Ist der Name Elly-Heuss-Knapp-Gemeindehaus angemessen, fragen sich einige im Stadtbezirk. Foto: Tilman Baur

Das gerade eröffnete Haus der Kirche in Stuttgart-Degerloch ist nach Elly Heuss-Knapp benannt. Das löst Verwunderung aus. Manchem fehlt der Lokalbezug. Es gab auch andere Vorschläge.

Degerloch - Wie viel hat Elly Heuss-Knapp mit Degerloch zu tun? Und wie viel Lokalkolorit ist nötig, wenn man Gebäude nach Personen benennt? Nach der Eröffnung des neuen Gemeindehauses der evangelischen Kirche stellt sich die Frage ganz aktuell. Fortan firmiert das Haus unter dem Namen „Gemeindehaus Elly-Heuss-Knapp“. So hat es der „enge Rat“ bestimmt, ein Gremium aus Mitgliedern der drei Teilgemeinden der evangelischen Gesamtkirchengemeinde.

Heuss-Knapp war die Frau des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Sie lebte von 1945 bis 1949 in Degerloch, gehörte dem Landtag von Württemberg-Baden an und setzte sich dort für die Belange von Schülern ein. Heuss-Knapp ist vielen als Lehrerin und Sozialreformerin bekannt. In Stuttgart erinnern unter anderem ein Gedenkstein im Sillenbucher Eichenhain und ein Brunnen an der Mörikestraße an sie.

Der Bezug zum Bezirk ist eher dünn

Der Bezug zum Bezirk ist freilich eher dünn. Macht nichts, findet die Dekanin Kerstin Vogel-Hinrichs. Denn im Mittelpunkt stehe der Einsatz Elly Heuss-Knapps für soziale Gerechtigkeit und eine humane Gesellschaft. Denn das sei eine Seite an ihr, die man oft übersehe. Der Namensvorschlag sei deshalb auch sehr gut angekommen im Gremium. Insgesamt hätten 40 Vorschläge kursiert, sagt Vogel-Hinrichs, darunter auch Dietrich Bonhoeffer und Johannes Brenz. Nicht allen gefällt die Namenswahl zu hundert Prozent. Die Bezirksvorsteherin zum Beispiel war verwundert, als sie von den Plänen gehört hat. Ein Votum war Brigitte Kunath-Scheffold in der Sache nicht zugedacht. Sie respektiert die Entscheidung der Gemeinde. Trotzdem: Glücklich ist sie nicht über die Namensfindung. Denn es hätte Alternativen gegeben.

Wäre Hannelore Sommer besser gewesen?

„Ich hätte den Namen Hannelore Sommer ins Spiel gebracht“, sagt Kunath-Scheffold. Sommer ist vor knapp zwei Jahren verstorben. Ein kurzer Blick auf ihre Biografie reicht, um zu sehen, wie verbunden sie dem Bezirk war. Seit 1966 war sie Mitglied im Degerlocher Frauenkreis und fungierte von 1974 bis 1992 als dessen Vorsitzende. Unter ihrer Leitung gründete der Verein die Nachbarschaftshilfe. Sommer wirkte außerdem im Kirchenrat und lange Jahre im Bezirksbeirat. „Frau Sommers soziales Wirken bleibt Vorbild für uns alle und hat weit über den Stadtbezirk hinaus gewirkt“, hatte Oberbürgermeister Fritz Kuhn anlässlich ihres Todes gesagt.

Für Kunath-Scheffold hätte sich mit dieser Namensgebung ein Kreis geschlossen: mit dem Degerlocher Frauenkreis und dem nach ihrer Gründerin Agnes Kneher benannten Platz in unmittelbarer Nähe hätte ein Hannelore-Sommer-Gemeindehaus eine direkte Verbindung der zwei wirkmächtigen Degerlocher Frauen geschaffen. Im Prozess der Namensfindung des Gemeindehauses habe der Name Hannelore Sommer aber keine Rolle gespielt, sagt Dekanin Kerstin Vogel-Hinrichs. So steht eine Würdigung von Hannelore Sommer weiter aus.

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