An der Metzstraße sind die Angreifer ausgestiegen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein Mann greift in einer Stuttgarter Stadtbahn ein, als eine ältere Frau angepöbelt wird. Daraufhin wird er selbst zum Opfer. Die Polizei sucht dringend nach Zeugen und nach der älteren Dame.

Stuttgart - Ein Mann, der Zivilcourage bewiesen hat, ist in einer Stadtbahn am Dienstag gegen 16 Uhr selbst zum Opfer geworden. Der 24-Jährige mischte sich ein, um eine Frau zu schützen, und wurde von drei jungen Männern niedergeschlagen.

Die Frau telefonierte mit ihrem Handy. Das war offenbar der Anlass für die drei jungen Männer, sie anzugehen. „Sie haben die Frau beleidigt und sich über sie lustig gemacht“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Die drei saßen mit der verspotteten Frau zusammen in einer Sitzgruppe der Stadtbahn U 2, die von der Haltestelle Mineralbäder stadteinwärts fuhr. Der 24-Jährige, der die Frau schützen wollte, sprach die Jugendlichen an und forderte sie auf, die Frau in Ruhe zu lassen, wird berichtet. Dies soll die drei provoziert haben. Sie sollen aufgestanden, auf den Mann zugegangen sein und ihn niedergeschlagen haben. Zwei hätten ihn zu Boden geschlagen, der dritte habe zunächst nicht eingegriffen, meldet die Polizei. Als der 24-Jährige bereits am Boden lag, sollen ihn seine Peiniger weiter traktiert haben. Beide Angreifer sollen sich auf ihn gekniet und auf ihn eingeschlagen haben. Noch bevor sich der dritte Mann auch noch einmischen konnte, schüttelte das Opfer die Männer ab, berichtet die Polizei. An der Haltestelle Metzstraße hätten die Schläger die Flucht ergriffen. Zwei seien in Richtung Stöckach, einer in Richtung Metzstraße gerannt. Das Opfer verständigte sogleich die Polizei, die nach den Angreifern fahndete, aber keinen fassen konnte.

Die Polizei sucht die Frau, die behelligt wurde, als Zeugin

Der Mann konnte die Angreifer nur grob beschreiben. Sie sind demnach zwischen 17 und 23 Jahre alt. Einer, den der Mann auf etwa 17 Jahre geschätzt hatte, habe blonde kurze Haare, die er nach oben gestylt getragen habe. Dieser Jugendliche habe eine graue Jacke angehabt. Die anderen zwei seien dunkelhaarig, einer hatte eine Baseballmütze auf. Die Größe der Männer habe der 24-Jährige etwa auf 1,70 bis 1,80 Meter geschätzt. Von der Frau, zu deren Schutz sich der Mann eingemischt hatte, liege keine Beschreibung vor, sagt Stephan Widmann. „Sie ist aber auch eine wichtige Zeugin und es wäre gut, wenn sie sich bei uns melden würde“, betont Stephan Widmann. Die Polizei weiß nur, dass es sich um eine ältere Dame gehandelt haben soll.

Die Verletzungen des 24-Jährigen, unter anderem am Kopf, seien nicht schwer gewesen. Doch ein Satz lässt ahnen, wie tief den 24-jährigen Stuttgarter die Attacke getroffen hat: „Der Mann ist schwer traumatisiert“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Nach bisherigem Kenntnisstand der Ermittler habe sich niemand eingemischt, obwohl „schon einige Leute“ in der Bahn gewesen seien.

Grundsätzlich rät die Polizei, nicht alleine einzuschreiten, sondern andere einzubeziehen. Eine Gruppe von Helfern werde von Aggressoren nicht so leicht angegangen wie ein einzelner Helfer, das zeige die Erfahrung der Polizei. „Trotzdem ist es wichtig zu betonen, dass der Mann nichts falsch gemacht hat. Es war richtig, zum Schutz der Frau einzugreifen“, betont der Polizeisprecher. Natürlich müsse man bei einer aggressiv auftretenden Gruppe unter Umständen damit rechnen, angegriffen zu werden. „Aber so schnell kann man sich das ja nicht immer überlegen in der Situation“, fügt er hinzu.

In den meisten Stadtbahnen hängen Videokameras

Die Polizei hofft nun zum einen auf Zeugenaussagen der Fahrgäste, zum anderen setzt sie auf die Auswertung der Videoaufnahmen aus der Stadtbahn U 2, die von den SSB angefordert wurden. Die Kameras sind mittlerweile in fast allen Bahnen der Stuttgarter Straßenbahnen vorhanden. Das Material darf aus Datenschutzgründen nicht gespeichert werden, die Aufnahmen werden regelmäßig überschrieben. Wenn die Polizei die Aufzeichnung als Beweismaterial anfordert, sichern es Mitarbeiter der SSB. Zum Schutz der Fahrgäste sind die Wagen zudem mit einer Gegensprechanlage ausgestattet, über die man Kontakt mit dem Stadtbahnfahrer aufnehmen kann.

Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Nummer 07 11/89 90-57 78 zu melden.

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