Sven Fuchs möchte sein Bier an der Universität Hohenheim verkaufen. Foto: Eileen Breuer

Vor einem Jahr hat der Wittwer auf dem Campus in Stuttgart-Hohenheim geschlossen. Auf eine Solidaritätswelle folgen nun seit Monaten etliche Ideen, was aus dem Ladenlokal werden könnte. Der Brauer Sven Fuchs hätte da einen Vorschlag.

Hohenheim - Wer durch die Glasscheiben des ehemaligen Wittwers an der Universität Hohenheim lugt, dem bietet sich gähnende Leere. Wenn es nach Sven Fuchs gehen würde, stünden hier bald Tische. Der Mann hat eine Vision: sein selbst gebrautes Craft-Beer hier auszuschenken.

Seit über über einem Jahr steht die Räumlichkeit auf dem Uni-Gelände jetzt leer. Seitdem Wittwer am Ende Juni 2018 die Filiale in Hohenheim geschlossen hat, gibt’s hier nichts mehr zu kaufen. Als Grund nannten die bei Wittwer Zuständigen den zunehmenden Online-Handel und den Vormarsch digitaler Lerneinheiten.

Auf Bücher griff er selbst selten zurück

Dass die Studierenden selten in eine Buchhandlung gehen, kann Sven Fuchs bestätigen. Er hat sechs Jahre lang in Hohenheim studiert, nach zwei Semestern Biologie wechselte er zum Studiengang Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie. Zum Lernen nahm er vor allem Skripte und Vorlesungsfolie zu Hilfe, auf Bücher griff er selten zurück.

Eher hätte er sich einen Ort der Geselligkeit gewünscht. „An der Uni gibt es keine Bar, in die man um acht reingeht, um ein Bier zu trinken.“ Deswegen will er nun der Uni den Vorschlag unterbreiten, hier eine Bar zu eröffnen. Ihn selbst hat es in die Mensa verschlagen, wenn er mit seinen Kommilitonen nach Vorlesungsende ein Bier genießen wollte.

Es geht nicht um „fancy“ Biersorten

Mit den Preisen dort könne er nicht mithalten. Die schlagen mit etwa vier Euro pro Flasche stärker zu Buche. „Doch 3,50 Euro sind nicht viel mehr, als teils für ein kleines Wulle verlangt wird. Und das ist wie der Vergleich vom Schreiner mit Ikea“, sagt Fuchs. Er braut sogenanntes Craft-Beer: „Craft heißt handwerklich. Es hat nichts mit fancy Sorten zu tun, sondern mit handwerklich produzierten Bieren in kleinen Margen“, sagt Fuchs.

Den ehemaligen Hohenheimer Studenten verschlug es nach seinem Abschluss vor etwa fünf Jahren in ein Ingenieur-Büro. Nach Monaten, während derer er jeden Tag auf den Computerbildschirm starrte, wusste er: Das ist nicht das, was er noch weitere 20 Jahre tun will. Hopfen und Malz waren noch nicht verloren: Auf Reisen nach Kanada und Amerika kam er damals mit dem Craft-Beer in Kontakt und entschied sich, selbst unter die Brauer zu gehen.

Fuchs ist auf Stadtfesten unterwegs, um sein Gebräu an den Mann zu bringen. Doch er träumt von einer eigenen Bar. Seit einem Jahr sucht er dafür die passende Location in Stuttgart. Zur Landeshauptstadt hat er eine besondere Beziehung – und die spiegelt sich auch im Markennamen seines Craft-Beers wider. „Lost River Brewing“ heißt so viel wie Brauerei des verlorenen Flusses – eine Anspielung auf den Nesenbach.

Die Uni schließt eine gastronomische Nutzung aus

Hohenheim hält er inzwischen für die beste Location, nicht nur, weil er dort selbst Vorlesungen besucht hat. „Die Bierkultur hier kann man so beschreiben: Ich trinke mein Helles, wie ich es schon seit 40 Jahren mache.“ Doch gerade junge Leute springen auf den Zug des Craft-Beers auf: „Man hat noch nicht so viel von der Welt gesehen und ist experimentierfreudiger. Und das ist es, worum es beim Craft-Beer geht.“

Allerdings: Eine gastronomische Nutzung schließt die Uni Hohenheim aus. Denn um Auflagen zu erfüllen, müsste der Raum für viel Geld umgebaut werden und würde deshalb weiterhin vorläufig leer stehen. Dessen ist sich Sven Fuchs bewusst, Neuland ist das für ihn nicht: Er ist derzeit dran, Teile der Schreinerei seines Vaters zu einer Brauerei mit angrenzender Bar umzubauen. Er weiß, dass ein solcher Umbau in Hohenheim Zeit kosten würde: „Da ich im Moment nicht unter Zeitdruck und Zugzwang stehe, weil es nicht mein einziges Steckenpferd ist, kommt es für mich trotzdem in Frage.“ Was die Uni zu seiner Idee sagt, wird sich zeigen: Dieser muss er das Konzept jetzt erst einmal schmackhaft machen.

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