Zankapfel Alte Scheuer: Nun tut sich etwas zwischen den verhärteten Fronten. Foto: Baur

Der Streit zwischen dem Förderverein Degerloch und örtlichen Vereinen wurde lange Zeit erbittert ausgetragen. Eine Lösung schien lange Zeit nicht in Sicht. Offenbar hat sich dies nun geändert...

Degerloch - Bei den seit Jahren schwelenden Unstimmigkeiten zwischen dem Förderverein Degerloch und den örtlichen Vereinen geht es ums Geld. Genauer gesagt, um die Mietpreise für die vom Förderverein verwaltete Alte Scheuer, einem beliebten Veranstaltungsort am Agnes-Kneher-Platz. Vor zwei Jahren hatte der Verein die Mietpreise erhöht.

Degerlocher Vereine, die vorher von vergünstigten Preisen profitiert hatten, mussten dadurch plötzlich genauso viel zahlen wie Privatleute: Werktags galten nun statt vorher 255,85 Euro plötzlich 434,35 Euro. Die Wochenendpauschale stieg sogar von knapp 375 auf fast 613 Euro – zuzüglich Endreinigungskosten. Vor allem kleinere Vereine mit wenigen Mitgliedern können diese Preise nicht stemmen.

Seit der Neuaufstellung des Fördervereins im April hat sein neuer Vorsitzender, der CDU-Bezirksbeirat Götz Bräuer, mit vielen der Beteiligten gesprochen. Einige sind noch immer verärgert – nicht nur wegen der Mietpreise. „Dass man zum Beispiel im Sommer und im Winter die gleiche Energiepauschale bezahlen muss, ist einigen übel aufgestoßen, das verstehe ich“, sagt Bräuer.

Werktags soll die Scheuer günstiger werden

Das Dilemma: Laut einem Rechtsgutachten dürfen Vereine Privatleuten gegenüber nicht bevorzugt werden. Einfach die Miete für Vereine zu senken, sei also keine Option, sagt Bräuer. Sein Ansatz: Die Scheuer wird werktags für alle günstiger. So könnten Vereine Mitgliederversammlungen unter der Woche abhalten, ohne dabei ihre Kassen plündern zu müssen.

Der neue Vorstand plant weitere Änderungen: So sollen Interessenten die Stockwerke künftig separat mieten können. Außerdem soll es möglich sein, die Scheuer auch am Wochenende tageweise zu mieten. Bislang galt eine Pauschalmiete für das ganze Wochenende. Ein weiterer Vorschlag des neuen Vorsitzenden: Kooperationen. „Das bietet sich vor allem bei Veranstaltungen an, die einen Bezug zu Degerloch haben“, sagt Bräuer.

So sei zum Beispiel denkbar, dass sich der Förderverein an einer Veranstaltung der Geschichtswerkstatt über Degerloch beteiligt und ihr dabei die Alte Scheuer zur Verfügung stellt. Zwar ist noch nichts in trockenen Tüchern, und schriftliche Angebote stehen noch aus. Bei den Vereinen findet Götz Bräuers Engagement aber schon jetzt Anklang.

Die Vereine zeigen sich gesprächsbereit

Jürgen Schmid, stellvertretender Vorsitzender der Naturfreunde Degerloch, ist nach einem Gespräch mit dem neuen Vorsitzenden guter Dinge. „So wie Herr Bräuer mir das erzählt hat, zahlen die Vereine künftig 70 Euro fürs untere Stockwerk und um die 100 Euro für den großen Saal“, sagt Schmid. Das mache einen riesigen Unterschied. Doch die Vereine müssten sich zunächst untereinander verständigen.

Auch Wilfried Raff findet die neue Stoßrichtung gut. „Wenn die Preise stimmen, kommen wir zusammen“, sagt der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Als kleiner Verein mit 60 Mitgliedern könne man keine großen Beträge berappen. Bei seiner ursprünglichen Forderung bleibt er aber fürs Erste: Die Vereine, findet Raff, sollten die Alte Scheuer zumindest einmal im Jahr kostenlos nutzen dürfen. Helmut Doka von der Geschichtswerkstatt hat ebenfalls vernommen, dass sich etwas tut. „Ich habe mit Herrn Bräuer telefoniert, wir wollen uns zusammensetzen.“

Lob äußert auch Wilfried Seuberth. Der SPD-Bezirksbeirat, der selbst ein Papier zur Verbesserung der Situation erarbeitet hat, sieht den neuen Vorstand auf dem richtigen Weg. Wenn neue Preise kämen, sei die wichtigste Kuh vom Eis. „Vor allem ist wichtig, dass man wieder miteinander statt übereinander spricht“, sagt Seuberth.

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