Die Teilnehmer haben Glück und bekommen viele Kröten zu sehen. Foto: Thomas Krämer

Mitten in tiefster Nacht, mit Stirn- oder Taschenlampe bewaffnet, folgten gut 50 Neugierige dem Nabu-Führer Michael Scheiber auf einer Tour rund um das Bärenschlössle. Belohnt wurden sie mit zahlreichen Kröten, Fröschen und Molchen – eine Teilnehmerin wagte sogar ein ganz besonderes Experiment.

Büsnau/S-West - Er sitzt mitten auf dem Weg. Bewegt sich keinen Zentimeter nach vorne, keinen zurück. Kann er auch nicht. Denn der Teichfrosch ist der Star des Augenblicks, auf den rund 50 neugierige Augenpaare gerichtet sind – und der daher von ebenso viel Beinpaaren umzingelt ist.

„Mit solch großem Interesse haben wird nicht gerechnet“, sagt Michael Scheiber vom Naturschutzbund Nabu. Dessen Stuttgarter Ortsgruppe hatte am Samstagabend zum ersten Mal zu einer Nachtwanderung zu Kröte, Molch & Co. rund um das Bärenschlössle eingeladen. „Die Chancen sind recht hoch, dass wir die Tiere sehen“, hatte der Amphibienexperte zu Beginn gesagt.

Doch dass bereits kurz nach dem Start dieser knallgrüne Frosch auf dem Weg sitzt, begeistert nicht nur die vielen Kinder, die mit auf die nächtliche Wanderung durften. „Dieser Teichfrosch gehört zu denen, die man immer im und am Wasser findet“, sagt Scheiber. Diese Art gehe nicht so früh auf Wanderschaft zu ihren Laichgewässern wie die Grasfrösche. „Und dies sind auch die Frösche, die man abends hier immer quaken hört“, ergänzt Scheiber.

Der Verlust an Feuchtgebieten ist bedrohlich

Schon bald sitzt eine Erdkröte auf dem Weg und gerät in den Fokus der Naturfreunde. „Das ist die häufigste Krötenart bei uns“, erzählt der Amphibienexperte, der ehrenamtlich für den Nabu aktiv ist. Kurios: Das deutlich größere Weibchen trägt das Männchen auf dem Rücken zum Laichgewässer des Pärchens. Im Gegensatz zu den Fröschen seien Erdkröten sehr langsam unterwegs. „Das ist für die Tiere natürlich sehr gefährlich“, sagt Scheiber – gerade, wenn sie viel befahrene Straßen queren müssten. Das Gebiet rund um den Bärensee gehört zu den wichtigsten Lebensräumen dieser Amphibien in Stuttgart, weshalb auf Initiative des Nabu vom städtischen Amt für Umweltschutz zwei Amphibientunnel unter der Mahdentalstraße und der Magstadter Straße gebaut wurden. Bedrohlich für die gefährdeten Amphibien sei auch der Verlust an Lebensraum, vor allem von Feuchtgebieten. „Deshalb ist es wichtig, diese zu erhalten“, betont Scheiber.

Im Winter, wenn es kalt wird, suchen Amphibien nach einem halbwegs frostsicheren Unterschlupf, Mäuselöcher zum Beispiel, wie Scheiber sagt. Manche überstehen die kalte Jahreszeit auch unter Wasser. „Das war in diesem doch recht kalten Winter schwierig“ erzählt der Nabu-Mitarbeiter. Denn eine Eisdecke habe vielerorts den Luftaustausch verhindert, so dass für viele Amphibien – die auch durch die Haut atmen– zu wenig Sauerstoff vor allem in kleinen Gewässern zur Verfügung stand. „Die ersten Amphibienarten machen sich dann bereits im Februar auf den Weg zu ihren Laichgewässern“, erzählt Scheiber, rund 500 Meter würden von den Tieren in mehreren Nächten zurückgelegt. Bis Mai seien die Kröten dann alle wieder im Wald, wo sie den Rest des Jahres verbringen würden. „Deshalb ist auch jetzt die ideale Zeit, um die nachtaktiven Tiere zu beobachten.“

Was noch fehlt, ist der Feuersalamander

Einige Erdkröten später ist ein aufgescheuchter Graureiher zu hören und ein Teichmolch zu sehen. Den hatte Scheiber mit seinem Kescher aus dem Wasser eines Sees geholt. Nach Kamm- und Fadenmolch ist damit das bei uns heimische Molch-Trio perfekt. Fehlt eigentlich nur noch der Feuersalamander. Scheiber stiefelt eigens zu einem Bach hinunter, um eines der prächtig schwarz-gelb gefärbten und auf Fließgewässer angewiesenen Tiere zu finden. Leider vergeblich. „Für den ist es heute Abend einfach zu trocken, bei Regen kann man ihn eher antreffen“, sagt der Naturliebhaber, bevor die Truppe – immer wieder Erdkröten vom Weg räumend – nach mehr als fünf Kilometern wieder im Schattengrund ankommt.

„Es war eine interessante Wanderung, ich habe viel gelernt“, sagt einer der Teilnehmer. Und das gilt sicherlich auch für eine der sehr interessierten Jugendlichen, die einer der Erdkröten einen Kuss auf den Rücken gehaucht hatte. Ein Prinz wurde nicht daraus. Dafür weiß sie nun genau, wie sich die Amphibien anfühlen: kalt und ein wenig glitschig. „Aber nicht eklig.“

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