Thomas und Marion Volpp argumentieren gegen den geplanten AWS-Umzug. Im Hintergrund die Feuerwache, wo die AWS hinziehen will. Foto: Tilman Baur

Trotz Kritik von mehreren Seiten arbeitet die städtische Abfallwirtschaft an ihrem Umzug von Stuttgart-Vaihingen nach Stuttgart-Degerloch. Anwohner kündigen Protest an, sie haben mehrere Befürchtungen.

Filder - Die Entscheidung über die Ansiedlung einer Außenstelle der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) am Bruno-Jacoby-Weg ist bereits im vergangenen Jahr gefallen. Vom heutigen Standort in Stuttgart-Vaihingen muss der städtische Betrieb weichen, weil sich dort die Allianz ansiedelt. Die in Degerloch beheimatete Feuerwache wiederum zieht nach Möhringen um. Spätestens 2025 soll der Umzug der AWS in die Tränke vollzogen sein.

Eine Machbarkeitsstudie habe gezeigt, dass sich der Standort grundsätzlich eignet, sagt der AWS-Geschäftsführer Thomas Heß. Derzeit erstelle man ein Raumprogramm, um alle Betriebseinrichtungen am Standort unterbringen zu können. Ein mittels Wettbewerb bestimmtes Architekturbüro werde dann Entwürfe vorlegen, die die zuständigen Gremien noch billigen müssten. „Im Anschluss daran wird die Planung bis zur Genehmigungs- und Baureife fortgeführt“, so Heß.

Die Sache wird nicht lautlos über die Bühne gehen

Lautlos wird die Sache indessen sicher nicht über die Bühne gehen. Anwohner kündigen nämlich Widerstand an. „Ich werde juristisch dagegen vorgehen, das lasse ich mir nicht bieten“, sagt Thomas Volpp, ein freier Architekt und IHK-Sachverständiger, der in unmittelbarer Nähe des Grundstücks wohnt. Das Vorhaben hält Volpp für unausgereift. Mehr noch: „Ökologischer und ökonomischer Irrsinn“ sei das Ganze. Er spricht von „vorauseilendem Gehorsam“ der Stadt gegenüber der Allianz. Die AWS komme nach Degerloch, um dem Versicherungskonzern einen Gefallen zu tun. In Degerloch trage man nun die Konsequenzen.

Volpp und seine Frau Marion haben viele Einwände gegen die Ansiedlung: Die akute Raumnot der Schulen ist einer davon. „Es wird immer schwadroniert, man brauche dringend Flächen für Wohnraum und Schulen. Das Wilhelms-Gymnasium quillt über, die Internationale Schule quillt über. Hier hat man ein Grundstück, wo man diese Nutzungen im Grunde wunderbar realisieren könnte“, so Thomas Volpp. „Das ist doch Irrsinn, wenn man in Laufweite der Schulen ein Grundstück hat, das der Stadt gehört“, ergänzt seine Frau Marion. Ohnehin eignet sich das Grundstück ihrer Meinung nach nicht für die vorgesehene Nutzung. Die Tränke sei ein ruhiges Gewerbegebiet, in dem Büros dominierten.

Es leben auch Menschen in der Tränke

Nicht zuletzt leben aber auch Menschen in der Tränke. Die Stadt stelle die Lage so dar, als gebe es dort nur schweres verarbeitendes Gewerbe, ärgert sich Thomas Volpp. Das sei falsch: „Wir haben hier lauter Wohnhäuser. Es gibt Haumeisterwohnungen, Betriebswohnungen und normale Wohnungen.“ Die Aussicht auf stinkende Müllfahrzeuge seien den Anwohnern schon jetzt ein Graus. „Man soll mir nicht erzählen, dass die Karren nach Rosen riechen“, so Thomas Volpp. Er und seine Frau befürchten außerdem eine Verschärfung des Verkehrs – und des Parkplatz-Notstands. Die Situation sei ohnehin schon katastrophal und werde sich durch die AWS-Ansiedlung weiter verschärfen. Schon jetzt müssten Tränke-Anwohner oft weit weg parken, um zu ihren Häusern zu laufen, so Thomas Volpp. Durch die AWS-Mitarbeiter – bislang ist die Rede von mehr als 150 – fürchtet er das völlige Versinken im Chaos.

Wenig Mut macht dem Degerlocher da die Beteuerung von Thomas Heß, der sagt: „Die städtischen Mitarbeiter sind grundsätzlich gehalten, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad verstärkt zu nutzen. Auch Fahrgemeinschaften werden beworben“, sagt Heß.

Wird die AWS-Dependence wachsen?

Ohnehin haben die Volpps den Verdacht, dass die AWS sich beliebig ausbreiten werde, wenn sie erst mal an Ort und Stelle sei. „Erst war von 40 Lkw die Rede gewesen, die hier ein- und ausfahren sollten, plötzlich waren es 70, dann kam ein Winterdienst ins Gespräch, eine Waschanlage, ein Salzsilo. Sie planen das Grundstück so, dass man es jederzeit für alles nutzen kann. Das kann es doch nicht sein“, kritisiert der Anwohner Volpp.

Letztlich hätte die Stadtverwaltung es sich zu leicht gemacht, und das auf Kosten der Anwohner und der Gewerbetreibenden in der Tränke. Einige hätten bereits einen Wegzug angekündigt, berichtet Marion Volpp. „Dann fallen hier Arbeitsplätze weg“, befürchtet sie.

Das Ehepaar glaubt nicht, dass es ansonsten keine anderen geeigneten Flächen gebe. Das sei eine Sache des guten Willens, sagt Thomas Volpp, und Geld habe die Stadt Stuttgart genug. Das letzte Wort ist aus Sicht der Anwohner jedenfalls längst nicht gesprochen.

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