Dirk Spaniel sitzt seit 2017 für die AfD im Deutschen Bundestag. Foto: dpa

Weil der Bundestagsabgeordnete der AfD, Dirk Spaniel, eine Geschichte beim Weihnachtsmarkt in Stuttgart-Birkach vorlesen wollte, wurde die gesamte Vorleseaktion abgesagt. Wie kam es dazu?

Birkach - Werner Schmückle bezeichnet es als einen „Bärendienst für die Demokratie“. Obwohl er beileibe kein Freund der AfD sei, müsse man die Inhalte bekämpfen und nicht die Menschen, sagt er. Dem CDU-Bezirksbeirat geht es um den Weihnachtsmarkt in Birkach vor einigen Tagen. Eigentlich sollten in diesem Rahmen Abgeordnete von allen im Bundestag vertretenen Parteien im Café Fröschle – der Tagesstätte des Gemeindepsychiatrischen Zentrums – Weihnachtsgeschichten vorlesen. Weil sich die Abgeordneten die Grünen und der Linken nicht zurückmeldeten, blieben vier übrig: Stefan Kaufmann (CDU), Ute Vogt (SPD), Judith Skudelny (FDP) und Dirk Spaniel (AfD).

Dirk Spaniel wurde Hausverbot erteilt

Bezüglich des AfD-Politikers regte sich jedoch massiv Widerstand: Einige Bezirksbeiräte und Kirchengemeinderäte wollten partout nicht, dass Spaniel eine Weihnachtsgeschichte vorliest. Sie sprachen beim Café Fröschle vor – und die Einrichtung entschloss sich, Dirk Spaniel ein Hausverbot zu erteilen. „Wir sind aufgrund des öffentlichen Drucks und aufgrund der Haltung unserer Mitarbeiter zu dieser Entscheidung gekommen“, sagt Joachim Schittenhelm, Bereichsleiter des Gemeindepsychiatrischen Zentrums in Birkach. „Es wäre eine andere Situation, wenn es sich um eine politische Diskussion handeln würde – aber das Vorlesen von Weihnachtsgeschichten ist schon eine reine Werbeveranstaltung für die Abgeordneten.“

Joachim Schittenhelm findet, dass auch hinter dem Vorlesen von Geschichten eine gewisse Brisanz stecke, schließlich würden sich die Politiker selbst aussuchen, welche Geschichte sie vorlesen, sagt er. Er betont jedoch auch, dass das Café Fröschle letztlich nur die Räumlichkeiten zur Verfügung stelle und nicht Mitorganisator sei: „Aber es gab etliche Mails von Kirchengemeinderäten, die uns auf Aussagen der AfD hingewiesen haben. Das hat uns darin bestärkt, einen AfD-Politiker nicht bei einer Einrichtung der Evangelischen Gesellschaft vorlesen zu lassen.“

„Wir wollen alle gleich behandeln“

Daraufhin wurde die gesamte Vorleseaktion abgesagt. Matthias Lutz, der Vorsitzende des Bürger- und Kulturvereins Birkach (BKV) und einer der Hauptorganisatoren des Weihnachtsmarkts, fand es nicht gerecht, dass einer ausgeschlossen wird: „Wir als BKV wollen parteipolitisch neutral handeln und alle gleich behandeln“, sagt er. Obwohl er es schade fand, dass die Vorleseaktion deshalb platzen musste, hält er die Absage nach wie vor für richtig: „Es ist aber natürlich bedauerlich. Denn eigentlich ist es toll, dass die Größen aus der Politik nicht nur zum Wahlkampf präsent sind, sondern sich auch mal so der Bevölkerung zeigen.“

In der Bezirksbeiratssitzung von Plieningen und Birkach am Montagabend gab die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel der Einschätzung von Werner Schmückle recht, dass es nicht sinnvoll sei, einen gewählten Mandatsträger auszuschließen: „Meinen Applaus haben Sie“, sagte sie.

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