Vor allem Paketboten und Lieferanten machen den Anwohnern in Hoffeld zu schaffen. Foto: Tilman Baur

Die engen Sträßchen ohne Bürgersteige in Stuttgart-Hoffeld sind für Fußgänger gefährlich. Doch die Stadt deutet an, dass sich in dem Degerlocher Stadtteil bald etwas tun könnte.

Hoffeld - Für Mütter und Väter mit Kinderwagen und ältere Menschen beginnt in Hoffeld eine Art Spießrutenlauf, sobald sie vor die Haustür treten. Zumindest trifft das auf die vielen kleinen Sträßchen im Süden des Degerlocher Ortsteils zu. Denn viele von ihnen haben keinen Bordstein – vom eigenen Grundstück tritt man hier direkt auf die Straße.

Viele kürzen ab, um schneller Richtung B 27 zu kommen

Statt Soldaten mit Lanzen und Spießen sind es hier Autos und Lieferwagen, die viele Familien fürchten müssen. So zum Beispiel Familie Brückner (Name von der Redaktion geändert), die in der Straße Bei den Funktürmen wohnt. Als größtes Problem hat Sabine Brückner den Schleichverkehr ausgemacht. 60, vielleicht sogar 70 Prozent der hier vorbeifahrenden Autos kürzten ab, um zum Beispiel von der Nauener Straße über das Sportgebiet Hohe Eiche schnell Richtung B 27 zu kommen, sagt sie. Oft seien das Paketboten und andere Lieferanten. Aber auch Anwohner aus den umliegenden Wohngebieten nutzten die Straße. Dabei hielten sie sich meist nicht an die geltende Tempo-30-Regelung, sagt die Mutter dreier Kinder. „Die meisten fahren mindestens 50 Stundenkilometer“, so Brückner. In den schmalen Straßen wirken 50 Stundenkilometer allerdings wie 80 oder 90 anderswo.„Der typische Fall ist, dass ein Kind Freunde sieht und mit dem Fahrrad auf die Straße fährt“, so die 34-jährige Anwohnerin. Durch die fehlende Pufferzone, die ein Bordstein bietet, entstehen hier sofort Gefahrensituationen. Verstärkt wird das Problem durch die Tatsache, dass Bei den Funktürmen keine Einbahnstraße ist.

Wenn sich Autos begegnen, müssen sie in die Einfahrten der Anwohner ausweichen. So geht es auch Fußgängern, vor allem solchen, die mit Kinderwagen oder Rollator unterwegs sind. Schnell gilt es, eine Lücke zu suchen oder eine Einfahrt, um eine Kollision zu vermeiden. Und Verkehr gibt es genug. Vor allem in den Morgenstunden komme es zu Stoßverkehr, hat ein Anwohner beobachtet. Die Familien in der Straße wollen das nicht länger hinnehmen. Schon vor einiger Zeit gab es eine Unterschriftensammlung. Bis auf wenige Ausnahmen habe die gesamte Straße unterschrieben, sagt Sabine Brückner, der jede Maßnahme recht wäre, die das Problem eindämmt.

Stadt hat sieben Straßen empfohlen

Bereits Ende 2016 hatte ein Anwohner des Südwegs beschrieben, wie Autos mit einem „Affenzahn“ durchrauschen und den Weg als „Teststrecke“ missbrauchten. Der Bezirksbeirat forderte die Verwaltung daraufhin in einem Antrag auf, die Sträßchen auf Eignung als verkehrsberuhigte Bereiche, umgangssprachlich Spielstraßen genannt, zu prüfen. In diesen Bereichen gilt Schrittgeschwindigkeit, Kinder dürfen auf der Straße spielen.

Daraufhin antwortete die Verwaltung und empfahl sieben Straßen, die als verkehrsberuhigter Bereich in Frage kommen: der Altäckerweg, der Südweg 2 bis 12, die Ittinghäuser Straße 45 bis 54, der Nordeichweg, Zaunwiesen 112 bis 86 und der Häusleweg. Geschehen ist seither nichts. „Vor der Umsetzung standen seither weitere Straßenverkehrsprojekte mit höherer Priorität. Auch der Bezirksbeirat hat die Umsetzung bis jetzt nicht weiter vorangetrieben“, sagt Ann-Kathrin Gehrung, eine Sprecherin der Stadt.

Doch auch wenn die Straße der Brückners in den Überlegungen der Stadt offenbar keine Rolle spielt, gibt es Hoffnung für Hoffeld: „Das Ordnungsamt wird die damaligen Empfehlungen nun nochmals überprüfen und diese, wo möglich, kurzfristig umsetzen“, sagt Gehrung.

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