Bernhard Clauß in der Backstube: Die Wände sind stark angegriffen. Foto: Holowiecki

Das historische Backhäusle in Stuttgart-Heumaden muss renoviert werden. Der Putz in der Backstube kommt langsam runter. Das Geld ist da, doch um die Kasse nach der Reparatur wieder aufzufüllen, soll beim Tag der offenen Tür extra viel Brot und Hefezopf verkauft werden.

Heumaden - Die Flachswickel, Brote und Hefezöpfe im Regal riecht man schon von Weitem. Der Duft ist das untrügliche Zeichen: Im Heumadener Backhaus ist mal wieder der Ofen angeschürt worden. Seit Jahrhunderten entsteht dort, unmittelbar neben der Kirche im alten Ortskern, Köstliches nach traditioneller Art. 1773 ist das kleine Gebäude gemeinsam mit dem Pfarrhaus erbaut worden, 1840 wurde es erweitert zum Gemeindebackhaus, und mit der Eingemeindung 1937 übernahm das Tiefbauamt das Häusle als Vesperstube. Und seit 1997 ist der Backhaus-Verein am Drücker.

Der Club wird in Kürze einiges an Geld in sein denkmalgeschütztes Häusle stecken müssen. Im Backraum mit dem imposanten Holzofen kommt der Putz von den Wänden. Bernhard Clauß, der Vorsitzende, zeigt kleine Macken, aber auch tiefe Löcher in den Wänden. Schuld am Malheur ist das Material. „Es ist ein falscher Putz mit Dispersionsfarbe aufgebracht worden. Der Sandstein darunter zieht Feuchtigkeit, aber die kann nicht raus durch den Putz und die Farbe“, erklärt der 72-Jährige. Bleiben kann es so nicht, betont er. „Wir wollen hier unser Brot hinlegen“, sagt er und zeigt auf einen Arbeitsplatz, der mit feinem Putz-Puderzucker bedeckt ist. „Das muss gemacht werden. Es wird nicht besser.“

Der Ofen hat auch schon 20 Jahre auf dem Buckel

Der Verein ist als Pächter für den Innenbereich zuständig und hat sich vom Stuckateur einen Kostenvoranschlag geben lassen. Die Renovierung mit Kalkputz und -farbe wird um die 6000 Euro kosten, erklärt Clauß. 1000 Euro schießt der Bezirksbeirat zu, den Rest muss der 90 Mitglieder starke Club selbst stemmen. „Wir haben Reserven“, sagt der Vorsitzende. Dennoch wird der Backhaus-Verein schauen müssen, dass er rasch wieder etwas einnimmt, denn auch der Ofen hat schon 20 Jahren auf dem Buckel, und ob das Holz, das der Verein zum Anfeuern braucht, auch künftig über Spenden zu bekommen sein wird, ist auch nicht klar, mahnt Bernhard Clauß.

Schon Anfang Juli geht’s mit der Renovierung los, sagt er. Das Tiefbauamt habe außerdem zugesagt, alsbald die Außenrenovierung in Angriff nehmen zu wollen, denn auch dort platzt der Putz stellenweise ab. Immerhin soll das Gebäude zum 900-Jahr-Jubiläum von Heumaden im Jahr 2020 strahlen. Noch in diesem Jahr findet am 22. September ab 14 Uhr der Tag der offenen Tür statt. Für den Verein eine gute Gelegenheit, mit dem Verkauf von Brot und Hefezopf die Kasse wieder aufzufüllen.

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