Neben dem Terminal des Stuttgarter Flughafen soll ein Bürogebäude entstehen Foto: dpa

Auf dem Flughafengelände soll neues Bürogebäude entstehen. Ernst&Young will einziehen.

Stuttgart - Der Stuttgarter Flughafen soll künftig nicht nur tägliches Ziel von Passagieren sein, sondern auch von Mitarbeitern großer Firmen. "Wir wollen uns in Richtung einer Airport-City entwickeln und haben dafür ein städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet", sagt Walter Schoefer, einer der beiden Flughafen-Geschäftsführer. Demnach könnten auf dem Flughafengelände in den nächsten Jahren zwischen 150.000 und 250.000 Quadratmeter Bürogeschossfläche gebaut werden.

Den Anfang macht die Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Deren Stuttgarter Niederlassung, neben Frankfurt die größte in Deutschland, ist derzeit in Weilimdorf beheimatet. Die 1500 Mitarbeiter sollen Anfang 2015 an den Flughafen umziehen. Die Flughafengesellschaft will dort für rund 100 Millionen Euro die neue Deutschlandzentrale des Unternehmens bauen und danach an Ernst & Young vermieten. Darauf haben sich die beiden Beteiligten jetzt in einer Absichtserklärung, einem "Letter of Intent", verständigt. Im nächsten Frühjahr soll ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden, zudem können sich die Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfers mit Ideen einbringen.

Baubeginn soll Anfang 2013 sein. Errichtet wird das Gebäude auf der Fläche des heutigen Parkhauses P 10 zwischen Flughafenstraße und Messeparkhaus. Es soll auf fünf bis sechs oberirdischen und zwei unterirdischen Etagen rund 60.000 Quadratmeter Fläche bieten. Die 1800 Parkplätze fallen zunächst weg, sollen aber später an anderer Stelle ersetzt werden. Im Gespräch ist die Fläche des alten Frachthofs.

Aufwertung des gesamten Areals

Ernst & Young betreut vorwiegend große und mittelständische Unternehmen. "Um unsere Leistungen im In- und Ausland schnellstmöglich und flexibel erbringen zu können, muss der Standort unserer Zentrale infrastrukturell bestmöglich gelegen sein", begründet Mark Smith, Geschäftsführer für die Region Südwest, den Umzug. Der Flughafen biete diese Möglichkeiten nicht nur per Flieger, sondern auch mit der Autobahn und dem künftigen Bahnhof für den Fern- und Nahverkehr. Zudem wären in Weilimdorf hohe Investitionen nötig geworden.

Die Flughafengesellschaft sieht den Schritt als Aufwertung des gesamten Areals. "Wir erhoffen uns davon Signalwirkung", sagt Schoefer. Gebremst ist die Freude allerdings bei der Stadt Stuttgart, denn sie ist zwar am Flughafen beteiligt, verliert aber ein großes Unternehmen an die Nachbargemeinde Leinfelden-Echterdingen. "Wir bedauern den Wegzug von Ernst & Young aus dem Gebiet der Landeshauptstadt", so ein Sprecher. Man könne aber das Argument nachvollziehen, dass ein weltweit agierendes Unternehmen eine optimale Verkehrsanbindung brauche. Umso mehr zeige sich jetzt, wie wichtig das Bahnprojekt Stuttgart 21 sei. Aus finanziellen Gründen dürfte sich der Umzug nur gering auswirken: Weil Beratungsunternehmen ihre Gewinne großteils an Partner und Mitarbeiter ausschütten, bezahlen sie nur wenig Gewerbesteuer.

Wie wenig oder wie viel Gewerbesteuer Ernst & Young stattdessen künftig an Leinfelden-Echterdingen bezahlt, darüber will dessen Oberbürgermeister Roland Klenk zum jetzigen Zeitpunkt nicht spekulieren. "Aber die Ansiedlung erhöht unser Renommee als der Wirtschaftsstandort in der Region Stuttgart." Zudem sieht der Rathauschef den Umzug als Signal dafür, das Thema interkommunales Gewerbegebiet wieder aufzugreifen. Leinfelden-Echterdingen hatte die Pläne für ein gemeinsames Gewerbegebiet mit Stuttgart auf Eis gelegt - als Reaktion darauf, dass die Landeshauptstadt ohne Rücksprache erwogen hatte, den zentralen Omnibusbahnhof im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart 21 vom Hauptbahnhof zum Flughafen, also auf die Gemarkung Leinfelden-Echterdingens, zu verlegen.

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