Marco-Oliver Luz ist der neue Bezirksvorsteher von Stuttgart-Degerloch. Foto: Tilman Baur

Eigentlich ist Stuttgart-Degerloch undenkbar ohne Brigitte Kunath-Scheffold. Doch die Bezirksvorsteherin hört auf. Nun wurde ihr Nachfolger gewählt. Und das mit sehr deutlicher Mehrheit. Wer ist der Neue?

Degerloch - Das Ergebnis ist ein Paukenschlag: 30 von 58 Stimmen hätten Marco-Oliver Luz am Donnerstag gereicht, um im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit zum neuen Bezirksvorsteher Degerlochs gekürt zu werden. Am Ende votierten 40 Stadträte für den parteilosen 43-jährigen Verwaltungswirt und ließen damit keinen Zweifel daran, dass sie ihn für den geeigneten Nachfolger von Brigitte Kunath-Scheffold halten. Die hört nach 20 Jahren Ende des Jahres auf.

Auf seine Konkurrentin Stephanie Reinhold entfielen 18 Stimmen. Der Gemeinderat schloss sich damit der Einschätzung des Bezirksbeirats an, der bereits Ende Oktober in nicht-öffentlicher Sitzung klar für Luz votiert hatte. Nur die Grünen hatten für ihre Parteikollegin Reinhold gestimmt. Luz überzeugte die Stadträte mit einer authentischen, in sich stimmigen Rede, in der er versicherte, die Aufgaben in Degerloch mit „voller Anstrengung und viel Empathie“ angehen zu wollen. Diese Einstellung unterstrich er mit der Ankündigung, sich auf gesellschaftlichen Veranstaltungen sehen lassen zu wollen – auch an den Wochenenden. „Ich sehe mich als Interessenvertreter des gesamten Gemeinwesens in Degerloch, für Bürger, für den Handel, für Ehrenamtlichem, für Sport und Kultur“, sagte Marco-Oliver Luz, der einen starken Akzent auf das politische Engagement von Jugendlichen setzen will und bedauert, dass es in Degerloch künftig wohl keinen Jugendrat geben wird.

Die Attraktivität von Stuttgart-Degerloch erhalten

Dabei will er bestehende Vereinsstrukturen nutzen, aber auch andere Formen der Partizipation schaffen. Als weiteres wichtiges Thema nannte Luz die Akquise neuen Wohnraums. Die Bevölkerung Degerlochs stagniere, Wohnraum zu schaffen, sei wichtig, um die Attraktivität des „Kleinods“ Degerloch zu erhalten. Auch der ab Dezember in Degerloch angesiedelte Dienst „Leben im Alter“ liegt Marco-Oliver Luz am Herzen.

Dass er fähig ist, Dinge mit voller Energie anzupacken, hat Luz in der Vergangenheit bewiesen. Seit dem Jahr 2002 ist er bei der Stadt beschäftigt, hat in der Finanzverwaltung, im Schulverwaltungsamt und zuletzt im Sozialamt gearbeitet und früh Führungserfahrung gesammelt. Dort hat er die Abteilung „Flüchtlinge“ mit seinen 35 Mitarbeitern aufgebaut.

Viele saßen am Donnerstag auf der Empore

Der gebürtige Schorndorfer nannte eine Vielzahl von Themen, die Degerloch schon lang bewegen und zeigte, dass er den Bezirk kennt. Wie er diese Themen künftig anpacken wird und mit welcher Gewichtung, darauf dürften die Degerlocher gespannt sein. Viele waren am Donnerstag auf die Empore im Großen Sitzungssaal gekommen, um den zehnminütigen Bewerbungsreden der beiden Kandidaten zuzuhören.

Im Gegensatz zu Marco-Oliver Luz, der ernsthaft und engagiert auftrat, präsentierte sich Stephanie Reinhold locker und humorvoll, wirkte aber auch etwas fahriger. Selbstbewusst verwies die stellvertretende Bezirksvorsteherin aus Plieningen-Birkach auf ihre Erfahrung in der Verwaltung. Die Grüne stellte klar, auf Bezirksebene keine Parteipolitik betreiben zu wollen. Auch an Reinholds Willen und Elan konnten kaum Zweifel aufkommen, und in ihren Ausführungen stellte sie ihre gute Kenntnis des Bezirks unter Beweis.

Über die Gründe für den deutlichen Wahlausgang kann nur spekuliert werden. Die Mehrheiten in Bezirksbeirat und Gemeinderat sind jedenfalls beste Voraussetzungen für den Start.

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