Gegenüber des Hospizes Sankt Martin entstehen zwei Stadtvillen. Wenige Schritte weiter wird ebenfalls Wohnraum gebaut. Foto: Baur

An der Jahnstraße in Stuttgart-Degerloch klaffen zurzeit zwei riesige Baugruben. Die beiden Neubauprojekte versprechen künftigen Eigentümern parkähnliches Wohnen in Stadtvillen. Das hat allerdings seinen Preis.

Degerloch - Wohnungspreise in Stuttgart kennen nur eine Richtung: aufwärts. Das gilt für Eigentumswohnungen wie für Mietwohnungen, für Neubauten und für den Bestand. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Daten des Gutachterausschusses zeigen, dass sich dieser Langzeittrend im Jahr 2019 fortgesetzt hat. So kosteten die meisten Neubauwohnungen im vergangenen Jahr bereits um die 6000 Euro pro Quadratmeter. Noch vor fünf Jahren mussten Kunden oft nur zwischen 3000 und 4000 Euro bezahlen. Und während sich in Degerlochs Westen Flüwo-Langzeitmieter Sorgen machen, ob sie nach dem anstehenden Abriss ihrer Häuser anderswo bezahlbare Mietwohnungen finden, entstehen an der Jahnstraße im Osten des Bezirks luxuriöse Apartments für Spitzenverdiener.

Interesse an hochwertig ausgestatteten Wohnungen ist groß

Eines der beiden Projekte ist die sogenannte Villa Jahn des Heidenheimer Bauträgers K&K Projektbaugesellschaft. Sie entsteht direkt gegenüber dem katholischen Hospiz Sankt Martin. Eigentlich handelt es sich um zwei frei stehende Einfamilienhäuser, der „Villa Jahn 45“ und „Villa Jahn 47“. „Das architektonisch sehr ansprechende Gebäude passt harmonisch zu den klassischen Villen in direkter Nachbarschaft“, schreibt die Maklerfirma im virtuellen Verkaufsprospekt.

Hier kostet der Quadratmeter zwischen 8200 Euro und 9600 Euro, die Verkaufspreise der 14 Einheiten liegen zwischen 600 000 Euro für 71,60 Quadratmeter bis zu knapp 1,2 Millionen Euro für 172 Quadratmeter. Die je sieben Einheiten tragen klangvolle Namen internationaler Metropolen wie Tokio, Istanbul oder Sydney. Von den insgesamt 14 Einheiten seien bereits neun verkauft, sagt Projektleiter Ralf Frey.

„Man merkt, dass das Interesse in Stuttgart auch an hochwertig ausgestatteten Wohnungen groß ist“, sagt Frey. Das gelte für Investoren genauso wie für Eigentümer. K&K veranschlagt als Bauzeit 16 bis 18 Monate, im zweiten Halbjahr 2021 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Für Normalverdiener ist hier nichts zu holen

Auch wenn sich Normalverdiener mutmaßlich keine Wohnung in der Villa Jahn leisten können: Immerhin entsteht neuer Wohnraum. Vorher nämlich befand sich auf dem nun bebauten Teil des Grundstücks lediglich der Garten einer anderen, nach hinten versetzten Villa.

Überhaupt zeichnet sich die Jahnstraße, auch wenn sie notorisch verkehrsbelastet ist, durch viel Grün aus. Das hat auch der Bauträger Wohnbaustudio erkannt, der nur einige Schritte weiter Richtung Zentrum ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen errichten lässt und dafür mit dem Slogan „Wohnen wie im Park“ wirbt. „Vorher stand dort ein älteres Einfamilienhaus. Weil wir nicht das gesamte Grundstück bebauen dürfen, bleibt es groß und tatsächlich parkähnlich“, sagt Brigitte Thomys vom Wohnbaustudio. Fünf der neun Wohnungen seien verkauft, Ende Juni 2021 soll das Haus bezugsfertig sein.

Das Objekt füge sich gut in die Umgebung an der Jahnstraße ein, sei nach hinten versetzt und zurückhaltend, so Thomys. Optisch könnten die Projekte also durchaus ein Gewinn für Degerloch werden. Für Normalverdiener ist hier allerdings nichts zu holen, nicht zuletzt auch deshalb, weil das in den vergangenen Wochen viel kritisierte Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) in Degerloch nicht zum Tragen kommt. Aus einem einfachen Grund: „Es handelt sich hier nicht um eine Innenstadtlage“, erklärt Projektleiter Ralf Frey. Diese ist aber ein festes Kriterium für die Förderung von Miet- oder Eigentumswohnungen durch die Stadt.

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