Auf der besagten Wiese ist derzeit ein Bolz- und ein Spielplatz. Foto: Caroline Holowiecki

Die Freie Aktive Schule aus Stuttgart-Degerloch soll möglicherweise auf eine Grünfläche in Stuttgart-Heumaden ziehen. Etliche Nachbarn sind dagegen und haben sich zusammengeschlossen. Nun gibt es eine entsprechende Website und einen Brief.

Heumaden - Vorerst sind nur zwei Fotos zu sehen. Eines von einem Spielplatz im Grünen und eines von einer Wiese, auf der Baumaschinen gewaltige Furchen hinterlassen haben. Dazu gibt es einen Mail-Kontakt, mehr ist nicht zu finden auf der Website www.bernsteinwiese.de. Aber die Seite befindet sich auch noch im Aufbau. Genauso wie die gleichnamige Bürgerinitiative. Die meisten der 50 Gründungsmitglieder sind Nachbarn aus dem Heumadener Gebiet Über der Straße. Sie wollen verhindern, dass die Grünfläche an der Bernsteinstraße überbaut wird, auf der unter anderem ein Bolz- und ein Spielplatz sind.

Die Stadtverwaltung erwägt jedoch, die Freie Aktive Schule (FAS) samt hauseigener Kita aus Degerloch auf einen Teil genau dieser Fläche zu verlegen. Zudem möchte die Stadt einen eigenen Kindergarten dazusetzen. In der Juli-Sitzung des Bezirksbeirats Sillenbuch hatte Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt für das Projekt geworben. Tatsächlich ist die städtische Gemeinbedarfsfläche seit 1978 für eine Schule und eine Kita vorgesehen.

„Die Grünanlage wird dringend benötigt“

Bei der Mehrheit der Lokalpolitiker war sie jedoch abgeblitzt, und die 60 teils recht aufgebrachten Zuhörer hatte ihre Argumentation ebenso wenig befriedet. An der ablehnenden Haltung hat sich bis jetzt nichts geändert. In der jüngsten Sitzung des Gremiums ergriff Richard Hiller-Bixel, einer der Anwohner, das Wort. Die Grünanlage sei die letzte ihrer Art im Viertel und werde daher „dringend benötigt“, zumal einige Spielflächen in der Nachbarschaft bereits geschlossen worden seien. In dem Quartier liege die sonstige Infrastruktur darnieder, und „wenn es keine Begegnungsmöglichkeiten mehr gibt, verkommt das Gebiet zur Schlafstadt“, mahnte er. Auch Jochen Weller, ein weiterer Anwohner, stellt auf Nachfrage klar, dass sich der Zusammenschluss nicht als Gruppe von „Verhinderern“ versteht, es gehe einzig um den „Erhalt eines einzigartig ökologisch wertvollen und sozialen Begegnungs- wie Bewegungsraums“.

In einem offenen Brief an die Bürgermeister Peter Pätzold und Isabel Fezer, an Stadt- und Bezirksbeiräte wird auf sechs Seiten geschildert, dass die Grünfläche im Sinne der vielen Kinder im Gebiet, aber auch im Sinne der Tier- und Pflanzenwelt oder des Stadtklimas erhalten werden müsse. Außerdem wird klar, dass die Nachbarn sich durch die überregional ausgerichtete FAS vor einem „erheblichen Hol- und Bringverkehr“ an der ohnehin oft hoffnungslos zugeparkten Bernsteinstraße fürchten. Gabriele Groß, die FAS-Geschäftsführerin, berichtete in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung von aktuell 30 Autos am Tag, die von Lehrern und Eltern gelenkt würden.

Anfeindungen gegen eine Fürsprecherin

Unterschrieben haben den Brief etwa 45 Nachbarn, abgeschickt wurde er Ende August. „Die ersten Reaktionen, die wir per E-Mail erhalten haben, sind aus Sicht unserer Initiative allesamt positiv und ermutigend“, sagt Jochen Weller. In dem Schreiben wird die Wichtigkeit des sozialen Friedens im Gebiet hervorgehoben. Ein bisschen scheint der allerdings bereits gelitten zu haben. Beate Schiener, grüne Betreuungsstadträtin, berichtet von persönlichen Anfeindungen, seit sich ihre Fraktion für eine Ansiedlung der FAS in Heumaden ausgesprochen hatte, und auch in der Juli-Sitzung des Sillenbucher Bezirksbeirats war sie – in Abwesenheit – von Mitgliedern des Gremiums und Zuhörern massiv kritisiert worden. Auf Nachfrage teilt sie mit: „Wir bleiben dabei.“ Bei einer kompakten Bauweise würden nach ihrer Einschätzung maximal 50 Prozent der Fläche belegt.

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