Eigentlich hätte am 30. März die Eigentümerversammlung sein sollen. Foto: Patrick Steinle

Die mehr als Tausend Bewohner der drei Blöcke in Stuttgart-Asemwald zeigen sich solidarisch in der Corona-Krise. Denn es gibt hier durchaus einige Privat- und Geschäftsleute, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind in diesen schweren Zeiten.

Asemwald - Mindestabstand und Social Distancing sind dieser Tage in aller Munde. Doch wie gut kann das eingehalten werden, wenn auf geringem Raum mehr als 1100 Eigentümerwohnungen angesiedelt sind? In den insgesamt drei Häuserblocks der Wohnstadt Asemwald leben knapp 2000 Bewohner. Ist hier die Gefahr höher, dass sich das neuartige Coronavirus verbreitet?

Werner Pohl vom Verwaltungsbeirat der Wohnstadt Asemwald sieht das nicht so. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass mittlerweile bei jedem der Ernst der Lage angekommen ist“, sagt Pohl. „Jeder hält den Mindestabstand ein.“ Das funktioniere beispielsweise in der Bäckerei, wo sich die Mitarbeiter versuchen, zu schützen, indem Markierungen auf dem Boden den Abstand regeln. Ihm stößt aber auf, dass in der Edeka-Filiale noch keine Schutzvorrichtungen für die Kassiererinnen und Kassierer angebracht wurden. „Andernorts ist das doch schon normal.“ Das läge aber nicht in der Hand des Verwaltungsbeirats.

Die Nähe in Stuttgart-Asemwald kann auch von Vorteil sein

Pohl beobachtet aber, dass sich die Hausverwaltung bemüht. „Die Aufzüge werden häufiger gereinigt und die Taster auch“, erzählt er. Über das Schwarze Brett oder den internen Fernsehkanal werden Informationen und Spielregeln sehr gut kommuniziert. In anderen Stadtteilen Stuttgarts sei das aufgrund der geringeren Bevölkerungsdichte indes nicht so einfach. Außerdem sei die Situation in allen Supermärkten dieselbe.

Der Alltag in der Wohnstadt sei natürlich beeinträchtigt. „Es ist üblich, dass man Nachbarn spontan in die eigene Wohnung einlädt“, erzählt Pohl über die Herzlichkeit der Menschen im Asemwald. „Jetzt ist an der Türschwelle eben Schluss.“ Das tue dem Zusammenhalt aber keinen Abbruch. Da viele Bewohner betagter sind, brauchen gerade diese Menschen Hilfe. Und die bekämen sie: „Es gibt viele Hilfsangebote aus der Bewohnerschaft.“ Zum Beispiel in Form eines Einkaufs. Auch den Läden im Asemwald werde Hilfe angeboten, die Bewohner wollen beispielsweise den Friseur oder die Thai-Massage unterstützen. Diese sind geschlossen wie auch das Schwimmbad. Das Restaurants Bella Vista ist ebenfalls dicht, jedoch wird ein Abholservice angeboten.

Die Eigentümerversammlung ist hier stets eine besondere

Am 30. März hätte übrigens die Eigentümerversammlung der Wohnstadt Asemwald stattfinden sollen. Aufgrund des Versammlungsverbotes musste diese allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Das sei aber weniger dramatisch, da keine akuten Themen auf der Tagesordnung gestanden hätten. Große Projekte wie die Sanierung von Brandschutztüren und Aufzügen seien schon am Laufen, so Pohl. Bei dem Hausverwaltungsunternehmen Klauß und Partner sieht man ebenfalls keine Probleme aufgrund der Absage. „Es wird sich eben alles nach hinten verschieben“, sagt der Geschäftsführer Jan Schmälzle. Es ginge nun aber vorrangig um das Wohl aller.

Die Planung für die Eigentümerversammlung ist übrigens nicht alltäglich. „Es ist eine ganz andere Dimension“, erklärt Schmälzle. „Im Schnitt besuchen 550 bis 800 Eigentümer die Versammlung.“ Das Abstimmungsverfahren, der Einlass und sogar ein Bus-Pendelverkehr von Asemwald zum Veranstaltungsort werden im Vorhinein abgeklärt. „Der Termin wird bereits ein Dreivierteljahr im Voraus festgelegt, da ein entsprechend großer Veranstaltungsraum gefunden und gebucht werden muss“, so Schmälzle. Dennoch betont er, dass der bereits geleistete Aufwand momentan wegen der Krise in den Hintergrund rücke.

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