Leonhard Fromm bietet seit Jahren offene Gruppen für Männer an. Foto: Sebastian Gall

Männercoach Leonhard Fromm bietet im Haus der Familie Scheidungs- und getrennt lebenden Vätern einen Ort zum Erfahrungsaustausch, um Probleme offen anzusprechen und eventuell aus der Welt zu schaffen.

Bad Cannstatt - Scheidungen können hart sein. Vor allem, wenn das Paar Kinder hat. In diesem Fall entscheiden Gerichte im Sorgerechtsstreit oft zugunsten der Mütter – Väter bleiben dabei häufig auf der Strecke, sehen ihre Kinder nur am Wochenende oder verlieren den Kontakt zu diesen komplett. Dies kann bei den Männern Probleme verursachen.

Einen Ort, um über diese Probleme offen zu sprechen, sie vielleicht sogar aus der Welt zu schaffen und sich über die gemachten Erfahrungen auszutauschen, bietet Männercoach Leonhard Fromm Scheidungs- und getrennt lebenden Vätern im Haus der Familie in der Elwertstraße an. Diese haben dabei die Gelegenheit, die Gruppe einmal im Monat ohne und einmal im Monat mit ihren Kindern zu besuchen. Coach Fromm beschreibt das Angebot wie folgt: „Es soll ein Raum sein, wo die Väter offen sprechen können und die Kinder geschützt sind.“ Sollte sich ein Vater dabei einmal mit dem Leiter unter vier Augen besprechen wollen, steht ein Sozialarbeiter bereit, der Fromm bei der Kinderbetreuung unterstützt.

Der Theologe und Journalist hat langjährige Erfahrung in der Anleitung von Männergruppen. Einmal im Monat bietet er in seiner Agentur in Schorndorf offene Gruppen für Männer an, die dort über Gefühle sprechen und sich ihnen bewusst werden können. Seiner Arbeit kommt auch seine gestalttherapeutische Ausbildung zugute.

Psychotherapeutische Behandlungsmethode

Dahinter verbirgt sich eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Ihre Ausgangsposition ist das Hier-und-Jetzt – alles Denken und Fühlen geschieht immer nur in der Gegenwart. Die Vergangenheit dient als Reflexionsfläche, von der aus die Wirkung vergangener Ereignisse und Erfahrungen auf die Gegenwart untersucht wird. Dabei ist der Leiter eher Unterstützer als Therapeut. „Die Gestalttherapie soll im Kurs für Scheidungsväter aber eher im Hintergrund bleiben“, sagt Fromm. „Mir geht es vor allem darum, die Probleme der Männer als solche anzuerkennen und ihnen Wertschätzung zu verleihen.“ Er wolle ihnen helfen, achtsamer mit sich selbst, aber auch mit den Kindern umzugehen. Neben seiner praktischen Ausbildung und den langjährigen Erfahrungen als Coach hilft Leonhard Fromm beim Umgang mit den Vätern auch seine eigene Biografie. Er ist selbst zwei Mal geschieden, hat aus beiden Ehen Kinder – und bei den Trennungen auch schlechte Erfahrungen gemacht. „Ich kann mich komplett in die Männer hineinversetzen, verstehe ihre Gefühle und den Schmerz und war nicht immer fair meinen Ex-Frauen und den Kindern gegenüber. Durch meine Ausbildung habe ich mich auch ein Stück weit selbst therapiert.“

Erster Schritt für viele der schwerste

Dadurch, dass er aber nicht nur Scheidungsvater, sondern auch Gestalttherapeut ist, sitze er nicht nur seinen eigenen Projektionen auf, sondern kann auch kritisch gegenüber den Vätern sein. Darum soll es bei den ersten Treffen allerdings nicht gehen. Es solle eine Art Sondierung und gegenseitiges Kennenlernen sein. Dabei sollen die Männer merken, dass sie nicht allein sind und dass sie sich Hilfe holen können. Für viele ist dieser erste Schritt der schwerste. „Für mich ist jeder Vater, der mein Angebot annimmt, schon ein Gewinner. Er hat seinen Stolz oder seine Scham überwunden. Sie werden merken, dass es gemeinsam besser geht“, so Fromm.

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