pädiatrischen Ambulanz, der Physiotherapie und der Herzkatheterbehandlung. Dazu kommen die Tiefgarage und die Decke zur Heizungsanlage.

Schwerstarbeit für das Klinikum

Betroffen ist aber eine weit größere Fläche, weil auch angrenzende Räume und Fluchtwege aus Sicherheitsgründen nicht nutzbar sind. 25 000 der 90 000 Quadratmeter Fläche fallen deshalb vorerst weg – an eine Eröffnung des 330 Millionen Euro teuren Neubaus ist nicht zu denken. Prognosen will die Stadt keine abgeben – aber weil die empfindlichen Patienten des Olgäle nicht im tiefsten Winter umziehen können, dürfte vor dem Frühjahr nichts gehen.

Für das Klinikum bedeutet das Schwerstarbeit. Die bisherigen Krankenhausgebäude müssen nun länger in Betrieb bleiben, der Umzug wird komplett neu geplant. „Wir müssen jetzt die Patienten informieren. Es waren schon Operationen im Neubau geplant“, sagt Ralf-Michael Schmitz. Der Geschäftsführer des Städtischen Klinikums betont, die medizinische Versorgung sei gesichert. Dafür komme auf die Mitarbeiter, die über die Situation frustriert seien, einiges zu: „Wir müssen vieles rückabwickeln, die Umzugsplanung stoppen und die Dienstpläne ändern.“ Man werde „viel Energie reinstecken und das hinbekommen“.

Der Schaden dürfte in die Millionen gehen. Wer dafür geradesteht, ist noch offen. Die Stadt jedenfalls werde es nicht sein, betont Wölfle: „Die Versicherungen sind eingeschaltet. Wir sehen bereits eine, die wohl zahlen muss.“ Das hängt davon ab, ob ein Materialfehler oder ein mangelhafter Einbau der Wasserleitung den Neubau des Klinikums hat baden gehen lassen.

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