Gut beschirmt: Passanten auf dem Schlossplatz während der langen Einkaufsnacht am Samstagabend. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Das schlechte Wetter am Samstagabend beeinträchtigt die lange Einkaufsnacht: Die Passanten zieht es in die großen Einkaufszentren.

Stuttgart - Vor zehn Jahren hat der bis Mitternacht dauernde Einkaufsevent der City-Initiative erstmals unter dem Motto „Stuttgart City leuchtet“ stattgefunden. Zum runden Geburtstag war nun die spannende Frage, ob die „Marke“ sich schon so im Hinterkopf der Konsumenten festgesetzt hat, dass sie die City in Sachen Frequenz auch dann noch leuchten lässt, wenn es einen verregneten Herbsttag gibt. Erst recht im Vergleich zu den mehr als 200 000 Besuchern am frühlingshaften Herbsttag des Vorjahres.

Hübsches Bild auf dem Schlossplatz

Zunächst sieht alles aus wie immer. Jedenfalls vom Bahnhof her, wenn sich in der Königstraße die eigens installierten Leuchtelemente ballen. Da herrscht reger Betrieb, und in der ersten Stunde des Abendverkaufs sind noch erstaunlich viele Kinder unterwegs. Sie tragen Laternen vom Martinsumzug, dessen tausendfaches Vorjahresleuchten diesmal deutlich geschrumpft ist. Ein hübsches Bild gibt vor allem der Schlossplatz ab, wo sich die Anstrengungen der City-Initiative ballen. Nicht einmal die ausgreifende Freiluft-Bestuhlung wirkt hier zu optimistisch, auch Imbiss-Stände und Cocktail-Stationen sind dicht belagert. Karussell, Mandelbrennerei und sonstiges Naschwerk sorgen für einen Hauch von Jahrmarkt, die kupferrot glühenden Kastanien für wärmende Atmosphäre. Und die Lasershow an der Jubiläumssäule würde wohl gerne die vier Damen auf dem Säulensockel zum Tanzen bringen. Überstrahlt wird schließlich alles vom prächtigen Feuerwerk, das vom Dach der Königsbau-Passagen in den Nachthimmel geschossen lassen wird.

Dicht umlagert ist das Feuer- und Wasserspektakel, das auf dem Marktplatz im Halbstundentakt stattfindet. Doch schon ein wenig abseits, in der Hirschstraße, sparen sich nicht wenige Einzelhändler nicht nur ein Extraleuchten, sondern sogar die gewöhnliche Schaufensterbeleuchtung. Und die einsame Lichtergirlande vor dem Club Schocken ist ein Dauerbrenner: „Bei uns leuchtet die City immer“, sagt Petra Gieb am einstigen Kaufhausstandort: Das glatte Gegenbild zur matten Erscheinung der „Nebenlagen“, weshalb ein 52-Jähriger aus Ludwigsburg findet: „Das Geleuchte ist nicht der Burner. Aber wir kommen zum Shoppen, das passt schon.“ Das finden auch Johanna und Oliver aus Cannstatt. Und für Nicole und Thomas ist der Shopping-Event „ein Volltreffer“: „So etwas haben wir nicht in Zürich.“

Gemischte Bilanz der City-Managerin

Die Hotspots also in der Königstraße, mit gut abgehenden Nachwuchsbands am Übergang zur Marienstraße, auf der ordentlich Betrieb herrscht. Zeit also für einen Schwenk in die Theodor-Heuss-Straße, wo Piano Fischer auf allen Etagen feiert: „Je später es wird, umso mehr Gäste haben wir“, sagt Marc Stocker gegen 23 Uhr: „Wir bringen die City mit Musik zum Leuchten!“ Davon hat sogar Mischa was, der 60-jährige Flaschensammler: „Heute mache ich bestimmt zehn Euro!“ Rita und Caroline haben volle Einkaufstüten und rufen ein Taxi: „Wir haben schön geshoppt. Die City leuchtet!“

Gemischt ist die Bilanz am Morgen danach: „Wir haben mit 170 000 Menschen deutlich weniger Besucher als im Vorjahr und rund 15 Prozent weniger Umsatz“, resümiert City-Managerin Bettina Fuchs. Sie sieht zwei Ursachen: „Das Wetter und die parallele Shopping-Night im Breunigerland Sindelfingen. Eine sehr unglückliche Konstellation.“ Fuchs kennt aber auch „zwei Gewinner“: „Das Milaneo und das Gerber. Das war Wetter für die Shopping-Malls. Beim nächsten Act im Frühjahr leuchtet dann wieder die ganze City!“

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