Galerienszene Stuttgart „Der Kunststandort Stuttgart ist besser als sein Ruf“

Von Nikolai B. Forstbauer 

„Ein Schritt vor, zwei zurück“ – so skizzierte unsere Zeitung jüngst die Situation der Privatgalerien in Stuttgart. Ist die Realität eine andere? „Es gibt eine starke Sammlerschaft, die in den hiesigen Galerien kauft“, sagen Thomas Fuchs (Galerie Fuchs) und Kay Kromeier (Galerie Schlichtenmaier) den Stuttgarter Nachrichten.

Stuttgart - Am vergangenen Samstag war Sandro ­Parrotta letztmals offiziell in seiner Galerie in der Augustenstraße 87. Parrotta zieht es, wie er sagt, „zurück ins Rheinland“. Es hätte aber auch weiterhin Stuttgart sein können – Parrotta hatte für einen der Hochbunker in Stuttgart ein kulturell orientiertes Nutzungskonzept vorgelegt. ­Vergeblich. Ärger kommt bei Parrotta dennoch nicht auf. „Stuttgart hat sehr viele Möglichkeiten“, ist er überzeugt – und lobt den „ungemein ernsthaften Umgang mit der Kunst“ derer, die ­kommen.

Abschied ohne Groll

„Ciao“ hieß die nun zu Ende gegangene Schau. Zu sehen waren Arbeiten zweier jüngerer Stuttgarter Akademieabsolventen: Benjamin Bronni und Lisa Mühleisen. Ein Ausrufezeichen, die hier arbeitenden Künstlerinnen und Künstler wert zu schätzen. Sandro Parrotta war anwesend bei seinem Finale – viele Hände zu schütteln hatte er jedoch nicht. Kennzeichnend für die Situation der Kunstszene in Stuttgart oder Zufall? Parrotta ist vorsichtig. „Abwesenheit würde ich noch nicht als Desinteresse werten“, sagt er.

Standort mit Chancen

Lässt sich das auch auf die ­Gesamtsituation übertragen? „Natürlich würden wir uns grundsätzlich noch mehr Besucher wünschen“, sagt Kay ­Kromeier. Der Mitarbeiter der Galerie Schlichtenmaier (Grafenau und Stuttgart) warnt aber davor, „aus jeweils ganz unterschiedlich motivierten Ortswechseln von Galerien schnelle Schlüsse zu ziehen. Kromeier ist überzeugt: „Der Kunststandort Region Stuttgart ist deutlich besser als sein Ruf“.

Mit Nachdruck will Kromeier dies nun auch „sichtbar machen“. Dafür braucht es Partnerschaften, Schulterschlüsse – gerade auch solche, die überraschen. Thomas Fuchs ist mit in der Offensive. Seine Galerie zählt zu den Aufsteigern, auch national gesehen, und Fuchs versichert: „Wir fühlen uns wohl hier“. Und betont: „Die Stuttgarter ­Sammler haben uns den Schritt in die ­Internationalität ermöglicht“.

Saisonauftakt im Herbst mit dem Art Alarm

Das soll wieder deutlicher werden – und so werben Kromeier und Fuchs bereits jetzt schon für das nächste Galerienwochenende in Stuttgart. Am Samstag, 23. September, und am (Bundestagswahl-)Sonntag, 24. September, laden 17 Galerien jeweils ganztägig zum Rundgang ein. Was wird zu sehen sein? „Das Beste, was die teilnehmenden ­Galerien zu bieten haben“, sagt Kay Kromeier – „in jedem Fall eine sehr klare ­Positionierung“.

„Wir machen in Stuttgart und aus Stuttgart heraus ein sehr gutes Angebot“, ist sich Thomas Fuchs sicher. Konkret heißt dies für die beiden Galerien: Schlichtenmaier wird am Schlossplatz neue Arbeiten des diesjährigen Hans-Thoma-Preisträgers Platino ­zeigen, Fuchs neue Bilder des durch seine See-Szenarien bekannt gewordenen Jochen Hein.

Getragen wird der Art Alarm durch die Initiative Stuttgarter Galerien zeitgenössischer Kunst. Geht es nach Fuchs und ­Kromeier, wird der Verein „ganzjährig noch aktiver“ (Kromeier).

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