Aktionswoche im Porsche-Museum: Blinde erfahren den 911er auf ihre Weise. Foto: dpa

Im Rahmen einer Aktionswoche hat das Porsche-Museum blinde und sehbehinderte Menschen eingeladen. Wie hat es den Gästen bei Porsche gefallen?

Stuttgart - Neun blinde, sehbehinderte und sehende Personen stehen mit ihren zwei Museumsführerinnen vor einen Porsche 911. „Hier dürfen Sie auch einsteigen“ sagt Julia Budei, eine der Gästeführerinnen und öffnet die Tür des schiefergrauen Wagens.

„Mensch, ist der schön! Und so tolles rotes Leder“, sagt die sehbehinderte Andrea Hohl. Die blinden und sehbehinderten Gäste tragen dünne, weiße Baumwollhandschuhe. Bei dieser speziellen Führung ist Anfassen ausdrücklich erwünscht. „Dieser Wagen hat ein wunderschön gearbeitetes Holzlenkrad“, ergänzt Nicole Karcher, die zweite Gästeführerin. „Und die ganze Armatur ist aus Holz“ staunt ein junger Mann, der sich gerade in den Wagen setzt. Dieses Auto wurde 1963 vorgestellt und lief ab 1964 vom Band.„Es gefällt mir hier sehr gut“ sagt Andrea Hohl. Sie ist begeistert, dass sie alles ertasten darf.

Ein Museum wie ein Ufo

„Unser Haus ist wie ein Ufo, das über Zuffenhausen schwebt. Die ganze Konstruktion des Museums wiegt 35 000 Tonnen und ruht auf drei Pfeilern“ erklärt Julia Budei die Architektur des Museums ihren sehbehinderten und blinden Gästen. Die Zuhörerinnen sind beeindruckt.

Rund um den internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember veranstaltete das Porsche-Museum eine Woche zum Thema Barrierefreiheit. Von Dienstag bis Sonntag bot das Museum Führungen für Blinde und Sehbehinderte an. Auch Führungen für Gehörlose mit deutscher Gebärdensprache sowie Veranstaltungen in einfacher Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten standen auf dem Programm.

Der eigene Name in Blindenschrift

Höhepunkt war am Sonntag ein Aktionstag, an dem auch verschiedene Verbände und Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie der Selbsthilfe sich im Museum präsentierten. Am Stand des Blinden- und Sehbehindertenvereines Württemberg konnten sich Kinder ihren Namen in Blindenschrift (Brailleschrift) schreiben lassen. An einem Stand von Atrio Leonberg zeigten Mitarbeiterinnen der Werkstätten für behinderte Menschen, welche Automobilteile für Porsche in den Werkstätten in Leonberg gefertigt werden. „Wir stellen vor allem Wasserpumpen her“, so Maria Keller, Mitarbeiterin für Projekte und Öffentlichkeitsarbeit der Leonberger Einrichtung. „Jedes Jahr haben wir so eine Aktionswoche“ sagt Gina Bihlmaier, Supervisor im Porschemuseum.

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