Die Archivmitarbeiter Annette Gallus und Siegfried Florea zeigen Schülerkunst. Foto: sm

Auf der Prag ist das „Zentrum für Bildende Kunst und intermediales Gestalten“ beheimatet.

Stuttgarter Norden - Die Adresse Siemenstraße 52b muss man erst mal finden, immer den Hinterhof entlang bis fast zur Hohnerstraße. Einmal dort ist man aber einem wahren Schatz auf die Spur gekommen: Hier lagern über 7000 Schülerarbeiten, zum Teil aus privaten Nachlässen und zurückreichend bis ins Jahr 1887. Und während man das Archiv sonst nur nach telefonischer Voranmeldung erkunden kann, lädt es zur Feuerbacher Kulturnacht am 30. März von 18 bis 23 Uhr zu Streifzügen ein – Erinnerungen an die eigene Schulzeit inklusive.

Annette Gallus und Siegfried Florea sind zwei der vier Mitarbeiter des ZKIS, das eigentlich unter dem noch sperrigeren Zusatz „des Landesinstituts für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik (LIS) Baden-Württemberg“ firmiert. Einfacher ausgedrückt: Hier wird unter anderem ein Archiv mit Schulkunst gepflegt. Gerade nimmt dort eine Querschnittausstellung durch die Schulkunst Formen an und sorgt schon wegen des schieren Einfallsreichtums der Exponate für gute Laune: Aus gefaltetem Papier geschnittene und irgendwie archetypische Fratzen aus dem Jahr 1938 sind ebenso darunter, wie ein Pappkamerad jüngeren Datums – eine zünftige Mischung aus Zebra und Storch.

Impulse für den Kunstunterricht

Nun haftet den Werken von Schülerhand üblicherweise die Aura von Versuch und Fingerübung an, etwas, das vor dem eigentlichen künstlerischen Werk stattfindet. Allerdings kann man an ihnen viel ablesen: Sie sind vielleicht noch mehr Abbild ihrer Zeit, als die oft sehr reflektierte Kunst der Großen. Das gilt auch für die neue Ausstellung: Da steckt ganz unbedarft ein Hakenkreuz auf dem kindlich gemalten Maibaum, Zeichen der Ideologisierung des Kunstunterrichts im Nationalsozialismus. In den Nachkriegsjahren wird der „Aufbruch“ wahrhaftig zur Bildvignette und in den 80-er Jahren klingen OP-Art und Werbegrafik gleichermaßen an. Jede Zeit hat ihren Kunstunterricht, das wird beim Rundgang deutlich.

Gallus und Florea erläutern die weiteren Säulen des ZKIS: Hier können Schulen auch ergänzende Ausstattung wie Stellwände, Sockel oder Rahmen entleihen, die über den eigenen Fundus hinausgehen. Überdies setzt man mit dem so genannten „Schulkunst-Programm“ alle zwei Jahre neue Impulse für den Kunstunterricht, mit Thema, Hilfestellungen für die Kunsterzieher und vor allem mit eigenen Ausstellungen im ganzen Land. Derzeit stehen „Form und Funktion – 100 Jahre Bauhaus“ im Mittelpunkt, ab dem kommenden Jahr soll es um „Natur und Zeit“ gehen. Ein Teil der jetzigen Werkschau war im vergangenen Jahr als kleine historische Ausstellung innerhalb der Schulkunst-Landesausstellung im Haus der Wirtschaft zu sehen. So möchte man Schulkunst quasi auch außerhalb ihres angestammten Habitats präsentieren. Dazu passt es, dass nun das Archiv erstmals auch zur Kulturnacht seine Pforten öffnet. Der Ausstellungsbesuch ist nach didaktischen Strömungen untergliedert, die auf Texttafeln weiter erläutert werden. Die Arbeiten des Archivs können im Internet unter der Adresse www.archiv.schulkunst-bw.de/ eingesehen werden

Werkschau ist über die Kulturnacht hinaus zu sehen

Die Werkschau wird auch über die Kulturnacht hinaus nach vorheriger Anmeldung unter Telefon 82 08 59 61 im ZKIS, Siemensstraße 52b, zu sehen sein. Später könnte sie als Wanderausstellung auf Reisen gehen und so eine Lanze für die Schulkunst brechen. Weil zwar noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, man im Hänschen von heute aber bisweilen schon den Hans von morgen erkennt.

Info Das detaillierte Programm der Feuerbacher Kulturnacht liegt in zahlreichen Einrichtungen im Stadtbezirk aus und kann überdies unter www.feuerbach.de abgerufen werden.

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