Die 62 Jahre alte Doris Höh sitzt künftig für die FDP im Gemeinderat. Der Krankenschwester wurde die Liebe zur Kommunalpolitik in die Wiege gelegt. Ihr Vater war 13 Jahre lang Bezirksvorsteher in Stuttgart.
Bad Cannstatt - Die Liebe zur Kommunalpolitik wurde Doris Höh in die Wiege gelegt. Ihr Vater Walter Höh war von 1969 bis 1983 ehrenamtlicher Bezirksvorsteher in Stuttgart-Ost. Allerdings war er ein engagiertes Mitglied der SPD, während seine Tochter Doris, die am 28. Mai erstmals den Sprung in den Stuttgarter Gemeinderat schaffte, die politischen Interessen der FDP vertritt.
„Kommunalpolitik war immer ein Thema in der Familie“, erinnert sich die 62-Jährige. Doch bis sie sich dazu entschloss, selbst aktiv zu werden, dauerte es schon einige Jahre. „Erst als mein Sohn etwas älter war und ich von Bekannten gefragt wurde, habe ich den Schritt gewagt“, so Höh. Denn die Arbeit als Krankenschwester habe sie zeitlich schon immer beansprucht. Zunächst war Doris Höh ab 2004 stellvertretende Bezirksbeirätin in Stuttgart-Ost, nach dem Umzug in den Cannstatter Stadtteil Birkenäcker ab 2009 dann als Bezirksbeirätin im Cannstatt Bürgergremium.
Unerwartet gutes Ergebnis
In diesem Jahr ging sie erstmals auf einem vorderen Listenplatz in den Wahlkampf – und schaffte dabei mit dem Sprung von Platz 8 auf 3 einen erstaunlichen Erfolg. „Mit solch einem guten Ergebnis hatte ich nicht gerechnet – bestenfalls mit Platz 4 oder 5“, so Doris Höh, die sich jetzt auf die Arbeit im Gemeinderat natürlich nicht nur einstellen, sondern auch – Stichwort Doppelhaushalt 20/21 – vorbereiten muss. „Viel Zeit dazu bleibt eigentlich nicht, denn gleich nach der Sommerpause beginnen die Etatberatungen der Fraktionen.“
Stadträtin in der Landeshauptstadt und Krankenschwester, geht das überhaupt? „Ich bin jetzt 62 Jahre alt und damit meiner Meinung nach im richtigen Alter.“ Doch ausschlaggebend war vor allem die Tatsache, dass das Städtische Klinikum eine neue Rechtsform hat. Der einstige Eigenbetrieb ist jetzt eine „Kommunalanstalt des öffentlichen Rechts“, eine Freistellung für die Fülle an Gemeinderatsaufgaben ist für Doris Höh heute kein Problem mehr. Und Zeit wird sie sicher investieren müssen, in zwölf Ausschüssen, Unterausschüssen und Aufsichtsratsgremien wird sie künftig Platz nehmen. Dennoch: „Ich werde natürlich weiter Krankenschwester mit Leib und Seele bleiben.“
Schwerpunkt Gesundheit, Jugend, Soziales
Ein Beruf, für den sie sich schon im Alter von zwölf Jahren entschieden habe. Ihre Ausbildung hat sie von 1976 bis 1979 im Olgahospital gemacht, kurz danach wechselte sie zum Jugendamt. Dort kümmerte sie sich in einer Kita um Säuglinge und Kleinkinder. Doch bereits ein Jahr später wechselte sie an die Kinder- und Männerstation der HNO-Klinik am Katharinenhospital, drei Jahre später nahm sie schließlich ihre heutige Tätigkeit in der HNO-Ambulanz des Klinikums auf.
Angesichts ihres Berufs liegt es nahe, wo künftig ihre Schwerpunkte der kommunalpolitischen Arbeit für die FDP liegen wird: Gesundheit, Jugend und Soziales. „Mir liegt viel daran, die Situation in Alten- und Pflegeheimen sowie Kitas zu verbessern“, so die 62- Jährige. Vor allem werde in diesen Bereichen sehr viel mehr Personal als bisher benötigt. „Dafür werde ich mich einsetzen.“
Dickes Fell zugelegt
Und was macht Doris Höh in ihrer Freizeit? „Für Hobbys und große Reisen bleibt wenig Platz“, so die neue FDP-Stadträtin. Kein Wunder, fungiert sie doch seit elf Jahren auch noch als Schöffin. Doch es kam für sie nicht in F.rage, dieses wichtige Engagement aufzugeben. Obwohl Doris Höh nur wenig Freizeit hat und in ihren Urlaubswochen doch selten verreist, kommt sie bei ihren Freunden, Arbeits- und Parteikollegen doch meist als Frohnatur rüber. „Ich habe mir über die Jahre ein dickes Fell angeeignet und lasse viele Probleme nicht so nah an mich herankommen“, verrät Höh ihr Geheimnis. Eigenschaften, die sie sicher im Rathaus gut gebrauchen kann. Denn für die aufwendige und oft mühsame Fraktionsarbeit in einer Stadt mit mehr als 600 000 Einwohnern dürfte ein dickes Fell fast schon Grundvoraussetzung sein.