Schreinermeisterin Marie Fezer und ihr Beauty-Board aus Räuchereiche: 150 Arbeitsstunden stecken in dem Meisterstück, das sie in der Festhalle ausstellte. Foto: Georg Linsenmann

Schreiner zeigen in Stuttgart-Feuerbach ihre Werkstücke: Dabei ist ein Ehebett für die Ewigkeit und ein Zauberkästchen.

Feuerbach - Wer hier durchgeht, bekommt glänzende Augen. Ganz von alleine. Lauter feine, faszinierende Meisterstücke zum Streicheln. Das aber dürfen nur die 32 Schreinermeister und die zwei Meisterinnen, die eben ihren Meisterbrief bekommen haben. Das machen sie dann auch so ganz nebenbei, wenn sie den Interessierten zeigen, was sie da Meisterliches geschaffen haben. Schreibtische und Sekretäre, Betten und Vitrinen. Ein retrorundes Phono-Möbel aus Apfel, ein Wiskey-Schränkchen aus Eiche, ein Couchtisch mit schwenkbarer Rotunde aus amerikanischem Nussbaum, ein Traditionsschrank aus Weißtanne. Zum Beispiel.

„Alles in guter bis sehr guter Ausführung“, lobt Werner Pfeifer, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, und ergänzt: „Gott sei Dank gibt es noch diese handwerkliche Klasse! Trotz CAD-Technik. Hut ab, vor dem, was die jungen Leute hier an Können beweisen. Ich bin jedes Mal überrascht, wie viel neue Ideen da drinstecken. Das ist das Gegenteil von Massenware.“

Qualität, Kreativität und Design

Das brachte auch Hans Martin Fischer, der Obermeister der Schreiner-Innung, beim Festakt auf den Punkt: „Wir müssen uns nicht in Konkurrenz zu den großen Möbelhäusern setzen, da sind wir schlechter. Aber nur im Preis. Dagegen sind wir das Nonplusultra, was Qualität, Kreativität und Design betrifft.“ Für wen aber sind all die Meisterstücke gemacht? Pfeifer weiß es: „Sie denken an die eigene Wohnung.“

Wie Marie Fezer, mit 22 Jahren die Jüngste im Bunde. Schon im Kindergarten war sie „lieber in der Bauecke und an der Werkbank als in der Puppenecke“. Ihr schlankes Beauty-Bord aus Räuchereiche scheint zu schweben, muss im Hintergrund aber eine halbe Tonne an Hebelkräften meistern. Magisch, wie sich dank raffinierter Magnettechnik all die Schubteile öffnen lassen. Staunend betrachtet das Publikum die perfekte Synthese von Funktionalität und Ästhetik. „Schlicht und edel“ soll es sein, ein Geheimfach ist auch zu entdecken. 150 Arbeitsstunden stecken dahinter. Wofür? „Für den Meisterbrief, und weil ich das brauche“, sagt die Frau aus Geislingen, die sich selbstständig machen will. In den technischen Lehrberuf strebt Carsten Schulz. „Lebens-Schatz“ titelt sein Zauberkästchen aus Zwetschge und Ahorn, ein „Aufbewahrmöbel für Kindheitserinnerungen“. Sogar die Schnullerkette der kleinen Tochter ist eingearbeitet. Ganz praktisch der Kreativ-Tisch von Valentin Vöhringer. Der Gestalter hat den Meister „zum Draufsatteln“ gemacht: „Dann wissen alle: Der schwätzt kein dummes Zeug.“

Handwerkliche Meisterstücke

Pierre Paris aus Böblingen, der Schwarzwälder mit dem Namen hugenottischer Vorfahren, hat ein klassisches Doppelbett gefertigt. Dicke Wangen, gesteckte Schwalbenschwanz-Verbindungen und ein Unterbau, der das Rustikale ganz leicht erscheinen lässt. Aus Zirbenholz, einer nur in Höhenlagen wachsenden Kiefer: „Ein Bett für gesunden Schlaf und zum Vererben“, sagt Paris, der das Selbstbewusstsein hat, auch den monetären Gegenwert für das handwerkliche Meisterstück zu benennen: „8690 Euro. Damit geht es in einem Böblinger Möbelhaus in den Verkauf.“ Die Späne verkauft er als Kopfkissen und in Säckchen, aus denen die ätherischen Öle duften: „Zur Teilrefinanzierung des Ausbildungsjahres.“ Was er da geschaffen hat? „Ein Ehebett für die Ewigkeit.“

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