Claudia Ebert ist als Seelsorgerin für Menschen mit Behinderung tätig. Ihr Büro ist im neuen Kirchenzentrum von St. Peter. Foto: Iris Frey

Seit März hat Claudia Ebert ihr Büro im neuen Kirchenzentrum St. Peter. Sie ist als Seelsorgerin für Menschen mit Behinderung tätig – stadtweit. Dabei arbeitet sie religionsübergreifend.

Bad Cannstatt - Seit März hat sie ihr Büro im neuen St. Peter-Kirchenzentrum in der Winterbacher Straße 36 bezogen. Sie blickt durch die großen Glasscheiben in den hellen offenen Innenhof mit vielen Spiegelungen, links die Kindertagesstätte und vor sich St. Damiano, die Wohn- und Förderstätte für Behinderte. Sie ist viel unterwegs, sagt die Seelsorgerin für Menschen mit Behinderungen. Sie ist von der Diözese Rottenburg-Stuttgart für das katholische Stadtdekanat in ganz Stuttgart tätig, muss aber nicht auf die Religionszugehörigkeit schauen und hat mit vielen Nationalitäten zu tun.

So hält sie Religionsunterricht an der Helene Schoettle-Schule in Steinhaldenfeld und an der Margarete-Steiff-Schule in Möhringen. Da kam es auch dazu, dass sie kürzlich eine Gedenkfeier für einen verstorbenen Behinderten feierte, zusammen mit den Schülern und der Familie. Sie hat eine Schale mit Erde auf ein Tuch gestellt und jeder konnte einen Wunsch sagen, der eingesäht wurde, berichtet sie und zeigt ein Bild. Auch der Familie habe es gutgetan, nochmals darüber zu reden. Und die Mitschüler konnten ihre Fragen stellen, wo der Verstorbene jetzt ist.

Den Alltag durchbrechen

Kürzlich hat das plötzliche Verschwinden eines Menschen mit Behinderungen in Untertürkheim und sein späteres Auffinden mit tragischem Ende für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch in solchen Fällen könnte sie theoretisch gerufen werden, sagt sie, um denen, die den Menschen betreut haben, beizustehen und den Eltern, die nun um ihr Kind trauern. Meist seien diese aber in ihren Bereichen bereits betreut. Auch gebe es die Möglichkeit ,für Betroffene, sich an das Hospiz zu wenden, auch dort gibt es Trauerbegleitung, sagt Ebert. Die Menschen, mit denen sie zu tun hat, sitzen nicht nur im Rollstuhl, sie können auch selbst gehen. „Ich begleite die Menschen durchs Leben“, sagt sie. Wenn einer in der Begleitungsphase verstorben ist, hat sie immer noch Kontakt mit der Familie. Zum aktuellen Fall, den sie nicht kennt, möchte sie sich nicht weiter äußern: „Man weiß ja nicht, was passiert ist.“

Sie weiß, dass Eltern, die ein Kind mit Behinderungen haben, oft wenige Kontakte nach außen pflegen können, weil sie so eingespannt sind. Hier hilft sie, den Alltag zu unterbrechen. Oftmals auch mit ihrer Gitarre. Ebert singt gerne. „Es ist eine ganz direkte Arbeit“, sagt sie, „ganz nah an den Menschen dran, schnörkellos. Ich kann dasein und signalisieren, ich halte mit aus.“ Wenn es gewünscht ist, betet sie mit den Menschen und segnet die Kinder und die Eltern.

Die Würde stärken

Ebert hat Religionspädagogik studiert und ist Gemeindereferentin. Sie hat sich in Hospiz- und Trauerarbeit weitergebildet und in Gestaltpädagogik und sie ist Teamleiterin bei den „Singenden Krankenhäusern“. Sie töpfert viel und hat kürzlich auch im Robert-Bosch-Krankenhaus eine Engel-Ausstellung mit Schülern eröffnet. Ziel sei es, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, auch etwa beim gemeinsamen Schauen eines Kinofilms und darüber sprechen, unter dem Motto „Kino all inclusive“. Auch das Thema Königskinder beschäftigt sie und freut sich, wenn die Kinder Kronen aus Ton für die Figuren formen, „die Würde des Menschen, die ich stärken möchte“.

Auch mit dem nahen Behindertenwohnheim St. Damiano hat sie Kontakt und freut sich, dass beim Gottesdienst in St. Peter kürzlich „die ganze erste Reihe“ mit Bewohnern besetzt war. Auch hier möchte sie Begegnungen schaffen. Sie will Berührungsängste zu den Menschen abbauen, Ängste ernst nehmen und zu überlegen, wie gut miteinander umgegangen werden kann.

Die Menschen gewinnen

Von den Schülern lernt sie Geduld mit sich, wenn was nicht geht. „Das Kostbarste ist, sich zu begegnen“, sagt die 45-Jährige, die in Ellwangen geboren ist, als eines von zehn Geschwistern. Als ihr Vater einen Schlaganfall und Demenz hatte, hat sie gelernt, mit Menschen umzugehen, die nicht mehr reden können, erzählt sie. In der Schule trifft Ebert auf Kinder, die weder einen Stift halten, noch schreiben oder sprechen können. Wer sie ist, wissen die Schüler und Lehrer, seit sie mit ihrem umgebauten Servierwagen kommt, der eine Kirchenform darstellt, mit ihrer Gitarre dabei. Dann ist die Kirche da. Und sie weiß, dass die viel Gegenwind erfährt: „Nur durch eigene Haltung und Präsenz kann man die Menschen wieder gewinnen.“ Sie fühlt sich sehr bereichert durch die Arbeit für die Seele.

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