Die Einbrecher hatten es vor allem auf die Geldkassetten von Spielautomaten abgesehen. Foto: dpa

Fünf Männer aus dem Kosovo sollen im Raum Stuttgart 19 Einbrüche verübt haben. Jetzt überlegen sie, ob sie vor dem Landgericht Geständnisse ablegen sollen.

Stuttgart - 19 Einbrüche in Gaststätten, Spielhallen und Privathäuser im Großraum Stuttgart wirft Staatsanwalt Johannes Kienle den Angeklagten vor. Fünf Männer sitzen vor der 19. Strafkammer des Landgerichts auf der Anklagebank, allesamt aus dem Kosovo. Der Prozess ist bis Mitte Mai terminiert, aber es sieht so aus, als würde es erheblich schneller gehen.

Von Januar bis Juli vorigen Jahres sollen die Männer in wechselnder Besetzung in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus in Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt eingebrochen haben. Dabei hatten sie es vor allem auf die Geldkassetten von Automaten in Spielhallen und Gaststätten abgesehen. Aber auch Privathäuser waren vor den Männern im Alter zwischen 29 und 35 Jahren nicht sicher.

Die Serie hat laut Anklage am 11. Januar 2018 in Leonberg ihren Anfang genommen. Dort sollen der 29-Jährige und ein gesondert verfolgter kosovarischer Landsmann in ein Haus eingedrungen ein. Sie stahlen einen Tresor, in dem sich lediglich Dokumente befanden, und eine Computerfestplatte. Die Beute lag bei 300 Euro, der Sachschaden bei 1000 Euro.

Oft ist der Sachschaden höher als die Beute

Vier Tage später drangen die selben Täter erneut in Leonberg in ein Einfamilienhaus ein, fanden aber nichts Stehlenswertes. Dann verlegten die Einbrecher ihr Tun nach Leutenbach im Rems-Murr-Kreis, wo sie in einen Imbiss eindrangen und 780 Euro erbeuteten. Der Beute steht ein Sachschaden von fast 4000 Euro gegenüber.

So ging es munter weiter, auch was das Verhältnis von Beute und Sachschaden betrifft. Am 17. Mai 2018 hebelten zwei der fünf Männer beispielsweise die Tür einer Gaststätte in Wendlingen auf und knackten zwei Spielautomaten. Ihre Beute: rund 1800 Euro. Weiter ging es nach Altbach, ebenfalls im Kreis Esslingen, wo sie in einem Lokal 1200 Euro stahlen. Der Sachschaden hier: fast 6000 Euro. In Köngen suchten die Männer ein Musikcafé heim, wo sie 600 Euro einsackten. Dann ging es zurück nach Wendlingen, wieder nach Altbach, schließlich machten die Einbrecher einen Ausflug nach Baden-Baden, Karlsruhe und nach Raststatt, wo sie jeweils mehrere Einbrüche in Gaststätten verübten.

Weitere Tatorte waren Böblingen, Weinstadt-Endersbach und schließlich Ehningen, wo die Serie ihr Ende nahm.

Insgesamt sollen die fünf Angeklagten rund 50 000 Euro erbeutet und einen Sachschaden von mehreren Zehntausend Euro verursacht haben.

45 Zeugen stehen bereit

Wie die Polizei der fünf Männer habhaft geworden ist, wird im Laufe des Prozesses noch thematisiert werden. Am ersten Tag gab Vorsitzender Richter Norbert Winkelmann lediglich bekannt, dass alle Beteiligten an einem Rechtsgespräch interessiert seien, bei dem die Strafhöhen abgeklopft werden sollen. Voraussetzung dafür sind allerdings Geständnisse. Zum Teil sollen die Angeklagten bei der Polizei bereits Einbruchstaten eingeräumt haben.

Die Tatsache, dass die Strafkammer bisher darauf verzichtet hat, die gelisteten 45 Zeugen und mehrere Gutachter zu laden, deutet daraufhin, dass sie mit einer sogenannten verfahrensverkürzenden Absprache rechnet.

Nur zwei der fünf Männer, die alle aus dem Kosovo stammen, leben in Deutschland. Der 29-Jährige wohnt mit Frau und zwei kleinen Kindern im Remstal, der 31-jährige Angeklagte mit Frau und fünf Kindern im Kreis Esslingen. Die übrigen drei Angeklagten sind offenbar eingereist, um die Einbrüche zu begehen. Die Hauptverhandlung wird am 8. März fortgesetzt.

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