Mittwochs kommen Erwachsene und Kinder am Klettergerüst zusammen. Außerdem gibt es einen neuen Stammtisch. Foto: C. Holowiecki

In Stuttgart-Heumaden leben die Menschen zwar nah beieinander, aber doch oft anonym. Eine Initiative will das ändern. Wie gut klappt das?

Heumaden - Hallo, ich heiße So-und-so, wer bist du? Hände greifen einander, schütteln sich, während Kuchenhäppchen in Mündern verschwinden. Die ersten Hürden sind nach Minuten genommen. Knapp 15 Erwachsene stehen auf dem zentralen Kletterspielplatz im Zentrum des Heumadener Wohngebiets „Über der Straße“, und sie haben das gemacht, was die Kinder, die unbedarft miteinander in der Pyramide herumhangeln, ihnen längst voraushatten: Sie haben sich kennengelernt. Dabei wohnen viele schon etliche Jahre Haus an Haus, Tür an Tür.

Mit der Anonymität soll jetzt Schluss sein. Die Nachbarn im Gebiet „Über der Straße“ rücken zusammen. Die Initiative „Leben in der Bernsteinstraße“, ein loser Zusammenschluss von Anwohnern aus den noch recht neuen Baugemeinschaftshäusern Bern und Stein und aus anderen Gebäuden rundherum, hat zwei Treffs ins Leben gerufen. Ab sofort kommen jeden Mittwoch ab 15.30 Uhr Kinder und Erwachsene am Klettergerüst in dem Ladensträßle zusammen. Um zu quatschen, den Nachwuchs miteinander spielen zu lassen, Kaffee zu trinken und sich zu vernetzen. Außerdem gibt es einen neuen offenen Stammtisch. Nachbarn treffen sich am ersten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im Lokal Schluckspecht, Bernsteinstraße 130.

Kinderwagen parken neben einem Rollator

Anne Brendle-Weith gehört zu den Initiatoren, und das, obwohl sie erst seit dem Sommer hier wohnt. „Ich bin aber auch umtriebig“, sagt sie und lächelt. Bei einer Lesung in den Bern- und Stein-Häusern habe sie den Gemeinschaftsraum bestaunt – und festgestellt, dass so etwas für alle fehlt. „Mehrere wollten, dass was passiert.“ Die Idee zu den Treffs mitten im Wohngebiet war geboren.

Die Gruppe am Premierentag ist gut durchmischt. Kinderwagen parken neben einem Rollator, und zwischendrin macht sich der Hund Charly lang. Neulinge sind gekommen, auch alte Hasen, die im Viertel aufgewachsen sind. So wie Julia Möhrmann, die zwar vor Kurzem nach Riedenberg gezogen ist, sich dem Quartier aber verbunden fühlt. „Es sind doch massiv viele Leute, da kennt man sich wenig“, sagt sie und lässt den Blick über die Wohnblocks schweifen. Viele habe sie zwar schon mal gesehen, „beim Namen wird’s schon schwierig“. Dennoch: Sie hat Heidrun Watermann etwas voraus, denn die ist die Einzige in der Runde, die wirklich gar keinen kennt. „Mal sehen, wer hier so ist“, sagt die Frau mit dem Lockenkopf fröhlich, vielleicht könne man was unternehmen.

Sommerfest und Flohmarkt im Gespräch

Darum geht’s. Aus den neuen Mittwochstreffs soll nach dem Geschmack der meisten mehr erwachsen. Schon sprudeln die Ideen. Wie wäre es mit einem Sommerfest? Einen Flohmarkt schlägt eine andere Person vor. „Gut, dass etwas in Bewegung kommt“, findet Heidi Weller. Sie zählt die vielen Möglichkeiten auf, die man hat, wenn man sich nur besser kennt: Babysitter finden oder jemanden, der die Blumen gießt und mal was aus dem Laden mitbringt.

Christine Beutel freut sich drauf. Sie lebt zwar schon lange in einem 36-Parteien-Haus, durch ihren ehemaligen Job im Schicht- und Wochenenddienst habe sie aber bisher nicht viele Kontakte knüpfen können, wie sie sagt. Seit Kurzem ist sie Rentnerin, jetzt soll vieles anders werden. Zumindest hat sie Heidrun Watermann nun kennengelernt. Schon stecken die Frauen die Köpfe zusammen. „Und wo wohnen Sie?“

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