Heidi Käser hat das gern gemacht mit der Post, doch jetzt ist es genug. Foto: Fritsch

Bernd und Heidi Käser halten seit zwölf Jahren die Post-Filiale in Stuttgart-Birkach am Laufen. Ende August hören sie auf, denn sie wollen sich auf etwas anderes konzentrieren...

Birkach - Am 29. August ist Schluss. An diesem Tag können Kunden zum letzten Mal ihre Postpakete in „Heidis Wollelädle“ abgeben. Die Ladenbesitzer, Bernd und Heidi Käser, wollen sich künftig nur noch auf ihr Kuchenstüble konzentrieren. „Wir könnten beides nur halblebig machen, aber das bringt es ja nicht“, sagt Heidi Käser. Außerdem würden sie beide bald 60 Jahre alt werden und wollten auf ihre Gesundheit achten – da sei ihnen die integrierte Postfiliale im Laden an der Birkheckenstraße zu viel.

Denn es ist viel Geschäft. Vor allem seit dem Beginn der Corona-Krise hat Heidi Käser mit der Post alle Hände voll zu tun. Zwar seien in den vergangenen Jahren sowieso immer mehr Pakete über ihren Tresen gegangen, weil das Einkaufen im Internet beliebter wurde. Aber die Corona-Zeit ist „noch schlimmer als Weihnachten“, meint Käser. Vor zwölf Jahren habe sie mit ihrem Mann, der damals noch im Handwerk tätig war, die Aufgabe übernommen, sich in Birkach um die Post zu kümmern. „Die meisten Aufträge fürs Handwerk kamen hier aus dem Umkreis, da wollten wir den Leuten einfach was zurückgeben“, sagt sie. Sie habe das gerne gemacht. Für sie selbst brachte das Nebengeschäft aber Nachteile mit sich. „Wir konnten nie in den Urlaub gehen, weil die Post ja immer offen haben muss“, sagt Bernd Käser.

Diesen Druck will sich das Ehepaar nun nehmen und hofft, dass die Deutsche Post einen geeigneten Nachfolger findet. „Es wäre schon gut, die Post im Flecken zu halten, weil sonst ja auch die Kaufkraft nach außen geht“, meint Heidi Käser.

Das sei keine gute Lösung, sagt die Post

Zu einem neuen Standort kann die Deutsche Post bisher nichts sagen. Aber: „Es wird auf jeden Fall weiterhin eine Filiale in Stuttgart-Birkach geben“, sagt Marc Mombauer, Sprecher des Unternehmens. Da sich bisher niemand gefunden habe, der die Post ähnlich wie Bernd und Heidi Käser in seinem Geschäft mitbetreiben wolle, sei die Post inzwischen auch auf der Suche nach Räumen, in denen mit eigenem Personal gearbeitet werden könne. „Solche Interimsfilialen sind – für die Kunden und auch für uns – keine ideale Lösung, denn sie können meist nicht wirtschaftlich betrieben werden, und sie können auch nicht die Öffnungszeiten bieten, die eine von einem Einzelhändler in seinem Geschäft betriebene Filiale bieten kann“, sagt Mombauer.

Wenn Ende August das letzte Paket über Heidi Käsers Tresen gegangen ist, wird ihr Geschäft in den ersten zwei September-Wochen erst einmal geschlossen. Urlaub erlaubt sich das Ehepaar dann aber noch nicht. „Wir bauen dann erst einmal um und gestalten das Café schön neu mit einer Strickecke“, sagt Heidi Käser. Wenn nicht gerade Corona-Abstandsregeln gelten, treffen sich nämlich regelmäßig bis zu 30 Leute zum Stricken in dem Laden. Seit Ostern bietet das Kuchenstüble neben Kuchen auch Eis aus eigener Herstellung an. Das Café sei nun das, was Bernd und Heidi Käser Spaß mache. „Und das wollen wir auch noch eine Weile machen, wenn es unsere Gesundheit zulässt“, sagt Bernd Käser.

Einzelhändler, die bereit wären, die Birkacher Postfiliale zu übernehmen, können sich direkt bei der Deutschen Post DHL Group melden: vl-stuttgart@deutschepost.de.

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