Gabi Kircher ist vielfältig aktiv. Ehrenamtlich wirkt sie auch in dem Projekt „Slow Mobil Stuttgart“ mit. In dem Kleinbus können Kinder gesund kochen und essen. Foto: Georg Friedel

Die Sozialpädagogin Gabi Kircher aus Botnang engagiert sich seit 32 Jahren bei der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft in verschiedenen Projekten. Unter anderem kümmert sie sich seit 15 Jahren um das Projekt „Mitmachen Ehrensache“.

Botnang - Draußen stürmt es. Im obersten Stockwerk des Jugendhauses Mitte wartet Gabi Kircher an einem der Fenster und winkt: Im Nu ist die 55-jährige Sozialpädagogin aus Botnang heruntergeeilt, öffnet die Tür, um ins windgeschützte Innere zu kommen. Während im Jugendhaus Mitte an diesem Montagvormittag kaum etwas los zu sein scheint, ist Gabi Kircher im Aktionsbüro „Mitmachen Ehrensache“ schon fleißig beschäftigt, die Zahlen des letztjährigen Aktionstages am 5. Dezember 2018 zusammenzutragen.

Danke-Aktion am 20. März geplant

Die gesamten Ergebnisse will sie eigentlich erst bei der „Danke-Aktion“ und der Scheckübergabe am 20. März im Jugendhaus Mitte verkünden, aber so viel verrät sie: Beim letztjährigen Internationalen Tag des Ehrenamtes jobbten allein in Stuttgart 686 Schülerinnen und Schüler für den guten Zweck. Mit dem Lohn für einen Tag Arbeit unterstützen Unternehmer wie Jugendliche ausgewählte soziale Projekte. „Diesmal beteiligten sich 360 Arbeitgeber“, freut sich Kircher über das gute Ergebnis.

Rund 35 Schulen nahmen an der Aktion teil, darunter im Stuttgarter Norden auch das Ferdinand-Porsche-Gymnasium, das Eschbachgymnasium, die Parkrealschule sowie die Rilke-Realschule und die Realschule Feuerbach. Auf das wachsende soziale und politische Bewusstsein der kommenden Generation lässt Kircher nichts kommen. „Viele gehen auf die Straße und protestieren gegen die Klimaerwärmung.“

Viele junge Menschen engagieren sich für die Gesellschaft

In die „Jugend von heute“ habe sie großes Vertrauen: „Ich erlebe jedenfalls, dass es viele junge Menschen gibt, die sich gerne für die Gesellschaft engagieren und dazu beitragen, anderen zu helfen“, sagt die Sozialpädagogin. Auch das Projekt „Mitmachen Ehrensache“ beinhalte politische Komponenten: „Politik ist auch, wenn ich mich in meinem Stadtteil für andere Menschen einsetze“, betont Kircher und fügt an, mit dem Projekt wolle sie jungen Leuten vermitteln: „Engagement und Teilhabe ist wichtig.“ Jeder könne dazu beitragen, dass „man die Gesellschaft etwas freundlicher und besser macht“.

Seit 2004 kümmert sich Kircher um „Mitmachen Ehrensache“. Neben dem Aktionsbüro in Stuttgart hat sie auch die landesweite Koordination für das Projekt mit einer Kollegin von der Jugendstiftung Baden-Württemberg übernommen. „Wir haben über 20 Partner im ganzen Land, die die Aktion vor Ort durchführen“, sagt die erfahrene Netzwerkerin. Junge Menschen für Projekte zu begeistern, liegt ihr, genauso wie Kontakte zu knüpfen und im Team zu arbeiten. In der Jugendhausgesellschaft habe sie einen idealen Arbeitgeber gefunden: „Man lässt mir den Gestaltungsspielraum und die notwendige Freiheit, um etwas auszuprobieren“, sagt Kircher.

Im Jugendhaus Freiberg lernt sie ihren späteren Ehemann kennen

Rückblende: Im Jahr 1987 kommt sie nach Stuttgart. In Heidenheim studiert sie an der Fachhochschule Sozialwesen und kommt zunächst im Rahmen eines Praktikums in das Jugendhaus Freiberg. Später fängt sie dort fest an. Die erste Arbeitsstelle erweist sich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich als Glücksgriff: „Denn im Jugendhaus Freiberg habe ich meinen späteren Ehemann, der damals dort Leiter war, kennengelernt.“ In den 1990er Jahren übernimmt sie die Koordinationsstelle für „Mädchenarbeit“ bei der Jugendhausgesellschaft. In Stuttgart organisiert sie mit anderen Einrichtungen ein bundesweites Mädchenkulturfestival mit 2000 Teilnehmerinnen und 120 Workshops.

Auf der Agenda der Koordinationsstelle Mädchenarbeit stehen Themen wie Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, Berufsorientierung, aber auch „Beziehungen, Liebe, Körper und Sexualität“, sagt Kircher. Sexismus und Gewalt gegen Frauen sei nach wie vor in der Gesellschaft virulent. „Da muss man immer hinschauen und auch hinstehen“, sagt sie. Zwar habe sich seit den 1990er Jahren viel getan in diesem Bereich und sie erlebe „eine Fülle an selbstbewussten Mädchen und jungen Frauen, die ihren Weg gehen“, sagt sie.

„Aber ich habe den Eindruck, dass gerade auch gesellschaftliche und politische Strömungen aktiv sind, die eher einen Rollback-Prozess forcieren, also wieder die klassischen Rollen von Frauen etablieren wollen“, sagt Kircher. Bis heute seien Frauen in vielen gesellschaftlichen und beruflichen Bereichen unterrepräsentiert – so auch in der Politik. Und dort seien momentan eben auch sehr rechte und konservative Kräfte am Start. „Da sieht es dann noch viel schlechter aus, was die Gleichberechtigung und gleiche Teilhabe von Frauen angeht.“

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