Keine Schönheitsreparatur, sondern zum Erhalt der Bausubstanz nötig: das sagt der Parkhausbetreiber zu den Sanierungsarbeiten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Parkhaus Albstraße in Stuttgart-Degerloch muss saniert werden. Deshalb fallen Stellflächen weg. Der Betreiber hat darauf mit einem Verkaufsstopp für Monats- und Jahresparkkarten reagiert. Und auch Gelegenheitsparker finden mitunter keinen Platz mehr.

Degerloch - Peter Schmidt (Name geändert) macht das, was die Politik fordert: Wenn er nach Stuttgart will, lässt er das Auto im P+R-Parkhaus Albstraße in Degerloch stehen und fährt mit der Stadtbahn in die City. Doch im Moment bleibt er notgedrungen öfter im Auto sitzen. Der Grund: Das Platzangebot in dem Parkhaus an der B 27 ist wegen Sanierungsarbeiten reduziert, manchmal findet er dort keinen Parkplatz mehr. Laut Hinweisschild war die Parkanlage beispielsweise am vergangenen Mittwoch um die Mittagszeit voll belegt. Unmut löst auch aus, dass der Parkhausbetreiber, die Stuttgarter Heimschutz, den Verkauf der Monats- und Jahreskarten gestoppt hat. „Wir haben vereinzelt Beschwerden, vor allem weil wir den Verkaufsstopp nicht angekündigt haben“, sagt Daniel Merglen vom Stuttgarter Heimschutz und räumt einen Fehler ein: „Wir hätten über die Baumaßnahme vorab besser informieren sollen.“

Er betont aber auch, dass die Auslastung momentan noch rund 50 Prozent unter den normalen Werten liege und somit die reduzierten Stellplätze eigentlich ausreichen müssten. Beim Heimschutz sei keine einzige Beschwerde eingegangen von Nutzern, die keinen Parkplatz gefunden hätten. Auch bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) hätten sich keine unzufriedenen Monats- und Jahreskartenbesitzer gemeldet, sagt eine Sprecherin des städtischen Verkehrsbetriebs.

So werde der Parkdruck momentan vermieden

Die Lage ist ziemlich verzwickt. Denn wer im Verbund mit einer VVS-Zeitkarte eine Monats- oder Jahreskarte fürs Parken dazu kauft, hat eine Garantie, dass er bis 9 Uhr auf jeden Fall einen freien Platz findet. „Bisher gab es keine Reklamation, dass jemand bis 9 Uhr keinen Platz gefunden hätte“, sagt Merglen. Durch den Stopp des Verkaufs neuer Monats- und Jahreskarten reichten die Plätze aus. „Durch den Wegfall der Monatskarten wird der zu erwartende steigende Parkdruck momentan vermieden“, sagt Merglen. Man habe sich für den Verkaufsstopp entschieden, da sonst während der Baumaßnahme die Parkplatzgarantie nicht habe eingehalten werden können. Das habe bei einigen Kunden zu Unzufriedenheit geführt, da sie sich nun eine andere Parkmöglichkeit suchen müssten. Den Ärger könne man nachvollziehen, sagt Merglen: „Aber auch für uns ist die Situation nicht einfach, da wir die Sorge haben, diese Kunden für immer zu verlieren.“ Dass man den Stopp nicht vorab angekündigt habe, liege auch daran, dass man vermeiden wollte, dass sich Kunden Monatskarten auf Vorrat kauften. „Wenn dann weniger Platz zur Verfügung steht, hätten wir eine große Beschwerdewelle bekommen“, so Merglen.

Die Sanierung sei „unbedingt notwendig“

Allerdings sei es ein Fehler gewesen, dass man über die Sanierung nicht besser informiert habe. Am 3. Juni gab es eine Mitteilung der SSB-Pressestelle, aber ohne Hinweis auf den Verkaufsstopp. Zwar sei die Baumaßnahme schon lange geplant gewesen, dann aber „relativ kurzfristig“ vorgezogen worden, so Merglen. Man habe die Phase der coronabedingt geringeren Auslastung nutzen wollen. Momentan werde das untere Parkdeck in mehreren Abschnitten saniert. Dies sei „unbedingt notwendig“, da die Bausubstanz vor Korrosion geschützt werden müsse. Der erste Bauabschnitt, während dem die meisten Stellplätze wegfallen, ende wohl im Dezember. Die gesamte Baumaßnahme dauere aber bis Mitte 2021. Der Verkaufsstopp für Jahres- und Monatsparkkarten werde auf jeden Fall bis Ende 2020 gelten.

Peter Schmid muss also weiter hoffen, dass es freie Plätze gibt. Auf dem Schild an der B 27 wird zwar angezeigt, wann das Parkhaus belegt ist. Doch das sei bei Sonne schlecht zu lesen, räumt Merglen ein, der weiß, „dass es bei belegtem Parkhaus aufgrund der Zufahrtssituation und Fahrbahntrennung nicht einfach ist, wieder zu wenden“. Eine Bevorzugung von P+R-Kunden sei aber nicht möglich, da es nur eine Zufahrt zu dem Parkhaus gebe.

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