Am Stand der Stuttgart-Blogger in der Alten Kelter in Fellbach ging’s turbulent zu. Foto: StN

Die Liebe zur Heimat ist nicht nur was für Ältere. Auch junge Menschen wollen wissen, wo sie herkommen und wo sie hingehören. Stadtblogs sind deshalb so beliebt. Bei der Messe Tisch und Tafel haben sich Stuttgart-Blogger präsentiert.

Fellbach/Stuttgart - Stuttgart-Blogs haben eine neue Art von Heimatliebe geweckt, ohne dabei die Heimat mit rosaroter Sicht zu verklären. Wer seine Stadt liebt, kann ihr schärfster Kritiker sein. Beim traditionellen Blogger-Treff am Sonntag unter dem imposanten Holzdach der 1906 erbauten Alten Kelter in Fellbach ist über Feinstaub, Staus und Baustellen gesprochen worden – vor allem aber darüber, warum es in Stuttgart so schön ist.

Lokalpatrioten werden in der Alten Kelter auch kulinarisch fündig. Regionale und nachhaltige Produkte stehen im Vordergrund der Genussmesse Tisch und Tafel, die bei schönem Frühlingswetter für einen Riesenandrang gesorgt hat. Vor dem Eingang herrschten zeitweise lange Schlangen. Fast schien es, als befänden sich die Besucherinnen und Besucher im Kaufrausch vor Ostern. „Das Wochenende in der Alten Kelter war unbeschreiblich“, sagt Organisator Luca Salvatore, „wir haben Fellbach auf den Kopf gestellt.“

Das Stuttgart-Album steht für Heimat ohne Tümelei

Am Stand der Blogger Patrick Mikolaj, Manuel Kloker und Uwe Bogen vom Unnützen Stuttgartwissen und Stuttgart-Album waren bereits am frühen Nachmittag einige Buchtitel ausverkauft. Etliche Besucher sagten, wieviel Spaß es ihnen macht, auf Entdeckungstour in Stuttgart zu gehen und Neues aufzuspüren. Das Unbekannte im Bekannten suchen, Geschichten finden, die hinter Merkwürdigkeiten und Besonderheiten der Stadt verborgen sind – das wollen die Stuttgart-Blogger.

Das Stuttgart-Album steht für Heimat ohne Tümelei. Mit über 14.000 Facebook-Fans ist es eine starke Stimme in den regionalen Blogs, die Stadtgeschichte von unten dokumentieren. Hier erzählen und berichten Menschen, wie sie Ereignisse vor Ort erlebt haben. Sie schicken Fotos, die sie selbst gemacht oder von ihren Eltern und Großeltern bekommen haben. Und sie vertrauen dem Geschichtsprojekt, das regelmäßig als Serie in unserer Zeitung erscheint, ihre Sammlungen alter Postkarten von Stuttgart an. Es sind Aufnahmen, auf denen viel zu entdecken ist, die man sich meist lange anschaut.

Wer in die Vergangenheit zurückblickt, versteht die Gegenwart besser, will sich im besten Fall einmischen, damit aus der Zukunft etwas wird. Ein quicklebendiges Forum ist das Stuttgart-Album, ein kollektives Gedächtnis der Stadt, das Freunde in aller Welt verbindet.

Die Begeisterung von Mikolaj für Stuttgart steckt an

Die Begeisterung, mit der Patrick Mikolaj vom Unnützen Stuttgartwissen bisher unbekannte Sehenswürdigkeiten in Stuttgart aufspürt, steckt an. Sie bringt uns dazu, dass wir genauer hinschauen in der Stadt, die wir zu kennen zu glauben. Der wohl bekannteste Lokalpatriot der Stadt, 1980 in Kirchheim unter Teck geboren und seit 2002 ein begeisterter Stuttgarter, ist wie ein Eichhörnchen. Immer am Sammeln, immer Augen und Ohren auf, immer neugierig. Mit seinem Blog und seinen Büchern blickt er hinter die Kulissen der Stadt und zeigt Ungereimtheiten der Stadtentwicklung auf.

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