Der Zugang zum S-Bahnhalt Nürnberger Straße. Foto: Edgar Rehberger

Die S-Bahn-Haltestelle Nürnberger Straße ist seit Jahren in der Kritik. Viele Treppen müssen bewältigt werden. Ein Aufzug habe keine Priorität, meldet jetzt die DB Netze. Es sei ja ein stufenfreier Zugang gewährleistet.

Bad Cannstatt - Die Aussicht auf eine Besserung an der S-Bahn-Haltestelle Nürnberger Straße besteht nicht. Seit Jahren wird die Situation bemängelt. Viele Treppen müssen bewältigt werden, um beispielsweise zum Krankenhaus Bad Cannstatt, ins Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus oder generell ins Wohngebiet auf dem ehemaligen US-Hospital-Areal zu gelangen. Daran wird sich wohl nichts ändern. Das hat die Grünen-Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch jetzt schriftlich. Vor zwölf Jahren hat sie schon einmal einen Brief an die Bahn geschrieben und die fehlende Barrierefreiheit am S-Bahnhaltepunkt moniert.

Die behindertengerechte Nachrüstung aller S-Bahn-Haltestellen habe hohe Priorität, erhielt sie damals als Antwort. Und dass ein langfristiges Bau- und Investitionsprogramm für den barrierefreien Ausbau weiterer Bahnhöfe in Baden-Württemberg konzipiert werde. Jetzt hat Lösch erneut nachgehakt, nachdem sie von Betroffenen und Behindertenverbänden angeschrieben haben. „Gerade für Menschen mit Behinderung, ältere Personen mit Rolllator, mit Gehhilfen und/oder Gepäck, Menschen mit Kinderwagen und kleinen Kindern und Radfahrer ist der Bahnsteig der S-Bahnhaltestelle Nürnberger Straße nur über 76 Treppenstufen oder einen langen Umweg erreichbar“, hat Lösch an die DB Station und Service AG geschrieben und verweist darauf, dass der Haltepunkt auch Zugang zum Krankenhaus und Psychiatrie Bad Cannstatt sei. Und auch im Beschluss des Gemeinderates zum Nahverkehrentwicklungsplan im Dezember 2018 werde die Barrierefreiheit für die besagte Haltestelle gefordert.

Problem für Rollstuhlfahrer

„Wann wird es einen Aufzug an der Haltrestelle geben“, wollte die Grünen-Abgeordnete Lösch wissen. Jetzt erhielt sie Antwort. Die Station Nürnberger Straße sei bereits heute stufenfrei ans öffentliche Straßennetz angeschlossen, heißt es darin. „Der Bahnsteig Gleis 1 ist über eine Rampe zur Andreästraße und eine zweite Rampe zur Dilleniusstraße stufenfrei an den öffentlichen Straßenraum angebunden.“ Von der Andreästraße habe man über einen Fußweg auch Zugang zur Nürnberger Straße. Der Bahnsteig am Gleis 4 sei stufenfrei an die parallel verlaufende Brenzstraße angebunden. „Der stufenfreie Zugang zu den Bahnsteigen ist also für fast alle in Ihrem Schreiben genannten Personengruppen problemlos möglich“, schreiben die DB Netze. Lediglich für Rollstuhlfahrer ohne Begleitung würden die mit acht Prozent Steigung etwas zu steilen Rampen an Gleis 1 und der nicht behindertengerechte öffentliche Raum an Gleis 4 möglicherweise ein Problem darstellen, wird eingeräumt. „Aufgrund dieser geschilderten Situation wurde die Station in bisher aufgelegten Programmen zur stufenfreien Nachrüstung von Bahnstationen nicht berücksichtigt.“ Aufzüge wären eine zusätzliche Verbesserung der Situation für Rollstuhlfahrer. Daher habe die Maßnahme keine Priorität, zumal es in BadenWürttemberg größere Stationen gebe, die über keinen stufenfreien Zugang verfügen würden.

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