Stuttgart-Degerloch Mutter bloggt über Freie Aktive Schule

Von Julia Bosch 

Weil die Tochter von Daniela E. sich in einer klassischen Kita nicht wohl fühlte, stieß die Familie auf den Freien Aktiven Kindergarten und Schule in Stuttgart-Degerloch. Nun schreibt die Mutter in einem Blog über alles, was Eltern an dem Konzept interessiert – zum Beispiel: Was, wenn mein Kind nur spielen und nie lernen will?

Daniela E. hat zwei Töchter. Die ältere besucht den Freien Aktiven Kindergarten in Degerloch.Foto: z/privat

Degerloch - In ihrem früheren Kindergarten hat sich die kleine Tochter von Daniela E. jeden Morgen die Nase am Fenster platt gedrückt. Das Mädchen wollte im Garten spielen, aber in dem Kindergarten gab es viele Regeln – unter anderem, dass die Kinder immer erst um 11 Uhr nach draußen dürfen. Irgendwann wurde es Daniela E. zu viel: „Meine Tochter kam dort einfach nicht zurecht, also habe ich angefangen zu recherchieren, was es sonst noch für Betreuungsformen in Degerloch gibt – und bin auf den Freien Aktiven Kindergarten gestoßen.“ Seit gut zwei Jahren ist ihre Tochter dort nun angemeldet, fühlt sich wohl – und Daniela E. ist zunehmend zur Expertin für das reformpädagogische Konzept geworden, das in dem Kindergarten und der Freien Aktiven Schule (FAS) gelebt wird. Seit Frühjahr verbreitet sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen ehrenamtlich im Internet auf dem Freien Aktiven Bildungs-Blog Stuttgart.

Bei der reformpädagogischen Schule und dem Kindergarten an der Hohen Eiche stehen selbstbestimmtes Lernen und Aufwachsen im Mittelpunkt. Es gibt keine Klassen und Noten, aber Lernangebote. Jedes Kind bestimmt selbst, wann es was lernen möchte. Die Lehrer und Erzieher werden als Begleiter bezeichnet, da sie die Kinder in ihrer individuellen Entwicklung begleiten sollen.

„Ich dachte mir, dass das alles Verrückte sind“

Als Daniela E. sich zum ersten Mal mit der FAS und dem dazugehörigen Kindergarten auseinandersetzte, hatte sie gewisse Vorurteile: „Ich dachte mir, dass das sicherlich alles Verrückte sind.“ Mittlerweile hat sich ihre Meinung gehörig gewandelt. Mit dem Blog möchte sie den Menschen zeigen, wie es wirklich ist: „Alle Kindergärten werben mit Schlagworten wie ‚kindgerecht’. Hier aber richtet man sich wirklich nach den Kindern und geht auf die Wünsche und Bedürfnisse ein.“

Vor einem knappen Jahr hatte der Vereinsvorstand der FAS dazu aufgerufen, dass sich Eltern einbringen sollen, um die Schule und den Kindergarten bekannter zu machen. „Da ich selbst aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und dem Marketing komme, habe ich mich angesprochen gefühlt“, sagt Daniela E.. Etwa ein Dreivierteljahr lang hat die 39-Jährige immer wieder Gespräche mit dem Vereinsvorstand geführt und verschiedene Konzepte entwickelt. Schließlich stand die Idee für den Blog. Mithilfe von Webexperten hat sie die Seite aufgesetzt, weitere Eltern als Schreiber akquiriert und selbst die ersten Beiträge verfasst.

Fragen von Eltern sollen beantwortet werden

Bisher geht es in den Beiträgen beispielsweise um den aktuellen Stand zu den Umzugsplänen der FAS, verschiedene Projekte im Kindergarten oder Fragen wie: Und was, wenn mein Kind nur spielen will? Für die Zukunft plant Daniela E. etwas zur Geschichte der Schule und über unterschiedliche alternative Konzepte zu schreiben sowie weitere typische Fragen von Eltern zu beantworten, wie: „Warum gibt es keine Noten? „Generell will ich einfach die Berührungsängste der Menschen nehmen, die viele gegenüber unserer Schule und dem Kindergarten haben.“

Für die Zukunft hofft die 39-Jährige, dass sich noch ein paar Schreiber finden, die regelmäßig Beiträge für den Blog verfassen. Derzeit stammen fast alle Beiträge von ihr. „Ich investiere zur Zeit pro Woche drei bis vier Stunden, um im Wochenturnus einen Beitrag auf dem Blog zu veröffentlichen.“ Die Rückmeldungen waren bisher alle positiv: „Die Eltern sind froh, dass wir so etwas jetzt auch haben. Und auch wenn es viel Arbeit ist: Es macht auch Spaß.“