Die Anwohner sagen, dass vor allem Motorradfahrer auf der Magstadter Straße viel zu schnell unterwegs sind. Die Verwaltung meint, es werde regelmäßig geblitzt – und die Geschwindigkeit sei gar nicht das Problem. Foto: dpa

Auf der Magstadter Straße bei Stuttgart-Büsnau werden Rennen gefahren. Die Anwohner sind genervt und haben Unterschriften gesammelt. Die Stadt Stuttgart sagt jedoch, die Geschwindigkeit sei gar nicht das Problem.

Büsnau - Sie haben die Nase voll. „Wir, die Anwohner von Stuttgart-Büsnau, einem Wohngebiet entlang eines Naherholungs- und Naturschutzgebietes, möchten auf die für uns unerträgliche Lärmbelästigungen, verursacht durch rasende Motorrad- und Autofahrer, aufmerksam machen“, heißt es in einem offenen Brief an die Mitglieder des Stuttgarter Gemeinderats. An Wochenenden ganztägig, unter der Woche nachmittags, abends und teils auch nachts sei die ehemalige Solituderennstrecke der favorisierte Treffpunkt für tempo- und fahrspaßorientierte Motorrad- und Autofahrer aus Stuttgart und der Umgebung.

„Zwischen dem Kreisel im Schattengrund und der scharfen S-Kurve am Relexa-Waldhotel werden Geschwindigkeiten um die 100 Kilometer in der Stunde erreicht und im weiteren Verlauf der Magstadter Straße weit überschritten“, ist in dem Schreiben zu lesen. Das Tempolimit auf diesen Straßen betrage 50 beziehungsweise 60 Kilometer in der Stunde. „Die in den Frühlings- und Sommermonaten vorherrschende Nutzung der Strecke hat den Charakter von Straßenrennen“, so das Fazit der Anwohner. Sie haben auch beobachtet, dass Motorrad- und Autofahrer die Strecke für „permanente Im-Kreis-Fahrten“ nutzen. Vor den besonders beliebten Kurven werde immer wieder gewendet und in die Gegenrichtung gestartet. Und immer häufiger gebe es sogar Zuschauer, die – wie bei einem offiziellen Rennstreckentraining – Fotos und Videos machen.„Der durch überhöhte Geschwindigkeiten verursachte Lärm ist im gesamten Mahdental deutlich hörbar, macht die Nutzung der Gärten und Balkone für die Anwohner nahezu unmöglich und zerstört den Charakter des Naherholungs- und Naturschutzgebiets“, schreiben die Büsnauer. Und wenn sie mal die Fahrer oder „Zuschauer“ auf die Lärmbelästigung ansprechen, dann komme es immer wieder zu offnen Anfeindungen bis hin zur Gewaltandrohung.

Anwohner fordern Schutz vor psychischem Leid

„Wir fordern Schutz vor psychischem Leid“, schreiben die Büsnauer und schlagen gleich einige Maßnahmen vor. Sie wollen, dass auf der Magstadter Straße mehrere feste Blitzgeräte installiert werden und dass es insgesamt mehr Kontrollen gibt. Zudem plädieren sie für bauliche Maßnahmen, um die Attraktivität der Straße als Rennstrecke zu reduzieren. Die Anwohner gehen sogar so weit und schlagen vor, die Magstadter Straße während der Sommermonate am Wochenende für Motorradfahrer zu sperren.

Die Vaihinger CDU hat einen Antrag vorbereitet

Die Büsnauer haben schon einige sogenannte Gelbe Karten an die Verwaltung geschrieben und sich auf diesem Weg beim Ordnungsamt beziehungsweise der Verkehrsbehörde beschwert. Geschehen sei aber noch nichts. Nun haben die Anwohner 200 Unterschriften gesammelt und die Listen zusammen mit dem offenen Brief an die Stadträte geschickt. Und so kam Bewegung in die Sache. Die CDU-Stadträtin Dorit Loos, die selbst in Büsnau wohnt, vermittelte. Das Ergebnis: am 26. Juli trafen sich einige der Anwohner mit dem Stuttgarter Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Dieser habe sich ein Bild von der Situation gemacht und seine Unterstützung zugesichert, berichten die Anwohner. Die CDU-Fraktion im Vaihinger Bezirksbeirat hat bereits einen Antrag für die nächste Sitzung vorbereitet. „Die Stadtverwaltung wird gebeten, zur Gefahrenabwehr kurzfristig Abhilfe zu schaffen und darüber hinaus mittelfristige Lösungen zu erarbeiten“, ist darin zu lesen. Die betroffenen Bürger und der Vaihinger Bezirksbeirat sollen darüber informiert werden.

Das Regierungspräsidium verweist auf die örtlichen Behörden

Die Magstadter Straße ist eine Landesstraße und liegt damit im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums. Der Referatsleiter Klaus Trautmann weiß sehr wohl, dass insbesondere Motorradfahrer die Straße gern als Rennstrecke nutzen. Originär zuständig seien jedoch die Städte Leonberg und Stuttgart. „Wenn man so eine Strecke aus Verkehrssicherungsgründen sperren oder teilweise sperren möchte, können das die Städte allein tun“, erklärt Trautmann. Wenn der Lärmschutz die Begründung für die Sperrung sei, dann sei eine Zustimmung des RPs erforderlich. Mehr aber auch nicht. Auch beim Thema Verkehrsüberwachung verweist Trautmann auf die örtlichen Behörden. „Dafür ist die Polizei zuständig“, sagt er. Und die Präsidien seien nicht mehr dem Regierungspräsidium, sondern direkt dem Innenministerium unterstellt.

Auch bei der Stuttgarter Verwaltung ist das Thema bekannt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen der Bürgerinitiative seien Anfang Juli bei der Fachabteilung eingegangen, schreibt der Pressesprecher Martin Thronberens in einer Stellungnahme. Die Strecke werde von der Stadt und der Polizei regelmäßig kontrolliert. „Es werden allerdings nur wenig Temposünder erfasst. Der Motorenlärm entsteht hier in der Regel nicht durch hohe Geschwindigkeit, sondern durch hochtouriges Fahren mit kleinem Gang und hoher Drehzahl“, meint Thronberens und ergänzt: „Die Polizei kontrolliert die Fahrzeuge regelmäßig auf ihre Tüv-Zulassung.“ Die Stadtverwaltung prüfe aktuell die von der Bürgerinitiative vorgeschlagenen Maßnahmen. „Dabei geht Genauigkeit vor Schnelligkeit. Daher können wir noch keine Bewertung der Vorschläge vornehmen“, so der Pressesprecher. Allerdings würden festinstallierte Blitzer das Problem wohl nicht lösen, da bei Geschwindigkeitskontrollen, wie bereits geschildert, nur selten Überschreitungen festgestellt worden seien.

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