Bei bestem Wetter nutzten viele Menschen die Stuttgarter Freibäder. Auf unterschiedliche Weise und in entspannter Atmosphäre.
„Bleiben wir heute ganz, ganz lange?“, fragt Lina (5) aufgeregt und hüpft den Weg zum Eingang des Höhenfreibads Killesberg hinauf. „Jetzt kommen wir erst mal an“, bleibt die Mutter, die den Kinderwagen mit der kleinen Schwester schiebt, vage. Emma und ihr Bruder sind am Samstagmittag schon eine ganze Weile vor Ort. Bereits am Freitag haben die beiden Freibadluft geschnuppert. Jetzt stehen sie tropfend am Beckenrand, nahe dem Einmeterbrett. „Wir wohnen nicht so weit weg und kommen oft her, vor allem natürlich, wenn das Wetter so gut ist wie heute“, erklärt die Vierzehnjährige. Überfüllt ist das Gelände trotz sommerlicher Witterung nicht. Gut möglich, dass viele noch mit Einkäufen beschäftigt sind.
Insgesamt hat die Zahl der Freibadbesucher mit dem sonnigen Pfingstfest etwas angezogen. Alexander Albrand, Bäderchef der Landeshauptstadt, geht davon aus, dass die Schulferien eine Trendwende markieren. Im meteorologisch durchwachsenen Mai waren 50 Prozent weniger Badegäste in den Freibädern zu verzeichnen als im Vergleichsmonat des Jahres 2022. Die Schließung des Bads in Möhringen müsse man bei diesen Zahlen ebenfalls bedenken, so Albrand. „Sie tut uns weh“, sagt er. Die Sanierungsmaßnahmen seien aber nicht vorhersehbar gewesen und unumgänglich. In der kommenden Saison sollen Schwimmer dort wieder ihre Bahnen unter freiem Himmel ziehen können.
Eintrittspreise stabil halten
Firuz (19) und seine Freunde testen auf Empfehlung erstmals das Höhenfreibad in Feuerbach. Der erste Eindruck: klein, ein bisschen altmodisch, aber gerade deshalb nett. Mit einem Kopfsprung stürzt sich Firuz ins Wasser. 22 Grad soll es haben. Eigentlich angenehm. Eine junge Frau findet es trotzdem „recht kühl“. Halb so schlimm. Das Handtuch auf der Liegewiese ist bereits von der Sonne vorgewärmt. Familien mit kleineren Kindern, Jugendliche, Pärchen, ältere Semester – Freibad verbindet offenbar, und jeder genießt es auf seine Weise. Alexander Albrand betont, man sehe die Badeanstalten als Angebot an die gesamte Bürgerschaft. Damit es für alle erschwinglich bleibe, habe man die Eintrittspreise stabil gehalten. Wer sich keinen Urlaub leisten könne, wem die Inflation zu schaffen mache, der solle wenigstens im Freibad entspannen können.
Milan steht am Rande der Beckenlandschaft im Vaihinger Freibad Rosental und duscht sich ab. Das Gelände des flächengrößten Stuttgarter Außenbadeanlage hat es ihm ebenso angetan wie die 100 Meter lange Rutsche. Zudem seien die Bademeister extrem entspannt und nett, lässt der 21-Jährige wissen. Da komme man gerne wieder.
Diesen Sommer verstärken einige Mitarbeiter des geschlossenen Möhringer Bads das Team. Von Personalnot ist in Vaihingen also nichts zu spüren. Die Besucherzahlen sind im Vergleich noch verhalten. Gedrängel herrscht nirgends. Auch Rohith, Sandeep und Viraat sind begeistert von der Anlage. Sie hätten etwas viel Kleineres erwartet, zeigen sich die Inder, die über die Universität Vaihingen nach Stuttgart gekommen sind, erstaunt. Statt fürs Wasser haben sie sich für Sand entschieden: Sie spielen Beachvolleyball. Die Plätze im Freibad Rosental sind dermaßen beliebt, dass die Stadt für 2023 einen vierten eingerichtet hat.
Großer FKK-Bereich
Was beim Ballsport im Sand potenziell problematisch werden könnte, verströmt auf dem Rasen nahe dem Schwimmbecken typischen Freibadgeruch: frische Sonnencreme. Eine Mittdreißigerin reibt ihren Söhnen den Rücken ein. Die scharren bereits mit den Füßen. Wären sie alleine hier, sie wären wahrscheinlich schon längst im Wasser. Eine Freundin der Mutter sorgt sich laut, ob wohl ihr Bikini noch passe. „Was mache ich, wenn der platzt?“, fragt sie. „Dann gehst du rüber in den FKK- Bereich“, kommt die trockene Antwort. Kein schlechter Tipp: Das Freikörperareal ist in Vaihingen mit 6000 Quadratmetern großzügig bemessen.