Stuttgart investiert 24 Millionen Euro in einen Betriebshof für die Abfallwirtschaft. Der Standort in Wangen zeigt, wie Hightech und Nachhaltigkeit kombiniert werden.
Keine Frage: Frank Hermann, der Leiter des Betriebshofs der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) in Stuttgart-Wangen, ist stolz wie Bolle auf seinen neuen Arbeitsplatz an der Gingener Straße. Der Standort bietet ihm und seinen rund 190 Mitarbeitern nicht nur modern ausgestattete und komfortable Räumlichkeiten. Auch von außen erinnert der gut 24 Millionen Euro teure Gebäudekomplex so gar nicht an einen Betriebshof.
Die Holz-Hybrid-Bauweise ist fraglos ökologisch und optisch gelungen. Was bei den Planungen ebenfalls elementar war: Der Bau sollte möglichst unauffällig und gleichzeitig lärmdämmend sein. „Auf der anderen Straßenseite ist Wohnbebauung, die Menschen darin sollen wenig bis gar nichts von unserer Arbeit mitbekommen“, so der Betriebsstellenleiter.
Standort in Stuttgart-Wangen war lange umstritten
Doch bis die ersten Müllfahrzeuge am 15. Oktober vergangenen Jahres vom Hof rollen konnten, war es ein ziemlich langer Weg. Nachdem fest stand, dass die Stadt Stuttgart den Betriebshof in der Türlenstraße aufgeben wird, begann die schwierige Suche nach Ersatzflächen. Neben Bad Cannstatt in der Burgholzstraße wurde die Abfallwirtschaft schließlich auch in Wangen fündig. Doch der AWS-Chef Markus Töpfer musste in der Folge viel Überzeugungsarbeit leisten, Vorurteile aus dem Weg räumen und die Ängste der künftigen Nachbarn beseitigen.
Baubeginn für das AWS-Projekt war schließlich 2022. Nach den Plänen des Wettbewerbssiegers Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten entstand ein Gebäudekomplex, der eigentlich so gar nicht an einen Betriebshof einer Abfallwirtschaft erinnert – zumindest von außen. Denn wohin das Auge reicht, sieht der Betrachter nur Holz in einem gedeckten, matten Schwarzton.
Diese Außenwände bestehen aus einer hochgedämmten Holztafelbaukonstruktion mit Lamellen. „Da dringen nicht einmal die Geräusche beim Rückwärtsfahren der Laster nach draußen“, sagt der Betriebsstellenleiter. Da die Zufahrt zudem über den Autohof und nicht über die Gingener Straße erfolge, bekommen die Anwohner vom Verkehr nichts mit.
E-Fahrzeuge parken in der Stuttgarter Halle
Lediglich die Mitarbeiter spazieren hier rein und raus. Gerade in diesem sensiblen Bereich, so die AWS-Verantwortlichen, haben die Stuttgarter Architekten hervorragende Arbeit geleistet. Generell gliedert sich das Grundstück, neben der AWS ist hier noch eine Betriebsstelle des Tiefbauamts beheimatet, in zwei Beereiche: Entlang der Gingener Straße ist das Betriebsgebäude mit zwei Ober- und einem Untergeschoss platziert. Es nimmt sämtliche beheizten Nutzungen auf und dient als Schallschutz.
Im südlichen Bereich des Areals liegt quer zur Hauptzufahrt die offene, überdachte Fahrzeughalle. Sie beherbergt alle Stellplätze für die Fahrzeugflotte sowie die Werkstätten, das Behälterlager und die Behälterwaschanlage. Auch hier gibt es Lob für die Architekten, da die Stellplätze so platzsparend organisiert wurden, dass insgesamt 42 zur Verfügung stehen. Wer hier einen Blick nach oben wirft, sieht an der Decke bereits die Abroller für Ladekabel für die ersten zehn E-Sammelfahrzeuge der AWS, die demnächst in Stuttgart unterwegs sein werden.
„Die Ausschreibung für weitere zehn ist erfolgt“, sagt Markus Töpfer. Sie sollen dann auf dem Betriebshof in Bad Cannstatt, der aktuell ebenfalls umgebaut wird, zum Einsatz kommen. Langfristig lässt die Landeshauptstadt ihre Abfallsammelflotte also nach und nach umrüsten. Nicht billig, denn ein Fahrzeug schlägt mit rund 500 000 Euro zu Buche. „Allerdings werden wir 30 Prozent der alten Flotte für den Katastrophenfall behalten“, so der AWS-Chef.
Hier schlägt das Herz der Betriebsstelle in Stuttgart-Wangen
Das Herz der Betriebsstelle schlägt im Hauptgebäude an der Gingener Straße. Neben der Verwaltung, dem Archiv und dem Kleiderlager sind im Untergeschoss die Umkleide- und Waschräume, das Lager sowie Technikflächen untergebracht. Der wichtigste Raum für die AWS-Mitarbeiter liegt im Erdgeschoss: die Kantine. Weiße Tische, wenig Farbe, aber hell und freundlich. Vor allem versorgen zwei gute Köche die Mitarbeiter. Denn eines steht für Markus Töpfer und Betriebsstellenleiter Hermann fest: ohne Mampf kein Dampf.
„Die Lader bewegen während ihrer Route Müllbehälter, die zum Teil mehr als 70 Kilogramm wiegen“, berichtet Hermann. Teilweise müssen sie sogar aus Kellern getragen werden. Und das im Winter bei Glatteis und Kälte sowie im Sommer, wenn das Thermometer mehr als 30 Grad anzeige. Wie hart der Job ist, davon habe sich schon die halbe Bürgermeisterriege überzeugt und mit Hand angelegt. Darunter auch OB Frank Nopper, dem definitiv keine halb leeren Tonnen hingestellt worden sind.