Stuttgart-Degerloch Griebenschmalz-Catchen in knappen Outfits

Von Sascha Maier 

Dieses Duell hat es so wohl noch nicht so oft gegeben. In Stuttgart-Degerloch haben sich zwei Frauen beim Griebenschmalz-Catchen versucht.

Stuttgart - Mit Lebensmitteln spielt man nicht – von wegen! Für Griebenschmalz-Undertakerin Sina und und Griebenschmalz-Hit-Woman Mori diente der Brotaufstrich am Freitagabend nicht als Nahrungsmittel, sondern zur Bespaßung der Gäste in der Pilsstube Ritter, in der sich die professionellen Gogo-Tänzerinnen gegenseitig eingerieben haben. Die Veranstaltung mitten im Degerlocher Ortskern sorgte zwar im Vorfeld für Diskussionen. Doch die Veranstalter ruderten mit ihrem provokanten Bühnenprogramm ein wenig zurück.

So gab es bei der Darbietung, anders als angekündigt, keine Griebenschmalz-Bollen, die dem Publikum als Wurfgeschosse hätten dienen sollen. Und auch die Übertragung des Geschehens drinnen mit Flachbildschirmen in den öffentlichen Raum wurde entschärft, indem die Show lediglich in einem Zelt vor der Pilsstube Ritter übertragen wurde. Wobei sich das Laufpublikum aufgrund des Regenwetters ohnehin in Grenzen gehalten hätte.

Bürger hatten im Vorfeld Anzeige erstattet

Dennoch bot die Veranstaltung genug Zündstoff, dass Bürger im Vorfeld Anzeige erstattet hatten. Nach einer Rechtsprüfung der Stadt erwies sich diese allerdings als gegenstandslos. Auch einer Prüfung der Gaststättenbehörde, die stadtintern angeregt wurde, hielt das Griebenschmalz-Catchen stand.

Öffentlich zu der Veranstaltung äußern wollte sich dagegen städtischerseits niemand. So gab die Frauenbeauftragte der Stadt Stuttgart auf eine Anfrage unserer Zeitung keinen Kommentar dazu ab, ob die Veranstaltung womöglich als sexistisch einzuordnen sei.

Wirt Rüdiger Späth und Veranstalter Florian Gauder konnten nicht verstehen, dass das Griebenschmalz-Catchen von manchen offenbar kritisch beäugt wurde. „Natürlich ist das irgendwie ein Schnapsidee. Aber wir bewegen uns absolut im rechtlichen Rahmen“, sagt Gauder. Und auch beim Thema Lebensmittelverschwendung haben die Initiatoren eine Antwort parat: „Der Schmalz, der fürs Catchen verwendet wurde, ist ein Abfallprodukt unseres Hausmetzgers von der schwäbischen Alb, das ohnehin weggeworfen wurde“, sagt Rüdiger Späth.

Griebenschmalz soll vermarktet werden

Auch die Gäste sahen die Darbietung als unproblematisch an. „Wenn es wirklich Griebenschmalz-Bollen als Wurfgeschosse gegeben hätte, wäre das zu viel gewesen. Aber so ist das doch lustig“, sagt Philipp Reuter, ein 32 Jahre alter Augenoptiker aus Degerloch. Andere sahen es ähnlich – eben als als Jux-Aktion – und steuerten sogar noch etwas zur skurrilen Atmosphäre bei. Thomas Kielhorn besuchte das Catchen als Donald Trump verkleidet – inklusive orange angemaltem Gesicht.

Und auch bei Passanten waren die kritischsten Stimmen, die zu vernehmen waren, dass die Veranstaltung einen merkwürdigen Geschmack bediene. Womöglich hatte Florian Gauder Recht, als er behauptete: „Degerloch ist bereit für sowas.“

In kommerzieller Hinsicht dagegen blieb das Griebenschmalz-Catchen etwas hinter den Erwartungen der Pilsstube Ritter zurück. Mit etwa 60 Gästen war die Kneipe selbst zwar voll, das Zelt davor blieb weitestgehend leer. Dennoch glaubt Wirt Rüdiger Späth, dass der Werbeeffekt gelungen war. Er möchte seinen Griebenschmalz auch als Mitnehmprodukt in kleinen Einmachgläsern vermarkten. Natürlich mit frischem Schmalz.

Redaktion Degerloch

Ansprechpartner
Ralf Recklies
degerloch@stz.zgs.de

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