Stuttgart/Echterdingen Eidechsen müssen umgesiedelt werden

Von Alexandra Kratz 

Die Zauneidechse ist eine streng geschützte Tierart. Foto: Mauritius
Die Zauneidechse ist eine streng geschützte Tierart. Foto: Mauritius

Das Regierungspräsidium will die Anschlussstelle der A 8 an die Nord-Süd-Straße zwischen Stuttgart-Vaihingen und Stuttgart-Möhringen ausbauen. Zuvor muss die Behörde aber für etwa 20 Zauneidechsen ein neues Zuhause finden. Dabei hat es unerwartete Schwierigkeiten gegeben.

Möhringen/Echterdingen - Die Zauneidechse ist nicht überall willkommen. Die Population, die auf einem Grundstück zwischen der A 8 und der Nord-Süd-Straße lebt, muss weichen, weil die Anschlussstelle ausgebaut werden soll. Es sind um die 20 Tiere. Doch sie haben Glück, denn die Zauneidechse ist streng geschützt. Darum muss das Regierungspräsidium (RP) als Bauherr die Reptilien umsiedeln lassen oder aber verscheuchen, bevor Bagger und Radlader anrücken können.

Lange Verhandlungen

Eine potenziell geeignete Fläche fanden wir östlich der Nord-Süd-Straße. Wir nahmen sogleich die Verhandlungen mit dem Eigentümer der Fläche auf“, sagt Désirée Bodesheim, Pressereferentin beim RP. Die Verhandlungen hatten einige Zeit in Anspruch genommen. Und erst nachdem sie abgeschlossen waren, konnten die RP-Mitarbeiter den Pächter der Fläche kontaktieren. „Doch entgegen unserer Erwartung hat der Pächter nicht zugestimmt, die benötigte Zielfläche vorzeitig, also vor Ablauf seines Pachtvertrags, zur Verfügung zu stellen“, sagt Bodesheim. Das Grundstück wäre geschickt gewesen. Denn es hätte sich in unmittelbarer Nähe des bisherigen Lebensraums der Tiere befunden. Die Zauneidechsen hätten lediglich vergrämt werden müssen. Das heißt, ihr Zuhause wäre mit schwarzen Folien abgedeckt worden, so dass sich die Tiere dort nicht mehr wohlgefühlt hätten. Die Fachleute hätten aus Folienzäunen Korridore gebaut, damit die Eidechsen, die eigens für sie neu hergerichteten Quartiere auch gefunden hätte.

Doch daraus wurde nun nichts. Wegen der langen Verhandlungen ist dem RP die Zeit davon gelaufen. „Die einzige mögliche Alternative, um den Beginn dieses wichtigen Projektes dennoch halten zu können, war die Umsiedlung der vom Vorhaben betroffenen Zauneidechsen in ein geeignetes Ersatzhabitat“, sagt Bodesheim. Fündig geworden ist das RP in Pforzheim. Die Stuttgarter Tiere sollen künftig auf einer ehemaligen Militärfläche leben. Dort gibt es bereits einige Artgenossen. Für sie und die Neuankömmlinge werten die Fachleute das Areal aber sogar noch einmal auf.

Experten fangen die Tiere ein

Weil die Eidechsen nicht allein bis Pforzheim laufen, müssen Experten sie nun einfangen. Das tun sie von Hand und mit der Schlinge. Meistens sind die Fachleute zu zweit vor Ort. Zwei Fangtage gab es bereits. Wie viele noch kommen, hängt von der Erfolgsquote ab, und die ist abhängig von der Witterung. „Günstig zum Fangen sind sonnige, aber nicht zu heiße Tage oder warme Temperaturen bei bedecktem Himmel“, sagt Laura Matthäus von der Gruppe für ökologische Gutachten. Das RP hat das Stuttgarter Büro mit dem Umsiedeln der Eidechsen beauftragt. Die gefangenen Tiere werden in sogenannten Fauna-Boxen mit Versteckmöglichkeiten oder einzeln in Baumwollsäckchen transportiert.

Entdeckt worden waren die Tiere bei einer Begehung für den sogenannten landschaftspflegerischen Beitrag. Das RP musste dieses Gutachten machen lassen, bevor es bauen darf. Die Fachleute waren auf acht Exemplare der streng geschützten Art gestoßen. Weil bei solchen Terminen aber nie alle Tiere gefunden werden, gehen die Fachleute von insgesamt etwa 20 Tieren aus. Für die Sammeltage einschließlich des Transports veranschlagt das RP derzeit Kosten in Höhe von 8000 Euro. „Die Gesamtkosten können momentan noch nicht beziffert werden, da noch Folgekosten wie zum Beispiel für einen detaillierten Abschlussbericht oder das spätere Monitoring hinzukommen“, ergänzt Bodesheim.

Weniger Stau ist das Ziel

Mit dem Ausbau des Knotens Nord-Süd-Straße/A 8 will das RP das Verkehrsproblem auf den Fildern entschärfen. Untersuchungen hatten ergeben, dass die Anschlussstelle in der bestehenden Form für die aktuelle und die künftig zu erwartende Zahl an Autos nicht ausreicht. Denn mit den geplanten Aufsiedlungen im Synergiepark Vaihingen-Möhringen wird künftig noch mehr auf den Straßen los sein.

Vorgesehen ist, die Anschlussstelle durch einen zusätzlichen freien Rechtsabbieger von der A-8-Rampe in die Nord-Süd-Straße, einen zusätzlichen Linkseinbieger von der A-8-Rampe in südliche Richtung sowie einen zusätzlichen Geradeausfahrstreifen von der Nord-Süd-Straße bis zur Brücke über die A 8 baulich zu erweitern. Derzeit geht das RP von einem Baubeginn im Jahr 2019 aus. „Nach der Umsiedlung der Eidechsen kann nun mit weiteren notwendigen Voruntersuchungen begonnen werden“, erklärt Bodesheim.

Redaktion Möhringen

Ansprechpartner
Sandra Hintermayr und Rüdiger Ott
moehringen@stz.zgs.de

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