„Niemals würde ich so etwas tun“, sagt der Angeklagte vor Gericht. Foto: dpa

Ein Mann steht vor dem Landgericht Stuttgart, weil er in der Innenstadt drei Autos abgefackelt haben soll. Der 54-Jährige weist jede Schuld von sich.

Stuttgart - Der Mann muss gestützt werden. Nachdem die Justizbeamten den 54-Jährigen im Rollstuhl bis vor den Saal gefahren hatten, müssen sie ihm nun auf die Anklagebank helfen. Er zittert am ganzen Körper und schafft es auch nicht, bei der Vereidigung der Schöffen auf den Beinen zu bleiben. Dieser Mann ist der schweren Brandstiftung, der gefährlichen Körperverletzung und der Sachbeschädigung angeklagt.

Im Juli und im August vorigen Jahres waren im Gerberviertel in der Innenstadt drei BMW in Flammen aufgegangen. Schnell war klar, dass es sich um Brandstiftung handelte. Zuerst hielten es die Ermittler für möglich, dass sie es mit der Fortsetzung einer Brandserie zu tun haben könnten. Denn im Sommer 2017 hatte ein Feuerteufel vor allem rund um den Bopser scheinbar wahllos Autos, alte und neuere aller möglichen Fabrikate, angezündet. Dabei hatte er einen Grillanzünder benutzt, den er auf die Autoreifen legte.

Bald war den Fahndern klar, dass die drei verbrannten BMW nichts mit der Bopser-Serie zu tun hatten. Sie stießen auf den 54 Jahre alten Mann, der jetzt vor der 5. Strafkammer des Landgerichts auf der Anklagebank sitzt. Der Bopser-Brandstifter ist bis dato nicht ermittelt.

„Ich würde so etwas nie tun.“

Die Miniserie hatte in der Nacht auf den 24. Juli 2018 begonnen. Vor dem Haus an der Gerberstraße 8a stand ein BMW in Flammen. Ein Fahrrad und ein Golf wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Schon in der nächsten Nacht brannte der nächste BMW komplett aus, dieses Mal im Hof an der Gerberstraße 6. Der dritte Brand datiert vom 11. August. Wieder in einem Hinterhof an der Gerberstraße wurde ein BMW Raub der Flammen. Der Fensterrahmen des Gebäudes fing Feuer, ein Mann und eine Frau in dem Haus erlitten Rauchgasvergiftungen. Der durch den Brandstifter angerichtete Gesamtsachschaden beläuft sich auf knapp 100 000 Euro.

Vorsitzender Richter Volker Peterke fragt frei heraus: „Haben Sie einen oder alle drei BMW angezündet?“ Es kommt wie aus der Pistole geschossen: „So etwas würde ich nie tun“, sagt der in Essen gebürtige Italiener, der seit Jahren in Stuttgart lebt und der mit Sehnenentzündungen zu kämpfen hat, seit er HIV-positiv ist.

Seit der Festnahme am 22. September 2018 sei es noch viel schlimmer geworden, sagt er. Der erste BMW hatte direkt vor seinem Wohnzimmerfenster gebrannt. „Ich lag auf dem Sofa und bin von einem Knall wach geworden“, sagt der Angeklagte, der als Lebensberater für Menschen in Krisensituationen und als Schlagersänger arbeitet. In Panik sei er hinausgestürmt. Weil ein Fenster gekippt gewesen sei, sei das Wohnzimmer komplett verraucht gewesen, sagt der zweifache Großvater.

Kein Motiv erkennbar

Eine Nacht darauf sei er mit Packen für eine Reise beschäftigt gewesen, als er den zweiten BMW in Flammen gesehen habe. Er selbst habe die Feuerwehr gerufen, sagt er. Beim dritten Fahrzeugbrand am 11. August sei er von dem Feuerwehrlärm wach geworden, so der Angeklagte.

Es wird spannend sein, auf welche Beweismittel sich die Staatsanwaltschaft stützt. Der Täter soll bei den Autos mit Brandbeschleuniger getränkte Textilstücke auf die Reifen gelegt und angezündet haben. Ein solcher Lappen, so heißt es, soll DNA-Spuren des Angeklagten aufweisen. „Allerdings auch andere DNA-Spuren“, relativiert Verteidiger Markus Höss. Auf einem Überwachungsvideo im Hof ist offenbar der Angeklagte zu sehen, wie er des nachts nach Hause kommt. Kurze Zeit später brannte der dritte BMW. „Es ist aber überhaupt kein Motiv erkennbar“, sagt Verteidiger Höss. Der Prozess wird am 2. April fortgesetzt.

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