Das Einkaufszentrum (l.), die Parkflächen und das Grundstück der Kirche (r.) sollen in der Studie berücksichtigt werden. Foto: Martin Braun (Archiv)

Das Einkaufszentrum könnte verkauft werden, während die Stadtverwaltung noch an einer Studie für das gesamte Areal feilt. Die Vorstellung der Ergebnisse ist noch einmal verschoben worden. Es wird wohl Ende April/Anfang Mai.

Stuttgart-Botnang - Das Einkaufszentrum im Laihle bleibt weiterhin ein Sorgenkind der Botnanger. Alles begann mit der Schließung der Schlecker-Filiale Anfang 2012. Seitdem verliert das Gebäude zusehends an Mieter und Attraktivität. Nach einigen Wasserrohrbrüchen beschloss beispielsweise Petra Seiter, ihre Apotheke zu schließen. Und auch Joachim Schmid machte im Laihle Schluss. Der Inhaber des Edeka-Marktes bemängelte unter anderem immer wieder die fehlende Barrierefreiheit des Gebäudes und die Perspektivlosigkeit am Standort. Immerhin zog der Treff 3000 in Schmids Räume, damit die Nahversorgung für die Bewohner des Quartiers weiterhin gewährleistet ist.

Aber im Untergeschoss sieht es düster aus. Mittlerweile sind auf den rund 750 Quadratmetern nur noch zwei Flächen vermietet. Die Akademie für kognitives Training hält dort ab und zu Kurse ab, und das Schreibwarengeschäft von Hannelore Gehm hat noch geöffnet – allerdings nicht mehr lange. Sie hat zum 31. August gekündigt. Nach 27 Jahren im Laihle hört sie auf. Die Kundenfrequenz ist zu schlecht.

Der Schuldige für diese Misere ist in Botnang schnell ausgemacht. Es ist der Kommunale Versorgungsverband Baden-Württemberg (KVBW), dem der größte Teil der rund 2230 Quadratmeter an Nutzfläche des Einkaufszentrums gehört. Das Gebäude sei marode und nicht mehr zeitgemäß. Aber investieren wolle der KVBW nichts mehr, sagen ehemalige Mieter. Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass der KVBW das 1971 erbaute Einkaufszentrum verkaufen möchte. Zwar heißt es offiziell, dass man weiterhin nur den Markt sondiere, aber mehrere Botnanger haben schon potenzielle Investoren im Gebäude gesichtet. Nicht immer haben diese Besucher allerdings für Freudenstürme gesorgt. Einige Männer im Kaftan und mit langen Bärten sind gesichtet worden, als sie durch das Einkaufszentrum geführt wurden. Detlef Greiner äußerte deshalb seine Bedenken in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats. Er vermutete, dass eventuell Salafisten das Gebäude kaufen würden: „Der Einzug einer islamischen Einrichtung würde unserem Wohngebiet zweifelsohne einen von vielen Anwohnern höchst ungern gesehenen Stempel aufdrücken.“ Um unbeliebte Veränderungen für den Bereich Laihle/Spitalwald zu verhindern, solle die Verwaltung nun ihre Vorstellungen für die Zukunft des Einkaufszentrums präsentieren.

Die katholische Kirche und die Bezirksberäte warten auf die Studie

Grundsätzlich hätte der Wunsch von Detlef Greiner schon in Erfüllung gegangen sein sollen. Denn seit einigen Monaten arbeitet das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung an einer Studie, die aufzeigen soll, wie das Gebiet rund um das Einkaufszentrum entwickelt werden kann. Die Ergebnisse hätten im Januar oder Februar vorgestellt werden sollen. Nun wird es wohl Ende April/Anfang Mai, wie es beim Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung heißt. Das hat sich die katholische Kirche eigentlich anders vorgestellt, deren benachbartes, rund 3600 Quadratmeter großes Grundstück mit der Kirche Christus Erlöser, Gemeinderäumen, Kita und Wohnhaus ebenfalls im Rahmen der Studie untersucht wird. „Das Dekanat hat das Entwicklungskonzept nicht in Auftrag gegeben, aber bei der Stadt eine Quartiersentwicklung angeregt. Die Idee ist dankenswerterweise aufgegriffen worden“, sagt die Pressesprecherin des Dekanats Nicole Höfle. Ohne die Studie könne man aber nicht weiterplanen. Dem Sparzwang der Kirche geschuldet, soll es künftig in Botnang nämlich nur noch ein katholisches Gotteshaus geben. Tendenziell wird wohl die Kirche St. Clemens erhalten. Am Standort Christus Erlöser soll aber auf jeden Fall die Kita bleiben und auf vier Gruppen erweitert werden. Zudem soll es auf dem Grundstück eine karitative Nutzung geben.

Auch Bezirksvorsteher Wolfgang Stierle hatte gehofft, dass der Zeitplan des Stadtplanungsamtes eingehalten wird: „Seit 2013 weise ich auf die Situation im Laihle hin.“ Er befürchtet, dass der Eigentümer des Einkaufszentrums durch einen Verkauf bald Fakten schaffen werde. Und dann habe man vielleicht keine Chance mehr, das Gebiet ganzheitlich zu entwickeln. Er könne sich dort einen Mix aus günstigen Wohnungen, Dienstleistungen und einer gemeinbedarflichen Nutzung vorstellen. „Ein Angebot für Menschen mit Behinderung und Senioren würde ins Gebiet passen“, sagt Stierle. Um die Pläne umsetzen zu können, müsse die Studie aber nun endlich in die Gremien.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes Detlef Kron verweist zum einen auf eine Fülle von anderen Projekten seiner Behörde wie die Oper, das Rosenstein-Quartier oder andere Innenstadt-Projekte, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Zum anderen sei das Laihle-Projekt auch sehr komplex. „Für jede Lösung gibt es das passende Problem“, sagt Kron und schmunzelt. „Wir sind uns noch nicht im Klaren, ob das Einkaufszentrum saniert werden soll oder wir beispielsweise die Parkflächen miteinbeziehen. Dann wiederum müsste eine Tiefgarage gebaut werden.“ Er sei aber bereit, sich mit allen Protagonisten noch einmal an einen Tisch zu setzen, falls das gewünscht werde.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: