Im Jahr 1930 entstand dieses Selbstporträt. Wilhelm Imkamp war damals 24 Jahre alt. Ab 1953 lebte und arbeitete er in Feuerbach. Foto: Georg Friedel, Archiv

Der Maler Wilhelm Imkamp ist im Stadtbezirk kaum bekannt, obwohl er fast 40 Jahre in Feuerbach gewohnt hat. Nun soll mit einer Gedenktafel an ihn erinnert werden.

Feuerbach - Mein Vater hat am Ende seines Lebens sehr zurückgezogen gelebt“, sagt Maximilian Imkamp. In seinen letzten Jahren sei es still geworden um seinen Vater und dessen Kunst: „Vermutlich ist es auch darauf zurückzuführen, dass seine Malerei bis zu einem gewissen Grad in Vergessenheit geriet“, sagt sein Sohn, der heute das väterliche Haus am Baumeisterweg bewohnt. Wilhelm Imkamp (1906 – 1990), gilt als bedeutender Vertreter der klassischen Moderne. Er studierte von 1926 bis 1929 am Bauhaus in Dessau bei Lyonel Feininger, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Danach ging er ein Jahr nach Paris. Dort traf er Kandinsky wieder. „Mein Vater hatte einen guten Kontakt zu ihm“, berichtet sein Sohn.

Das Haus in der Langhansstraße erwies sich als zu klein

Nach Kriegsende zog Wilhelm Imkamp in die damals aufstrebende Kunststadt Stuttgart: In der Feuerbacher Langhans­straße fand er 1952 ein Grundstück und bebaute es mit einem kleinen Atelierhaus. Doch für die inzwischen vierköpfige Familie erwies sich das Häuschen in der „Starenkästen-Siedlung“ als viel zu klein. „Also kauften meine Eltern ein Grundstück auf dem Killesberg und bauten dort ein größeres Haus am Baumeisterweg.“ 1963 war der Einzug. „Mein Vater hat also insgesamt fast 40 Jahre in Feuerbach gelebt und gearbeitet, hat hier zwei Häuser gebaut, zwei Söhne großgezogen und das Geld für den Unterhalt der Familie ‚nur’ durch Malerei verdient“, berichtet Maximilian Imkamp, der 13 Jahre die Schwerpunkt-Galerie am Leibniz-Gymnasium betrieben und als Kunsterzieher gearbeitet hat. Inzwischen ist der 70-Jährige im Ruhestand. Zu seinem Geburtstag schenkte ihm seine Frau ein Büchlein mit dem Titel „Begehbares Feuerbacher Gedächtnis“. Darin werden in erster Linie mit Text und Bild Gebäude beschrieben. Aber auch andere Objekte, die auf lokaler Ebene eine historische Bedeutung haben, werden dargestellt. Maximilian Imkamp blätterte darin und fand das Elternhaus von Otto Herrmann oder das Künstlerhaus Paysan: „Ich entdeckte viel mir Bekanntes, denn ich bin ja ein Feuerbacher Kind.“ Was er aber vermisste, war das Imkamp’sche Haus.

Eine Existenz ohne Altersversorgung und Krankenversicherung, aber mit Mut und Tatkraft

Also schrieb er einen zweiseitigen Brief an die Bezirksvorsteherin Andrea Klöber und verwies auf diese Lücke im Feuerbacher Gedächtnis. „Wenn ich heute auf die Lebensleistung meiner Eltern zurückblicke, bin ich voller Bewunderung über den Mut und die Tatkraft, die beide aufbringen mussten, ein Leben ohne Altersversorgung und Krankenversicherung anzupacken und sich selbst ein Polster für das Alter zu erschaffen“, schreibt er im Brief.

Bei Bezirksvorsteherin Andrea Klöber fand der Brief entsprechendes Gehör: „Ich kenne das Werk von Wilhelm Imkamp“, sagt die Feuerbacher Bezirksvorsteherin. Früher habe sie beim Kulturamt der Stadt Böblingen Ausstellungen, in denen seine Bilder gezeigt wurden, betreut. In mehr als 30 deutschen Museen hängen Bilder von ihm. Umso erstaunlicher, dass er im eigenen Stadtbezirk so wenig bekannt ist. „In Feuerbach weiß eigentlich niemand von meinem Vater und seinem Werk“, sagt Maximilian Imkamp. Das lässt sich möglicherweise ändern, dachte Klöber. Sie fragte Maximilian Imkamp, ob sie seinen Brief an Joachim Arendt, den Initiator des Projektes „Begehbares Feuerbacher Gedächtnis“, weiterreichen dürfe. „Selbstverständlich dürfen sie das“, antwortete ihr Imkamp. Und so kam diese Geschichte ins Rollen.

Eine Tafel am früheren Wohn- und Atelierhaus soll an Wilhelm Imkamp erinnern

Eigentlich hatte Joachim Arendt sein großes Projekt, das im Rahmen des Feuerbacher Zukunftsforums entstanden war, bereits im Oktober 2015 abgeschlossen. Er fokussierte damals seine Recherchen auf mehr als 250 Objekte. Diese beschreibt er auch in dem Internet-Portal www.feuerbach.de. Parallel dazu entstanden 75 durch Spenden finanzierte Informationstafeln, die vor Ort auf die jeweilige Historie und Bedeutung der Objekte hinweisen. Imkamp wurde dabei irgendwie vergessen. Doch nun soll diese Lücke beseitigt werden und zu der umfangreichen Sammlung zumindest eine weitere Gedenktafel hinzukommen. Einen entsprechenden Antrag zur Finanzierung der Tafel hat Arendt im Bezirksbeirat eingebracht. Sie soll am Wohn- und Atelierhaus am Baumeisterweg angebracht werden. Der Bezirksbeirat stimmte dem Antrag bei elf Jastimmen und einer Enthaltung in der letzten Sitzung des Jahres 2016 zu.

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