Die Epplestraße ist die Einkaufsstraße von Degerloch. Manche sagen, hier wäre noch mehr los, wenn sich ein Aldi ansiedeln dürfte. Foto: Tilman Baur

Es sieht nicht gut aus für das Projekt Aldi in der Ortsmitte von Stuttgart-Degerloch. Weil es immer hieß, der Supermarkt würde auch anderen Händlern mehr Kundschaft bescheren, haben wir uns einmal an der Ladenstraße umgehört.

Degerloch - Ob es in Degerloch an der Felix-Dahn-Straße mittelfristig einen Discounter geben wird, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Derzeit bereitet die Stadtverwaltung eine Gemeinderats-Drucksache mit zwei alternativen Konzepten vor, über deren Inhalt bislang noch nichts bekannt ist. Laut Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold befindet sich das Schriftstück derzeit in der Abstimmung bei der Verwaltung. In absehbarer Zeit wird sich der Gemeinderat damit befassen.

Der Gewerbe- und Handelsverein (GHV) Degerloch und die Wirtschaftsförderung befürworten die Ansiedlung eines Discounters weiterhin. Bei den Händlern selbst gehen die Meinungen auseinander. „Ich war immer dafür“, sagt Jörg Schräpler, geschäftsführender Gesellschafter der Buchhandlung Albert Müller an der Epplestraße. Die Ansiedlung eines Discounters würde die Kundenfrequenz auch auf Degerlochs Shoppingmeile erhöhen. Das sei gut für den Einzelhandel, der in Schwierigkeiten stecke.

Verschärfung der Verkehrsprobleme?

Die bestehenden Einwände und Befürchtungen – die Grünen etwa sehen eine Verschärfung der Verkehrsprobleme – nimmt Schräpler zur Kenntnis. Doch aus Händlersicht sei die Discounter-Idee trotzdem gut – eine Idee, die aus seiner Sicht aber keine Aussicht auf Erfolg mehr hat. „Für mich ist das gelaufen“, sagt Schräpler, er glaube nicht mehr an das Projekt.

Anders sieht es Stefan Knecht, Geschäftsführer des Sportgeschäfts Sport Katzmaier nur ein paar Schritte weiter. „Das braucht kein Mensch“, so Knecht. Es gebe bereits genug Geschäfte, und einen Billiganbieter brauche man schon gar nicht. Normalen Einzelhändlern wie Blumenläden oder Metzgern bringe ein Discounter nichts – auch eine erhöhte Laufkundschaft sei nicht zu erwarten.

Waren für ein Appel und ein Ei

„Die Leute kaufen nicht doppelt oder dreifach ein“, so Knecht. Ganz im Gegenteil: Gerade als Sportgeschäft müsse man die Billigkonkurrenz fürchten. „Die bieten Sportunterwäsche für einen Appel und ein Ei an, die irgendwo billig produziert wird. Ob das Ding Aldi oder Lidl heißt, spielt da keine Rolle mehr.“

So eindeutig positioniert sich Eva Regine Beyer nicht. Die Inhaberin der Optik Lichtblick ist seit fast 30 Jahren an der Epplestraße präsent und beobachtet einen Rückgang der Kundenfrequenz, der „teilweise erschreckend“ sei. Besonders stark sei das nach dem Weggang der Lidl-Filiale spürbar gewesen. Ein Discounter könnte den Trend umkehren, glaubt Beyer. Gleichzeitig sieht sie die Verschärfung des Verkehrsproblems auf den Bezirk zukommen. „Es gibt viele Kunden, die sich jetzt schon darüber beschweren“, so die Optikerin aus Degerloch.

Sie glaubt an einen Kundenzuwachs

Als „Katastrophe“ bezeichnet Christa Müller die Verkehrssituation schon jetzt. Die Inhaberin des Schuhgeschäfts Schmidt ist nicht grundsätzlich gegen einen Discounter, doch der vorgesehene Platz sei der falsche. „Der Platz unten an der Felix-Dahn-Straße wird dringend als Parkplatz benötigt, und der angrenzende Spielplatz ist Treffpunkt für Familien mit Kindern“, so Müller.

Sigrid Böhler wiederum spricht sich für einen Discounter im Stadtbezirk Degerloch aus. Die Mitarbeiterin des Kleidergeschäfts Outfit glaubt an ein Kunden-Plus, das der Discounter den Händlern vor Ort bringen würde. Angesichts der vielen hochpreisigen Angebote täte so ein Supermarkt gut: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dort okay.“

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