Darf Terror zur Ausstellung werden? „Ja“, sagt das Haus der Geschichte in Stuttgart und schildert die Gewalt des RAF-Terrors erstmals in einer historischen Schau. Das Motorrad, das die Attentäter von Generalbundesanwalt Buback benutzt hatten, ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Foto: dpa

Darf Terror zur Ausstellung werden? „Ja“, sagt das Haus der Geschichte in Stuttgart und schildert die Gewalt des RAF-Terrors erstmals in einer historischen Schau.

Stuttgart - Das Motorrad in Stuttgarts Haus der Geschichte ruft schreckliche Bilder wieder wach: 1977 erschossen Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) von dieser Suzuki aus Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Jetzt wird die Maschine zum Objekt der laut Museum „deutschlandweit ersten großen historischen RAF-Ausstellung“. Vom 14. Juni 2013 bis zum 23. Februar 2014 zeigt die Einrichtung gut 200 Exponate zum Terror im Südwesten.

Die Suzuki bekommt dabei Symbolik. „Es gibt noch eine Reihe von Fällen, die nicht aufgeklärt sind. Solange wir nicht wissen, wer auf dem Motorrad saß, kann die RAF nicht Geschichte sein“, sagte Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger am Dienstag. 34 Morde gehen auf das Konto der Terrorgruppe, die rund zwei Dekaden lang Schrecken verbreitete.

„Es ist eine Stärke vom Haus der Geschichte, dass es sich mit Dingen auseinandersetzt, die heute noch wehtun“, sagte Museumsleiter Thomas Schnabel. Die Frage, ob man Terror ausstellen darf, steht im Raum. Besteht nicht die Gefahr der Mystifizierung? Wegen dieser Diskussion sei eine Berliner Ausstellung 2005 komplett umgestrickt worden, sagte Lutum-Lenger. Sie zweifele nicht. „Man kann es machen, und man kann es so machen. Ich denke wir haben einen guten Weg gefunden, mit der Reduktion auf die Gewalt.“

Die Gewalt wird schon in der Raumgestaltung sichtbar

Zu den Exponaten gehört auch einer der ersten Roboter, der Bomben entschärfen konnten. Die in den 1970er Jahren vom Bundesforschungsministerium in Auftrag gegebene Maschine war mit Kamera und Greifarmen ausgestattet. An einen der blutigsten Anschläge erinnert eine Kranzschleife. Sie stammt von der Beerdigung des entführten und ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.

Die Gewalt wird schon in der Raumgestaltung sichtbar. Der Terror läuft symbolisch durch einen blutroten Trichter, verengt sich, bis nichts mehr geht: Eskalation. Objekte, Bilder, Texte und Filme sollen an die Toten erinnern, den Schrecken verdeutlichen und die Reaktionen des Staates zeigen. Im zweiten, grau gehaltenen Teil geht es dann um den Ausstieg aus der Gewalt. Das Motorrad steht hier, kurz vor dem Ausgang. Erst vor anderthalb Jahren war es Thema im Gerichtssaal - beim Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker.

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