Im Sommer spielen Jugendliche auf dem Platz vor der Festhalle gerne Basketball – auch gerne mal bis in die späteren Abendstunden. Foto: Georg Friedel

Schmierereien an den Wänden und Müll: Der Bereich um die Festhalle in Stuttgart-Feuerbach sieht mitunter schlimm aus.

Feuerbach - Fleisch ist für Feiglinge, go vegan“, hatten unlängst Sprayer an die Fassade der Festhalle Feuerbach gesprüht. Auch wenn dieser Schriftzug und weitere Sprayereien inzwischen entfernt sind – die Wände des Bonatz-Gebäudes werden sicher nicht lange sauber bleiben. Kaum sind die alten Schmierereien beseitigt, tauchen in aller Regel nach relativ kurzer Zeit wieder neue sogenannte Tags und Schriftzüge auf der rotbraun gestrichenen Außenwand des denkmalgeschützten Gebäudes auf.

Dieses Katz- und Mausspiel geht nun schon seit Jahren so – auch Versuche mit einer Kameraüberwachung konnten daran bisher nicht viel ändern. Und es ist offenbar nicht das einzige Problem im Bereich der Festhalle und dem Eyche-Platz. Schon länger wird im Stadtbezirk überlegt, wie sich die Situation dort verbessern lässt. Unter anderem beteiligten sich auch Vertreter aus den umliegenden Schulen, Träger der offenen Jugendarbeit im Stadtbezirk, der Bürgerverein und die örtliche Polizei an der Diskussion und an einem runden Tisch.

Jede Menge Verpackungsmüll liegt herum

„Wir haben uns intensiv ausgetauscht“, berichtete Bezirksvorsteherin Andrea Klöber unlängst den Bezirksbeiräten, als der gesamte Themenkomplex im dortigen Gremium erörtert wurde. Der von Jugendlichen zum Basketballspielen, zum Kicken oder auch einfach als Treffpunkt genutzte Platz sieht mitunter ziemlich verdreckt aus. „Das Thema Sauberkeit ist auch in den umliegenden Bereichen des Platzes ein Problem“, meinte Klöber. Jede Menge Verpackungsmüll liegt vor allem nach den Wochenenden herum. An den etwas geschützteren Ecken und Bereichen des Festplatzes würden zudem Drogen konsumiert, berichtete auch die Jugendsachbearbeiterin beim Polizeirevier Kärntner Straße den Bezirksbeiräten während der Sitzung. Nicht nur abends, sondern auch tagsüber werde dort gelegentlich Marihuana konsumiert – offenbar auch in Hohlstunden oder großen Pausen von den Schülern der angrenzenden gewerblichen Schulen. Man habe dort schon mehrfach Kontrollen durchgeführt – auch Zivilbeamte seien unterwegs gewesen, betonte die Polizistin.

Neben diesen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sind die Polizeibeamten auch hin und wieder wegen der Anzeige von Ruhestörungen vor Ort. Davon kann auch Bezirksvorsteherin Andrea Klöber ein Lied singen: Wegen des Lärms, der von den Nutzern des Platzes ausgehe, würden regelmäßig Beschwerden der Anwohner bei ihr eingehen, berichtete sie. Um zumindest die Lärmbelästigung in den späten Abendstunden zu reduzieren, schlug Klöber vor, den ansonsten eingezäunten und abends geschlossenen Platz an der einzigen offenen Stelle in der Nähe des Parkplatzes vor der Festhalle mit einem „Staketenzaun“ zu versehen, dessen Durchgänge abends geschlossen werden könnten: Das Schulverwaltungsamt wäre bereit, einen solchen Zaun aufzustellen, sagte Klöber. Dadurch wäre der Durchgang über den Parkplatz versperrt und es wäre möglich, den Festplatz ab 21 oder 22 Uhr komplett abzuriegeln. Ein Versuch wäre es wert, meinte Klöber.

Festhalle stand auch in früheren Zeiten im Fokus

Nach längerer Diskussion über das Für und Wider lehnte allerdings die Mehrheit der Bezirksbeiräte das Aufstellen eines Zaunes ab, da eine solche Maßnahme ihrer Meinung nach nicht zum gewünschten Ziel führt. Zuvor hatten Benjamin Seidl, der Leiter des Jugendtreffs Camp Feuerbach, und Sascha Klose, Teamleiter der Mobilen Jugendarbeit und Schulsozialarbeit in Feuerbach, ihre Bedenken geäußert: „Ein Zaun ist schnell gebaut“, sagte Jugendhaus-Leiter Seidl. Aber es gehe auch um die Botschaft oder das Signal, welches damit ausgesendet werde und dieses bedeute für die Jugendlichen: „Ab einer bestimmten Zeit seid ihr hier auf dem Festplatz nicht mehr erwünscht und willkommen!“ Allerdings stand die Festhalle auch in früheren Zeiten immer wieder im Fokus. Sprich: Das ist kein aktuelles Phänomen. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre fanden in der Halle große Rock- und Popkonzerte statt, bei denen es teilweise wohl weitaus wüster als heutzutage in und um die Halle zuging. Als beispielsweise im März 1971 die Deutschrockgruppe Amon Düül II in der Halle auftrat, drohte die Situation aus dem Ruder zu laufen: Der Musikjournalist, Rundfunk- und Buchautor Christoph Wagner hat die Geschichte recherchiert und beschreibt die Episode in dem 2013 veröffentlichten Buch „Der Klang der Revolte – Die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground“ so: Die Halle sei damals höchstens für 1000 bis 1200 Besucher ausgelegt gewesen. Bei Amon Düül II seien aber rund 2500 Personen gekommen, die alle in die Halle wollten. Kritisch sei es geworden, als Leute versucht hätten, sich Zutritt zum Konzert zu verschaffen – egal wie.

Der damalige Schülersprecher des Leibniz-Gymnasiums, der gleichzeitig Organisator des Konzertes war, erinnerte sich in einem mit Christoph Wagner im Jahr 2008 geführten Interview mit einem gewissen Grausen an die Situation: „Die sind außen an der Balustrade hoch auf das Dach geklettert, haben Ziegel abgedeckt, um über den Dachstuhl in die Halle zu gelangen. Dort gab es Fenster in den Innenraum, da saßen die dann 15 Meter über dem Boden. Das war ein Moment, wo ich gedacht habe: ‚Gott, wenn da einer runterfällt, bist du ruiniert fürs Leben‘.“ Um die Situation zu entschärfen, habe man schnell „Lautsprecher organisiert und raus auf den Platz gestellt“.

Am 3. Juli 1971 spielte die Düsseldorfer Elektropop-Band Kraftwerk in der Festhalle. Wie laut es damals war, ist nicht überliefert. Diesen Sommer tritt Kraftwerk auf dem Schlossplatz auf – übrigens im Freien.

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