Ein Feuerwehrmann im Keller des Landesmuseums. Foto: Leif Piechowski

Was passiert mit den unwiederbringlichen Exponaten, wenn es im Landesmuseum brennt oder ein Rohrbruch alles unter Wasser setzt? Seit Montag ist auch Stuttgart mit einem Notfallverbund für Kulturgüter in der Praxis gerüstet.

Was passiert mit den unwiederbringlichen Exponaten, wenn es im Landesmuseum brennt oder ein Rohrbruch alles unter Wasser setzt? Seit Montag ist auch Stuttgart mit einem Notfallverbund für Kulturgüter in der Praxis gerüstet.

Stuttgart - Der Albtraum spielt sich vor den Augen von Andrea Funck ab. Im Keller des Alten Schlosses ist alles voller Rauch, man sieht nichts, nicht mal die Beine, die Feuerwehrleute sind nur Schatten. Die Leiterin der Restauratoren des Landesmuseums Württemberg sitzt in einem finsteren Lagerraum mit Büchern, Akten, Vasen, Gemälden und atmet auf, als sie von den Rettern nach draußen gebracht wird: „Das möchte ich nicht in Echt erleben“, sagt sie. Dabei geht es weniger um die Restauratorin, sondern um die Kulturgüter im Haus.

Was passiert mit den unwiederbringlichen Exponaten, wenn es im Landesmuseum brennt oder ein Rohrbruch alles unter Wasser setzt? Was muss zuerst gerettet werden? Seit dem Hochwasser im Zwinger in Dresden 2002 oder dem Bibliotheksbrand in Weimar 2004 ist die Frage eines Alarmfalls keine bloße Theorie mehr. Seit Montag ist auch Stuttgart mit einem Notfallverbund für Kulturgüter in der Praxis gerüstet. Mit einer Evakuierungsübung im Alten Schloss kamen sich Feuerwehr und Mitarbeiter von Landesmuseum, Landesbibliothek, Stadtmuseum und Wirtschaftsarchiv näher.

Bei der Rettung bedrohter Kulturgüter wollen sich zwölf staatliche und kommunale Institutionen gegenseitig helfen. Im Juni 2013 war in Stuttgart ein sogenannter Notfallverbund vereinbart worden. Diese Kooperation verschiedener Kulturinstitutionen gibt es in Deutschland schon in 18 Städten. Dabei werden auch Berührungsängste mit der Feuerwehr abgebaut. Die geht mit Kunst im Alarmfall nämlich nicht zimperlich um: „Es hilft ja nichts“, sagt Einsatzleiter Dirk Domagk, „wir müssen Menschen retten und Feuer löschen, um einen noch größeren Schaden zu verhindern.“

Freilich: Es muss nicht immer der Großbrand sein. „Wasserrohrbrüche“, sagt Restauratorin Funck, „kommen statistisch viel öfter vor.“ Und da bietet die Feuerwehr-Übung am Montag wichtige Erkenntnisse: „Die Vitrinen unserer Dauerausstellung Legendäre Meisterwerke im zweiten Stock“, stellt die Leiterin der Restaurierung fest, „sind nicht wasserdicht.“

450 solcher Vitrinen sind vom Landesmuseum neu angeschafft worden. Im Ernstfall aber würde das Löschwasser ins Innere eindringen. „Das muss nachträglich abgedichtet werden“, sagt Andrea Funck. Exponate aus Stein, Keramik oder Porzellan hätten damit nur bedingt Probleme – aber nicht Bücher und Textilien. Nasses Papier muss sofort tiefgefroren werden. „Um Zeit zu gewinnen“, sagt Funck. Wenn die Entstehung von Schimmel und andere Alterungsprozesse gebremst sind, kann das Papier später wieder gefriergetrocknet werden.

Bei zu großen Exponaten, wie die Altäre, hilft höchstens eine Folie als Schutz gegen Wasser und Ruß. Oder beten. Weil sie nicht nach draußen gebracht werden können. Immerhin: Die Gemälde und Bücher bei der Übung sind nur vom Flohmarkt. Am Ende ist die Leiterin des Hausdienstes, Karola Richter, zufrieden. Die Notfallbeauftragte des Landesmuseums stellt fest: „Der Maßnahmenplan funktioniert fehlerfrei.“

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