Die Bürger auf dem Fasanenhof leiden unter dem Lärm von der A 8. Foto: Lichtgut/Zweygarth

Seit Kurzem gibt es auf einer Internetplattform eine Petition aus dem Stadtteil. Die Unterzeichner wollen, dass Autos nachts maximal 80 und Lastwagen maximal 60 Kilometer in der Stunde fahren dürfen. Der Bürgerverein unterstützt den Vorstoß.

Fasanenhof - Im Internet sind bereits etliche Kommentare zu lesen. „Die 6300 Einwohner vom Stadtteil Fasanenhof brauchen ihre Nachtruhe. Lärm macht krank“, heißt es dort zum Beispiel. Oder: „Eingekreist von stark befahrenen Straßen hat der Lärm sehr stark zugenommen, nicht aber der Lärmschutz!“ Und einer der Kommentatoren schreibt schlicht: „Lärm ist blöd.“

Die Meinungsäußerungen stehen im Internet auf der Seite www.openpetion.de. Dort kann jeder Bundesbürger sein Anliegen einbringen und Unterschriften sammeln. Die Plattform ist aus einer ehrenamtlichen Initiative entstanden und inzwischen eine gemeinnützige GmbH. Ihr Ziel ist es, die Anliegen der Bürger ins Bewusstsein der Parlamentarier zu bringen.

Verantwortliche haben Ertüchtigung des Lärmschutzes immer wieder abgelehnt

Der Fasanenhofer Wolfram Christoph Eckard hat die Plattform genutzt und eine Petition verfasst. Er fordert ein nächtliches Tempolimit auf der A 8 und B 27. Zwischen 22 und 6 Uhr sollen Autos nicht schneller als 80 und Laster nicht schneller als 60 Kilometer in der Stunde fahren dürfen. Konkret geht es um den A-8-Abschnitt zwischen dem Stuttgarter Kreuz und dem Flughafen und dem B-27-Abschnitt zwischen Bonlanden und Degerloch.

Die Umsetzung dieser Forderung sei einfach und quasi kostenfrei. Denn entlang beider Straßen gebe es Schilderbrücken mit frei programmierbaren Geschwindigkeitsanzeigen. „Es bedürfte noch nicht einmal eines zweistelligen Geldbetrags, um die Lärmbelastung zu senken“, schreibt der Petent auf der Internetplattform.

In der Begründung heißt es: „Die Wohngebiete sind von Jahr zu Jahr mit mehr Verkehrslärm, Abgasen und Feinstaub belastet.“ Der fast ständig wehende Westwind verstärke das Problem. Schon vor mehr als zehn Jahren seien die zulässigen Lärmwerte im Wohngebiet Fasanenhof überschritten gewesen. Mittlerweile sei die A 8 sechsspurig, in Stoßzeiten würden zudem die Standstreifen freigegeben. Gleichzeitig hätten die Verantwortlichen eine Ertüchtigung des Lärmschutzes immer wieder abgelehnt und entsprechende Eingaben zurückgewiesen. Der versprochene Flüsterasphalt sei bis heute nicht realisiert.

Ausbau der Straßen erhöht Lärmbelastung

„Inzwischen ist die Lärmbelastung – vor allem in der Nacht – unerträglich geworden“, heißt es in der Petition. Hinzu komme, dass ein weiterer Ausbau der Verkehrswege geplant sei. „Lärm und Belastung mit Abgasen werden zunehmen“, lautet Wolfram Christoph Eckards Fazit. Er verweist auf ein Treffen von Staatssekretär Norbert Barthle mit Vertretern der im Synergiepark ansässigen Firmen Anfang September. Damals sagte Barthle: „Die A 8 und die A 81 stehen im Bundesverkehrswegeplan 2030 als Maßnahmen mit vordringlichem Bedarf. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat allen Maßnahmen für Baden-Württemberg zugestimmt.“

Eckard argumentiert, dass der Ausbau zu einer noch höheren Lärmbelastung führen werde. „Der Schutz der Gesundheit der Bürger darf nicht hinter Wirtschaftsinteressen zurückbleiben und muss wieder Thema werden“, so seine Forderung. „Zumindest nachts würden wir Bürger gern wieder bei offenem Fenster schlafen können“, schreibt Eckhard und fügt hinzu: „Wir Bürger wollen konkrete Schritte sehen!“

Bürgerverein legt Unterschriftenlisten aus

Der Bürgerverein steht hinter der Petition. Diese sei abgestimmt mit der Projektgruppe Lärm und Verkehr, sagt die Schriftführerin Angelika Lehrer und ergänzt: „Die Projektgruppe bemüht sich seit Jahren um eine Verbesserung der Lärm- und Verkehrssituation rund um den Fasanenhof. Der Bürgerverein wandte sich allein im Zeitraum 2016 und 2017 mehrmals an das Regierungspräsidium Stuttgart, das Verkehrsministerium Baden-Württemberg, das Umweltamt der Stadt Stuttgart und verschiedene Bundestagsabgeordnete und über diese an den Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Norbert Barthle.“ Das Ergebnis sei unbefriedigend: „Bis auf die Zusage, dass irgendwann in den nächsten Jahren auf der A8 Flüsterasphalt aufgetragen werde, wurden all unsere Vorschläge zur schnellen oder längerfristigen sowie dauerhaften Lärmminderung abgelehnt, sagt Angelika Lehrer.

Am vergangenen Sonntag hat der Bürgerverein die Unterschriftenlisten während seiner Sprechstunde im Bürgertreff am Europaplatz 26 A ausgelegt. Am 4. November macht er das noch einmal. Im Internet ist die Petition noch bis zum 10. November aktiv. „Wir hoffen, dass viele Bürger diese Petition unterzeichnen und damit auch ihr eigenes Anliegen den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung deutlich machen“, sagt Lehrer.

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