Dass im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof immer mehr Grünflächen für eine Bebauung weichen müssen, treibt die Menschen um. Foto: dpa/Cindy Riechau

Im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof soll ein neues Quartier entstehen. Eine behutsame Planung tut Not, mahnen die Lokalpolitiker. Was steckt dahinter?

Fasanenhof - Der Unmut auf dem Fasanenhof war groß, als im Herbst 2019 bekannt wurde, dass im Gewann Eichwiesen ein neues Wohnquartier entstehen soll. Noch mal Nachverdichtung zusätzlich zu dem Projekt am Ehrlichweg (wir berichteten), noch mehr Verkehr, noch weniger Grün – so der Tenor. Auch der Sportverein SV Fasanenhof meldete sich zu Wort. Das Areal befindet sich in unmittelbarer Nähe zu seinen Fußballplätzen und Bogenschießanlagen. Auf einem Sportgelände gehe es nicht immer leise zu, ganz im Gegenteil, argumentierte der Verein sinngemäß. Er befürchtete Einschränkungen für seinen Betrieb, sollten sich neue Anwohner künftig gestört fühlen.

Die Verwaltung habe viele Reaktionen erhalten, sagte Michael Hausiel vom Amt für Stadtplanung und Wohnen in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats. Und erinnerte auch daran, dass der Bezirksbeirat eine stärkere Einbeziehung der Lokalpolitik und der Menschen vor Ort gefordert habe. Hausiel betonte, dass bei dem Bericht im Februar alle Informationen auf den Tisch gekommen seien, die es zum damaligen Zeitpunkt gegeben habe. Dennoch habe sich die Verwaltung nach der harschen Kritik dazu entschieden, noch einmal ganz vorne anzufangen: Nämlich mit einer Information der Bürger und der Lokalpolitiker vor Ort. Darum ging es im Bezirksbeirat am Mittwochabend lediglich um um einen Zielbeschluss. Das gleiche gilt für die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Wohnen am kommenden Dienstag, 21. Juli. „Hiermit soll auch klargestellt werden, dass die wesentlichen Befürchtungen der Öffentlichkeit und des Bezirksbeirats (vor allem hinsichtlich des Verkehrs und der benachbarten Sportnutzung) wahrgenommen wurden und diesen bei den weiteren Planungen in besonderer Weise Rechnung zu tragen ist“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage.

Bis zu 250 Wohnungen könnten entstehen

An den Eckpfeilern für das neue Quartier hat sich aber nichts geändert. Die DIBAG Industriebau AG hat Mitte 2019 von mehreren Privateigentümern den Großteil der Flächen im Gewann Eichwiesen gekauft. Etwa ein Viertel des Gebiets gehört der Stadt. Die DIBAG selbst will zwischen 200 und 250 Wohnungen bauen. Dafür braucht es einen neuen Bebauungsplan. Der Flächennutzungsplan sieht eine Gemeinbedarfsfläche vor, und dem muss Rechnung getragen werden. Darum sollen auf der Fläche auch 15 bis 20 Wohneinheiten von Baugemeinschaften erstellt werden, ein Pflegeheim mit 90 Plätzen und eine Pflege-Wohngemeinschaft mit acht bis zwölf Plätzen entstehen sowie vermutlich zwei Kindertagesstätten mit je sechs Gruppen. Auch Wohngruppen für Menschen mit Behinderung sind angedacht. Und noch eine Besonderheit: Das Quartier soll autofrei sein.

Das alles soll den Fasanenhofern nach der Sommerpause noch einmal ausführlich bei einer Bürgerinformation dargestellt werden. Wann und wie genau die stattfinden kann, ist wegen der anhaltenden Pandemie allerdings fraglich. Fest steht, dass erst danach das Bebauungsplanverfahren eingeleitet und ein städtebaulicher Wettbewerb begonnen werden soll. Bis im Gewann Eichwiesen gebaut werden, werden also noch einige Jahre vergehen.

Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie

Dass gebaut wird, ist indes schon vergleichsweise sicher. Das betonte auch Hartmut Ellinger (Grüne): Bei der Bürgerbeteiligung gehe es nicht um das Ob, sondern um das Wie, sagte er. Fabian Ripsam (CDU) forderte, dass auf dem Fasanenhof nicht immer nur weitere Wohnungen gebaut werden dürften. Es brauche auch attraktive Gewerbeflächen. Dieter Bernhardt (SPD) mahnte eine behutsame Planung an. Das Gremium befürwortete das Projekt schließlich mit großer Mehrheit. Auf Vorschlag der CDU aber nur mit der Maßgabe, dass im Grundbuch eine Grunddienstbarkeit eingetragen wird, damit künftige Anwohner nicht gegen den vom Sportgelände und dem städtischen Betriebshof ausgehenden Lärm klagen können. Außerdem soll nicht gleichzeitig am Ehrlich- und Logauweg gebaut werden.

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