Edelgard Grieger stört sich an herumliegenden Getränkedosen, Pizzaschachteln und anderem Dreck. Foto: Holowiecki

Seit Monaten kämpft eine Anwohnerin allein gegen die Vermüllung in Stuttgart-Heumaden. Seit Kurzem hängt sie Gelbe Säcke an einer Parkbank auf, wo sich viele junge Leute treffen. Die SPD will nun erreichen, dass die Stadt sich der Sache annimmt.

Heumaden - Mittlerweile kennen viele in der Nachbarschaft Edelgard Grieger, und das nicht nur, weil sie als Künstlerin immer wieder Bilder ausstellt oder wegen ihres leuchtend roten Haarschopfs. Im vergangenen Herbst ist die Seniorin in Heumaden bekannt geworden, weil sie sich weigerte, den Müll auf der Grünfläche an der Ecke Bildäcker- und Kerbelstraße weiter anschauen zu müssen.

Das Bänkchen, das der Bürgerverein vor Jahren dort aufgestellt hat, ist ein beliebter Treffpunkt von jungen Leuten. Da dort aber kein Mülleimer steht, konnte Edelgard Grieger aus ihrem Küchenfenster beobachten, wie sich täglich mehr Getränkedosen, Pizzaschachteln und anderer Dreck auf der Erde ansammelten. „Ich bin von Beruf Lehrerin und Kunsterzieherin, das stört mein ästhetisches Verständnis“, sagte sie seinerzeit im Gespräch mit unserer Zeitung. Deswegen hängt sie seit Monaten in Eigeninitiative Gelbe Säcke an die Bank. Außerdem hat sie ein Schild gebastelt, das auf den improvisierten Abfalleimer aufmerksam macht. Und es funktioniert. „Es liegt nichts mehr herum“, stellt sie klar, „es wird auf ganzer Linie angenommen“.

Säckeaufhängen ist nur eine Notlösung

Möglicherweise ist Edelgard Grieger bald von ihrer freiwilligen Aufgabe entbunden. Denn die SPD-Fraktion hat für die kommende Sitzung des Bezirksbeirats eine Anfrage formuliert, die zum Ziel hat, dass an der Stelle endlich ein echter Mülleimer aufgestellt wird. Das Säckeaufhängen könne allenfalls als Notlösung angesehen werden. „Um die Initiative der Bürgerin zu würdigen und zu unterstützen, bitten wir um Prüfung, ob dort nicht ein Mülleimer fest installiert werden kann“, schreibt die Fraktion. Und nicht nur diese Ecke haben die Räte im Blick. Auch am Gehweg entlang der Nellinger Straße, südlich der Einmündung in den Gairenweg, sähen sie gern einen Kübel.

„Guck an“, sagt Edelgard Grieger und lacht, als sie von dem Vorstoß hört. Sie freut sich darüber, „ich kann das ja nicht ewig machen“. Zumal sie an ihre Ekelgrenze stoße, wie sie sagt, denn die Tüten, die sie aufhänge, seien zur Hälfte mit Hundekotbeuteln voll, „das stinkt bestialisch“. Deswegen betont sie, dass es mit einem Abfalleimer allein wohl nicht getan sei. Auch ein Kotbeutel-Spender müsse her.

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