Seit Juli 2013 gehört das Gebäude am Laubeweg 1 der SWSG. Foto: Archiv Alexandra Kratz

In der Wohnanlage in Stuttgart-Fasanenhof leben Menschen mit einer Behinderung. Sie fordern die Sanierung des Gebäudes am Laubeweg 1. Es sind gleich mehrere Dinge, welche die Mieter erzürnen.

Fasanenhof - Für die Menschen in der Wohnanlage Fasanenhof ist es ein großes Ärgernis. Denn immer wieder fallen die Aufzüge in dem Hochhaus am Laubeweg 1 aus. Das ist kein Luxusproblem, denn das Gebäude gehört zum BHZ. Dort wohnen Menschen mit einer Behinderung, viele von ihnen sind auf den Fahrstuhl angewiesen, um in ihre vier Wände zu kommen.

Petra Leitenberger (Grüne) brachte dieses Thema in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Möhringen auf den Tisch. Schon im Vorfeld der Sitzung hatten sich mehrere Bewohner an unsere Redaktion gewandt. „Von wegen Wohnanlage, inzwischen ist es eine Schrottanlage“, heißt es in einer Mail an unsere Zeitung. Zudem seien Wartungsarbeiten immer weiter zurückgefahren worden, was mittlerweile auch an der Fassade und den Außenanlagen sichtbar werde.

Vor wenigen Monaten sei zudem festgestellt worden, dass Legionellen in den Wasserleitungen sind. „Dies ist schon länger bekannt, wurde aber auch verschwiegen. Jegliche Beschwerden der Hausbewohner wurden offensichtlich nicht ernst genommen“, heißt es in der Mail.

Die Beschwerden richten sich an die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), die für das Gebäude verantwortlich ist. Der Zorn entzündete sich, als kürzlich an einem Wochenende beide Fahrstühle gleichzeitig still standen. Es war das Wochenende, an dem die Fasanenhofer ihr Stadtteilfest gefeiert haben. „Viele waren unterwegs“, berichtet Bernd Knoth, der in der Anlage zu Hause ist. Man habe alle per Handy oder auch persönlich informieren müssen, dass sie nach Hause kommen sollen. Denn weil die Automatik nicht funktionierte, bediente der Techniker, der nach einiger Wartezeit in die Wohnanlage kam, die Aufzüge manuell. Er konnte erst wieder gehen, nachdem alle in ihren Wohnungen waren.

Die Bewohner vom Laubeweg 1 sind dem Techniker dankbar, der stundenlang den Liftboy gab. Auf die SWSG sind sie jedoch sauer. „Die Menschen von der Service-Hotline behandeln einen so rücksichtsvoll, dass man verzweifelt“, sagt Knoth spöttisch. Ein anderer Bewohner ergänzt: „Es gipfelte in der Aussage der SWSG, das Ganze stelle keinen Notfall dar. Zynismus pur! Sicherlich kann so was passieren, aber es darf nicht innerhalb eines halben Jahres zweimal passieren; da ist handeln angesagt und nicht totale Passivität.“

Antrieb und Steuerung der Aufzüge werden im Frühherbst 2017 erneuert

Peter Schwab, der Pressesprecher der SWSG, bestätigt: „Am Freitag, 7. Juli, war ein Aufzug in unserem Objekt Laubeweg 1 defekt. Um 8 Uhr hat die SWSG eine Meldung erhalten, daraufhin ist ein Aufzugstechniker losgefahren. Auch unser Objektbetreuer hat sich auf den Weg gemacht.“ Trotz stundenlanger Prüfung sei aber zunächst kein Fehler entdeckt worden. Am Samstag sei die SWSG gegen 17 Uhr über den Ausfall des zweiten Aufzugs informiert worden. Daraufhin sei erneut ein Techniker ausgerückt. Diesmal habe er den Defekt gefunden. „Ein Abstandhalter für den Türschließmechanismus war kaputt, ein Verschleißteil, das für so einen alten Aufzug erst besorgt werden musste und umgehend bestellt wurde“, schreibt Schwab. Der Techniker habe bei der Gelegenheit auch den ersten Aufzug noch mal in Augenschein genommen und festgestellt, dass dort genau dasselbe Teil kaputt war.

„Am Sonntag hatte der Techniker dann den Geistesblitz: Nicht nur beim Schließ-, auch beim Öffnungsmechanismus gibt es einen Abstandshalter. Dieser kann für beide Funktionen verwendet werden. Fehlt er aber bei der Öffnungsfunktion, hat das keine Auswirkungen auf die Sicherheit und Fahrtüchtigkeit des Aufzugs. Also wurden die Stopper aus- und für die Schließfunktion eingebaut. Seither fahren die Aufzüge wieder, die endgültige Reparatur ist so schnell wie möglich vorgesehen“, erklärt Schwab. Er betont: „Weil die Aufzüge in der Einrichtung so eminent wichtig sind, hat die SWSG diese bereits vor dem Vorfall technisch untersuchen lassen.“ Das Ergebnis: Antrieb und Steuerung der Aufzüge werden im Frühherbst 2017 erneuert.

SWSG nimmt das Thema Legionellen ernst

Auch zu dem Thema Legionellen nimmt Schwab Stellung: „Aufgrund unserer Untersuchungen haben wir im Frühsommer 2016 eine erhöhte Legionellen-Konzentration im Wasser der Wohnanlage gefunden.“ Allerdings sei die SWSG von Anfang an offen mit dem Thema umgegangenen und habe die Mieter unverzüglich informiert. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt habe man gehandelt. So habe die SWSG unter anderem die Duschköpfe in den Bädern austauschen lassen, die Armaturen mit einer Filterkartusche ausgetauscht und zusätzliche Pumpen eingebaut, um die Wasserzirkulation zu verbessern. Dies ist ein Ergebnis des hydraulischen Abgleichs, bei dem die Wasserversorgung in der Anlage untersucht worden ist. Das Warmwasser werde mittlerweile dauerhaft auf 70 Grad erhitzt.

„Die Maßnahmen greifen, die Konzentration der Legionellen ist gesunken“, schreibt Schwab und ergänzt: „Die SWSG nimmt das Thema Legionellen sehr ernst: Legionellen können überall in erhöhtem Maß auftauchen, wichtig ist der richtige Umgang damit.“ Schwab widerspricht dem Vorwurf, dass sich die SWSG nicht um die Wohnanlage kümmere: „Selbstverständlich pflegt die SWSG die gesamte Anlage weiterhin.“ Eine vollständige Erneuerung sei vorgesehen, die Mieter seien darüber bereits informiert. „Die Planungen sind dabei sehr herausfordernd. Das liegt einerseits an dem Gebäude selbst, andererseits an der Mieterschaft. Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung müssen besonders berücksichtigt werden.“ Sobald es Konkretes dazu zu vermelden gebe, werde die SWSG zunächst die Bewohner und dann die Öffentlichkeit informieren.

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