So könnte der Wiener Platz künftig aussehen: Die Passanten links laufen auf der zukünftigen Burgenlandstraße (Fußgängerzone) in Richtung Bahnhof, in der Mitte befindet sich die Bunker-Denkstätte, links daneben das Dach des Hochbahnsteiges und rechts im Hintergrund das Bahnhofsgebäude Foto: Thoams Schüler Architekten und Faktorgrün

Im städtebaulichen Gestaltungsbeirat wurden die Planungen für das ehemalige Schoch-Areal und das Quartier am Wiener Platz vorgestellt. Das Expertengremium regte an, die dortigen Freiflächen möglichst einheitlich zu gestalten.

Feuerbach - Wer am Bahnhof Feuerbach aus dem Zug oder der Stadtbahn steigt, dessen erster Eindruck ist – ein ähnlicher wie am Stuttgarter Hauptbahnhof: Es wird hier wie dort an vielen Stellen gebaggert, gebuddelt und gebaut. In Feuerbach werden parallel zu den Arbeiten rund um den Bahnhof im Zuge von Stuttgart 21 derzeit auch im Planquadrat zwischen Wiener Platz, Kremser und Dornbirner Straße auf einer Industriebrache die hochgiftigen Hinterlassenschaften der einstigen Firma „Hartchrom Schoch“ aus dem Erdreich entfernt. Ende 2017 soll die Sanierung der Altlasten abgeschlossen sein. Aber auch ohne diese Baustellen wäre der Bereich rund um den Bahnhof alles andere als eine Visitenkarte für Feuerbach. Doch das soll sich ändern.

Im Juli 2012 hatte die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb für das neu zu ordnende Quartier ausgelobt. Die Pläne vom Planungsbüro Faktorgrün und dem Büro Thomas Schüler Architekten überzeugten das damalige Preisgericht. Neben Geschäften, Gewerbe-, Dienstleistungs- und Gastronomiebetrieben sollen dort 125 Wohnungen entstehen. Die rund 2,6 Hektar große Fläche liegt zwischen dem Bahnhof und der Stuttgarter Straße und bildet das Tor zu Feuerbach. In der vergangenen Sitzung beschäftigte sich der Gestaltungsbeirat der Stadt mit den Entwürfen für das „Quartier am Wiener Platz“ und insbesondere mit der geplanten Aufwertung der Freiflächen.

Landschaftsarchitekt Jürgen Pfaff stellte dem Gremium die Pläne vor

Das gesamte Planungsgebiet umfasst mehrere Teilflächen um den Wiener Platz als Mittelpunkt. Landschaftsarchitekt Jürgen Pfaff vom Büro Faktorgrün stellte dem Gremium die Entwürfe für die Freiflächen vor. Eines der Ziele sei, durch die Gestaltung dieser Bereiche attraktivere Aufenthaltsorte am Bahnhof zu schaffen, sagte Pfaff. So soll beispielsweise im westlichen Teil des Wiener Platzes ein grüner Bereich entstehen. Pfaff zeigte drei verschiedene Gestaltungsvarianten. Bei der Bürgerbeteiligung schnitt der Plan mit einem kleinen Fontainenfeld als Wasserspiel und dem Baumhain als sommerlicher Schattenspender am besten ab.

Geplant ist zudem, den Platz mit den Bäumen höhengleich an den Hochbahnsteig anzubinden. Der Vorteil wäre, dass die Trennlinie, die durch den Hochbahnsteig an der Stadtbahnhaltestelle „Bahnhof Feuerbach“ entsteht, aufgehoben werden könnte. „Der Bahnsteig wäre dann ebenerdig begehbar“, sagte Pfaff. Verschiedene Spielpunkte und Sitzgelegenheiten sind vorgesehen. In Richtung des ehemaligen Postgebäudes fällt der Platz leicht ab, in Höhe des Tiefbunker-Eingangs könnte eine Sitzstufenanlage geschaffen werden.

Gestaltungsbeirat: Auf lange Sicht gehören die Hochbahnsteige weg

Der Gestaltungsbeirat, der diesmal aus sechs Städtebau- und Architekturexperten besteht (sonst sind es acht), regte an, den Platz einheitlich und „materialhomogen“ zu gestalten. „Alles Dekorative herunterfahren, alles möglichst still machen“ und wenn möglich, auch „die Zahl der Stufen reduzieren“, schlug Gestaltungsbeiratsmitglied Barbara Hutter (Berlin) in ihrem zusammenfassenden Resümee vor. Wichtig sei, dass der Platz nicht nur hübsch gemacht, sondern auch hübsch gehalten werde. Ein zentraler Punkt sei, den Hochbahnsteig einzubinden, da dieser sonst wie eine Trennlinie wirke, betonte das Gremium. Apropos Hochbahnsteig: Der Wiener Architekt Herwig Spiegl wollte den hiesigen „Verkehrsbetrieben“ noch etwas Grundsätzliches mit auf den Weg geben: „Auf lange Sicht gehören diese Hochbahnsteige weg“, sagte er.

Pläne für den Bunker-Eingang

Diskutiert wurden auch die Pläne und Überlegungen für eine „Bunker-Denkstätte“ auf dem Platz. Architekt Thomas Schüler hatte bereits vor Jahren auf Anregung der Stadt und des Vereins Schutzbauten mehrere planerische Varianten entwickelt, wie das Trafo-Häuschen und der Bunker-Eingang gestalterisch in das Gesamtkonzept integriert werden können. Er machte Entwürfe für drei verschiedene Glas-Stahl-Konstruktionen, um den Zugang zu dem denkmalgeschützten Bunker attraktiver zu gestalten und optisch aufzuwerten.

Doch dem Gestaltungsbeirat erschien dieser „Zugang“ zum Thema Bunker der falsche Ansatz zu sein: Das müsse etwas ganz Archaisches werden, wo dem Besucher der Eindruck vermittelt werde, was das zu Kriegszeiten für eine lebensbedrohliche und bedrückende Situation gewesen sei, sagte Architektin Dörte Gatermann. Der Besucher müsse spüren: „Oh Gott, ich gehe in einen Bunker hinein. Da kann man nicht einen gläserner Pavillon machen und einfach Gedenkort darauf schreiben.“

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