Die Freie Aktive Schule sei etabliert an der Hohen Eiche, sagen einige. Foto: Tilman Baur

Weitere fünf Jahre darf die Freie Aktive Schule an ihrem jetzigen Standort in Stuttgart-Degerloch bleiben. Was danach kommt? Fragezeichen. Einen Umzug nach Heumaden wollen Anwohner verhindern, noch bevor der Beschluss gefallen ist.

Degerloch - Das Schicksal der Freien Aktiven Schule (FAS) erhitzt die Gemüter in Degerloch weiterhin, und einstweilen ist kein Ende in Sicht. Nach einem Besuch von Vertretern der Stadt im Bezirksbeirat bleibt die Zukunft der FAS so unsicher wie eh und je, die Meinungen der Beteiligten gehen weit auseinander.

Fakt ist, dass die Schule zumindest weitere fünf Jahre an ihrem Standort an der Hohen Eiche bleiben darf. Geht es nach Sport- und Stadtplanungsamt, ist danach aber Schluss. Dann sollen die Sportvereine zum Zug kommen, deren Mitgliederzahl steigt und die sich vergrößern wollen.

Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt wies darauf hin, dass für das gesamte Gebiet noch immer ein Bebauungsplan von 1984 gelte. Der sieht ein großes Sportgebiet mit Parkplätzen vor, die dort fehlen. Auf der Teilfläche, die ursprünglich dafür vorgesehen war, errichtete die Stadt Anfang der 1990er Jahre eine Asylunterkunft, 2009 zog die Freie Aktive Schule ein. Fruchts Botschaft war unmissverständlich: „Die Schulnutzung widerspricht der Festsetzung im Bebauungsplan“, sagte sie.

Die Sportvereine sollen mitreden dürfen

Welche Gestalt das Gebiet Hohe Eiche künftig annimmt, soll eine Planungswerkstatt klären, die diesen Herbst ihre Arbeit aufnimmt. Alle „maßgeblichen Akteure“ sollen ihre Sicht einbringen dürfen, sagte Martin Hampp vom Sportamt. Das sind für ihn allen voran die Sportvereine. Deren Wunschliste ist lang: So wolle der HTC Stuttgarter Kickers eine neue Winterspielmöglichkeit, die Hockeyhalle sanieren und Zuschauerkapazitäten erweitern. Der SV Hoffeld will sein Tennenspielfeld zum Kunstrasen umbauen, und die expandierende Bogenschützenabteilung benötigt mehr Platz. Der Rugby Club wiederum hat keine eigenen Duschen und Umkleiden. „Generell zieht jede Veränderung einen Stellplatzbedarf nach sich“, erklärte Hampp. In der Planungswerkstatt will man im Detail austüfteln, welche Bedarfe bestehen und ob Synergien möglich sind.

Und die Freie Aktive Schule? Zumindest an der Hohen Eiche scheinen ihre Tage ab 2023 gezählt. Doch am geplanten neuen Standort in Heumaden regt sich Widerstand. Die Sprecherin der Anwohnerinitiative Bernsteinstraße bot am Dienstag im Bezirksbeirat ihre Mitarbeit an der Planungswerkstatt an, machte gleichwohl klar, dass sie die Umsiedlung der Schule nicht wolle. Heumaden würde dadurch eine Begegnungsstätte verlieren, eine der letzten Grünflächen, die vor allem sozial schwächere Familien das Jahr über nutzten. Die Stadtplanerin Frucht bekräftigte derweil den Willen der Stadt, die FAS in Heumaden anzusiedeln. Den Standort stellte sie auf der Filderebene als alternativlos dar, die Suche habe sich nicht zuletzt aufgrund des großen Wohnraumdrucks als schwierig erwiesen. Nächste Woche berät der Ausschuss für Umwelt und Technik darüber.

Anwohner wirbeln gegen einen Umzug nach Stuttgart-Heumaden

Doch nicht nur die Anwohner aus Heumaden sind gegen den Umzug. Einigen Bezirksbeiräten stieß auf, dass Parkplätze statt der FAS geplant sind. „Wenn Parkplätze der Grund sind, die Schule zu verscheuchen, entbehrt das nicht einer gewissen Komik“, sagte Thilo Roßberg (FDP). Der jetzige Standort der Schule habe sich etabliert. Ulrich-Michael Weiß (SPD) sieht eine „unglückliche Situation“ angesichts des Widerstands. Weiß sprach sich dafür aus, über eine Kooperationslösung von Sportvereinen und Schule nachzudenken. Michael Huppenbauer (Grüne) forderte, die Schule in die Planungswerkstatt einzubeziehen – zumindest dann, wenn aus Heumaden doch nichts werde. Bei der CDU stießen die Pläne der Stadt auf Wohlwollen. „Ich sehe die Sportentwicklung im Vordergrund“, sagte Sprecher Götz Bräuer. „Die ganzen Jahre hat man immer über die Schule gesprochen, selten über die Sportvereine.“

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